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RüstungQuantum Systems könnte Firmenbewertung bald verdreifachen

Quantum Systems hat erst im Mai 160 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt – und könnte bald weiteres Kapital erhalten. Das Geschäft des Drohnen-Start-ups floriert.Nadine Schimroszik, Larissa Holzki 07.08.2025 - 03:44 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Modell „Vector“: Quantum Systems produziert diese Drohne auch in der Ukraine. Foto: Quantum Systems

München. Quantum Systems könnte nur wenige Monate nach der jüngsten Finanzierungsrunde weiteres Kapital von Investoren erhalten. Wie das Handelsblatt von drei mit den Gesprächen vertrauten Personen erfuhr, erwägen mehrere Kapitalgeber, ihre Beteiligung an dem Start-up auszubauen und erneut einen Betrag im mittleren dreistelligen Millionenbereich zu investieren. Das Start-up könnte dabei mit drei Milliarden Euro bewertet werden.

Das Münchner Drohnen-Start-up weist die Gerüchte um konkrete Gespräche zurück. Doch als sicher gilt, dass die Firma sowohl bei Wagniskapitalgebern als auch bei Banken, die einen möglichen Börsengang begleiten könnten, großes Interesse weckt.

Grund dafür ist das schnell wachsende Geschäft: Wie die beiden Firmenchefs Florian Seibel und Sven Kruck in einem Interview mit dem Handelsblatt sagten, dürfte der Umsatz in diesem Jahr auf mehr als 250 Millionen Euro von 113 Millionen Euro im Vorjahr steigen. Vor Steuern und Abschreibungen (Ebit) soll in diesem Jahr ein positives Ergebnis stehenbleiben – in zweistelliger Millionenhöhe.

Zuletzt hatte das Unternehmen im Rahmen einer Finanzierungsrunde im Mai 160 Millionen Euro eingenommen. Seitdem zählt die Firma zu den sogenannten Einhörnern – also den Start-ups, die mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet werden. Nun steht also eine Verdreifachung der Unternehmensbewertung im Raum.

Quantum Systems: Fertigung der Drohne „Vector“ im ukrainischen Werk. Foto: Quantum Systems

Quantum Systems gehört neben dem ebenfalls aus München stammenden Unternehmen Helsing zu den größten und bekanntesten Jungfirmen, die vom wichtigsten Investmenttrend des Jahres profitieren: Im ersten Halbjahr ging jeder fünfte Euro, der in ein deutsches Start-up investiert wurde, an ein Unternehmen aus der Verteidigungsbranche. Mit neuen Wagniskapitalfonds speziell für die jungen Rüstungsfirmen gibt es einen regelrechten Boom.

Investoren sehen große Chancen in erhöhten Verteidigungsbudgets, die zunehmend für Digitalisierung, Vernetzung und autonome Systeme verwendet werden sollen. In den nächsten Monaten werden allein von der Bundeswehr mehrere entsprechende Großaufträge vergeben, bei denen Start-ups wie Quantum Systems und Helsing zum Zuge kommen könnten.

Im Juni erhielt Helsing 600 Millionen Euro von Geldgebern und wurde damit wohl zum wertvollsten Start-up Deutschlands. Ebenso spielen die Firmen Arx Robotics und Stark inzwischen eine größere Rolle in der Branche.

Insider: Balderton ist erneut mit dabei

Der ehemalige Bundeswehroffizier Florian Seibel hat Quantum Systems 2015 gegründet. Die Firma startete mit einem sogenannten Dual-Use-Ansatz für zivile und militärische Einsatzzwecke. So können Quantum-Drohnen beispielsweise auch in der Landwirtschaft und bei Rettungseinsätzen genutzt werden. Den Großteil des Geschäfts machen inzwischen aber Aufklärungsdrohnen für Streitkräfte aus.

In der Anfangszeit waren insbesondere in Europa nur wenige Wagniskapitalgeber bereit, im Bereich Verteidigungstechnologie zu investieren. Zu den ersten Geldgebern gehörten das Münchner Investorenkonsortium 10x Group und der deutschstämmige US-Milliardär und Palantir-Mitgründer Peter Thiel.

Inzwischen hat sich die Stimmung gedreht. Im Mai führte der Londoner Risikokapitalgeber Balderton Capital die Finanzierungsrunde an. Auch bei der wohl geplanten neuen Kapitalerhöhung soll Balderton den Insidern zufolge dabei sein. Der Investor war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Überdies sind unter anderem die Wagniskapitalgeber HV Capital und Project A an Quantum Systems beteiligt, der Porsche-Großaktionär Porsche SE sowie die Rüstungskonzerne Hensoldt und Airbus. Letzterer ist auch ein wichtiger Kooperationspartner für Quantum: Beide Firmen planen, ein gemeinsames Ökosystem für die Luftaufklärung zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Quantum-Systems-Software Mosaic, die unbemannte Flugsysteme über verschiedene Domänen hinweg vernetzen soll.

Geld aus einer neuen Finanzierungsrunde dürfte Quantum nutzen, um seine Expansion zu finanzieren. Die Firma, die weltweit aktiv ist und Standorte in den USA, Australien, der Ukraine und Rumänien hat, will sich noch stärker internationalisieren.

Zudem plant Quantum Systems, sich breiter aufzustellen. Bisher bietet die Firma verschiedene Drohnen mit unterschiedlichen Fähigkeiten für die Luftaufklärung an. Das Angebot soll nun erweitert werden. „Wir wollen eine Multi-Domänen-Firma sein“, erklärte Co-Chef Sven Kruck im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Sven Kruck: Er leitet Quantum Systems mit Gründer Seibel. Foto: Quantum Systems
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Die Ausweitung des Geschäfts soll zunächst über die Softwareplattform Mosaic erfolgen, die unbemannte Systeme (UxS) über Luft, Land und See hinweg steuern und koordinieren soll. Aber auch neue Hardware steht auf dem Programm. So kündigte die Firma an, bald auch Unterwasserdrohnen für die Marine anbieten zu wollen.

Mittlerweile beschäftigt Quantum Systems mehr als 700 Mitarbeiter. Ähnlich wie Helsing, das kürzlich den Flugzeughersteller Grob Aircraft gekauft hat, hat auch Quantum Systems schon Übernahmen von Traditionsfirmen gestemmt. Im Frühjahr hat Quantum Systems etwa den Copterdrohnen-Anbieter Airrobot gekauft und damit dessen Aufträge. Airrobot produziert im sauerländischen Arnsberg.

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