Dax: Analyst sieht „guten Nährboden für Fortsetzung der Rally“
Düsseldorf. Mehr als drei Prozent konnte der deutsche Leitindex Dax in der vergangenen Woche zulegen. Damit bestätigte die Börse die Auswertung der vergangenen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment, die den vorherigen Kurseinbruch als Einstiegschance interpretierte. Und: Diese Erholung könnte weitergehen, zeigt das aktuelle Dax-Sentiment.
Für seine Börsenumfrage befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen gut 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt entsprechend der Kursentwicklung einen Stimmungsumschwung. Die Anlegerstimmung (Sentiment) steigt auf plus 1,1 Punkte, nachdem sie in der Vorwoche noch auf minus 3,6 Prozent eingebrochen war – und sich damit den Extremwerten näherte, die bei minus vier Punkten beginnen.
Die Verbesserung um 4,7 Punkte ist die zweitgrößte in diesem Jahr. Stärker war der Stimmungsumschwung nur Ende Juni – zwei Wochen später erreichte der Dax sein aktuelles Rekordhoch.
Von der in der Vorwoche gemessenen Verunsicherung ist nichts geblieben. Der entsprechende Wert stieg von minus 1,3 auf plus 0,6 Punkte und zeigt damit leichte Selbstgefälligkeit an. Zur Ermittlung dieses Werts werden die Teilnehmer gefragt, ob sich ihre Erwartungen in der abgelaufenen Woche erfüllt haben.
Dass nicht mehr Befragte die Kursentwicklung erwartet haben, lässt Heibel zufolge nur einen Schluss zu: „Die Rally wurde von vielen wohl verpasst.“
Das spräche auch dafür, dass nicht die heimischen Investoren die Kurse wieder nach oben getrieben haben, erklärt der Sentiment-Experte: „Wieder einmal waren es wohl internationale Anleger, die dem Dax auf die Beine halfen.“
Kaufbereitschaft steigt so stark wie zuletzt Anfang April
Gestützt wird diese These auch durch die Wechselkursentwicklung. Der Euro legte gegenüber dem Dollar in der vergangenen Woche mehr als zwei Prozent zu. Es floss also Geld in den Euro-Währungsraum.
Die Zukunftserwartungen sind derweil unverändert bei plus 0,9 Punkten. Die Umfrageteilnehmer schauen also weiterhin verhalten optimistisch auf die Börsenentwicklung in den kommenden drei Monaten.
Bemerkenswert ist, dass dennoch die Investitionsbereitschaft angesprungen ist. Sie steigt von 0,2 Punkten auf 1,5 Punkte.
Das Plus von 1,3 Punkten ist der größte Anstieg seit 7. April. Damals hatte der von US-Präsident Donald Trump gestartete Zollstreit mit dem Rest der Welt die Aktienkurse einbrechen lassen. In den folgenden beiden Wochen stieg der Dax um knapp 13 Prozent.
Dass die Investitionsbereitschaft nach einem bereits erfolgten Kursanstieg und bei unveränderten Zukunftserwartungen so deutlich steigt, ist für Heibel ein Zeichen, dass die Umfrageteilnehmer Nachholbedarf haben: „Viele Anleger laufen der Rally unterinvestiert hinterher.“
Auch institutionelle Investoren setzen auf steigende Kurse, wie aus Daten der europäischen Terminbörse Eurex hervorgeht. Hier werden die gehandelten Put-Optionen, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, zu den gehandelten Call-Optionen, die bei steigenden Kursen an Wert gewinnen, ins Verhältnis gesetzt.
Sentiment-Analyse zeigt „junge Rally“ an
Die so ermittelte Put-Call-Ratio für den Dax ist seit Mitte Juni von bis zu 2,7 auf unter 1,9 gefallen – es werden zurzeit also wieder mehr Call-Optionen gekauft. „Institutionelle Anleger lösen ihre Absicherungen in steigende Kurse hinein auf und positionieren sich für eine Rally“, erklärt Heibel.
Insgesamt beobachtet der Sentimentexperte aber eine unterschiedliche Stimmungslage bei professionellen und privaten Anlegern: „Während institutionelle Anleger vorsichtig optimistisch sind, wünschen sich Privatanleger wohl nochmals fallende Kurse, um auf den angefahrenen Rally-Zug noch aufspringen zu können.“
Nach Heibels Einschätzung ist das eine konstruktive Ausgangslage. Die genannte Kombination sei in der Regel „ein guter Nährboden“ für weiter steigende Kurse: „Aus Sicht der Sentiment-Analyse ergibt sich somit ein Bild einer noch jungen Rally.“
Optimistisch bewerten die deutschen Anleger auch die Aussichten für Gold. Das geht aus einer separaten Umfrage von AnimusX unter seinen Kunden hervor.
„Nur zwölfmal seit 2006 war der Optimismus unter Anlegern, insbesondere unter den institutionellen Anlegern, noch größer“, berichtet Heibel. Es folgte ein Goldpreisanstieg um knapp vier Prozent in den folgenden sechs Monaten. Das würde diesmal einem Goldpreis von fast 3500 Dollar entsprechen.
Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.