Kritische Rohstoffe: China baut seinen Vorsprung bei Rohstoffen immer weiter aus
Berlin, Frankfurt. China baut seine Vormachtstellung beim Zugang zu kritischen Rohstoffen weiter deutlich aus und vergrößert damit den Abstand zu Europa und den USA. Wie eine exklusive Datenanalyse des Handelsblatts zeigt, hat kein anderes Land in den vergangenen zehn Jahren mehr Minen und Raffinerien für kritische Rohstoffe weltweit übernommen als die Volksrepublik.
Der Auswertung zufolge schlossen in den vergangenen zehn Jahren chinesische Unternehmen aus der Volksrepublik insgesamt 95 M&A-Deals für Rohstoffprojekte außerhalb des eigenen Landes ab. Das sind gut eineinhalbmal so viele Geschäftsabschlüsse wie bei Unternehmen aus den USA (59 Transaktionen) und mehr als doppelt so viele wie von Unternehmen aus der Europäischen Union (45 Transaktionen).
Für die Erhebung auf Basis von Daten des Anbieters LSEG wurden im Sektor für kritische Rohstoffe zwischen 2015 und 2025 die M&A-Tätigkeiten gezählt, also Fusionen und Übernahmen. Die Übernahmeziele befinden sich jeweils außerhalb der Region des Käufers.
Experten zeigen sich alarmiert. „Dass China uns hier weiterhin voraus ist, zeigt mit aller Deutlichkeit, dass es der EU und Deutschland weiterhin an Entschlossenheit und Umsetzungsfähigkeit mangelt“, sagte Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dem Handelsblatt. Es herrsche ein weltweiter Wettbewerb um die besten Rohstoffprojekte, doch die Europäer seien zu zögerlich, kritisierte auch Stefan Müller, Gründer der Deutschen Gesellschaft für Wertpapieranalyse (DGWA), die Rohstoffkonzerne weltweit berät.
Laut Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) liegt bei einigen Mineralien der globale Marktanteil Chinas bei fast 100 Prozent. Dazu zählen neben seltenen Erden auch Grafit und Kobalt