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NotenbankBank of England senkt Leitzins auf vier Prozent

Die britische Notenbank bleibt bei ihrer vorsichtigen Lockerung der Geldpolitik. Steigende Löhne hatten die Inflation in die Höhe getrieben, die Notenbanker erwarten aber eine Trendwende.Torsten Riecke 07.08.2025 - 14:59 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Gebäude der Bank of England in London: Ökonomen versprechen sich durch die Zinssenkung Impulse für die Wirtschaft. Foto: REUTERS

London. Die britische Notenbank hat die Leitzinsen in Großbritannien am Donnerstag um 25 Basispunkte auf vier Prozent gesenkt. Die Entscheidung der Bank of England (BoE) fiel mit einer knappen Mehrheit von fünf Stimmen. Vier Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses votierten dafür, die Leitzinsen bei 4,25 Prozent zu belassen. Die Notenbanker mussten erstmals seit ihrer Unabhängigkeit vor 28 Jahren zweimal abstimmen, um zu einer Entscheidung zu kommen.

Es ist die fünfte Zinssenkung, seit die Notenbank im vergangenen Sommer mit der Lockerung ihrer Geldpolitik begonnen hatte. Die Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren war zwar von den meisten Investoren an den Finanzmärkten erwartet worden.

Allerdings war die Inflation im Vereinigten Königreich im Juni überraschend stark auf 3,6 Prozent gestiegen. Das ist weit über dem Inflationsziel der Notenbank von zwei Prozent.

Stagnierende Wirtschaft, hohe Inflation

An den Finanz- und Devisenmärkten konnte das britische Pfund im Verhältnis zum Dollar deutlich zulegen. Der Aktienmarkt in London notierte leicht schwächer. Die Zinsen für kurzfristige britische Staatsanleihen zogen dagegen spürbar an, nachdem die Händler ihre Wetten auf künftige Zinssenkungen der Bank von England zurückgefahren hatten. Dennoch rechnen Finanzprofis mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent mit einem weiteren Zinsschritt nach unten in diesem Jahr.

Der geldpolitische Ausschuss konzentriere „sich weiterhin darauf, jeglichen bestehenden oder neu entstehenden, anhaltenden Inflationsdruck zu beseitigen“, kündigten die britischen Notenbanker an. „Wir müssen aufpassen, dass eine höhere Lebensmittel- und Energieinflation nicht zu Zweitrundeneffekten bei den Löhnen oder der Preisgestaltung führt“, warnte Notenbank-Gouverneur Andrew Bailey.

Die Bank von England rechnet damit, dass die Inflation bis September weiter auf vier Prozent steigen wird, bevor sie dann zurückgeht. „Ein schrittweises und vorsichtiges Vorgehen“ bei der weiteren geldpolitischen Lockerung bleibe angebracht, sagte Bailey. Der Trend gehe aber weiter nach unten.

Andrew Bailey: Der Notenbankchef warnt vor anhaltenden Inflationsgefahren. Foto: REUTERS

Für die stagnierende britische Wirtschaft ist die geldpolitische Lockerung eine Anschubhilfe. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im April und Mai leicht geschrumpft. Verantwortlich dafür waren nicht nur Unsicherheiten über die Auswirkungen steigender Importzölle in den USA. Auch die Erhöhung von Sozialabgaben für britische Arbeitgeber durch die Labour-Regierung in London hat die Wirtschaft gebremst.

„Dies ist die defensive Maßnahme einer Zentralbank, die sich Sorgen um eine Stagnation macht“, kommentierte Nigel Green von der Vermögensberatung de Vere Group die Zinssenkung. „Unternehmen werden die Entscheidung begrüßen“, sagte David Bahrier von der British Chambers of Commerce. Angesichts einer erkennbaren Abschwächung des Arbeitsmarktes „handelt die Bank richtig, um das Risiko eines tieferen Abschwungs zu mindern“.

In Großbritannien hatte die jüngste Entwicklung Befürchtungen ausgelöst, das Land könne in eine Stagflation geraten, also in eine länger anhaltende Phase mit hoher Inflation bei stagnierendem Wirtschaftswachstum. Die Notenbanker rechnen jedoch damit, dass die britische Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr um 1,25 Prozent wächst und das Wachstum sich dann 2027 auf 1,5 Prozent steigert. Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Zollkrieg könnte Großbritannien demnach in den kommenden drei Jahren 0,2 Prozent Wachstum kosten.

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Debatte über Steuererhöhungen

Für die britische Finanzministerin Rachel Reeves ist die Zinssenkung eine gute Nachricht. Die Labour-Politikerin steht unter wachsendem Druck, bis zum Herbst ein Loch im Haushalt zu stopfen, das die Denkfabrik National Institute for Economic and Social Research (NIESR) diese Woche auf rund 41 Milliarden Pfund (knapp 48 Milliarden Euro) taxiert hat. Reeves ist deshalb auf steigende Steuereinnahmen durch zusätzliches Wirtschaftswachstum angewiesen, will sie nicht die Steuersätze erhöhen. Das hatte die Regierung in London bislang für die Einkommen- und Mehrwertsteuer ausgeschlossen.

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