KI-Chatbot: Zölle, Wahlbetrug, Fed – Truth-Social-KI widerspricht Trump
Düsseldorf. Für Donald Trump geht es auf seiner Plattform Truth Social vor allem um eines, wie er sagt: die Wahrheit. Daher auch die Namensgebung. Trumps Wahrheit sollen Nutzerinnen und Nutzer nun sogar per Künstlicher Intelligenz (KI, oder nach englischer Abkürzung AI) auf seiner Plattform erfahren, von der Truth Search AI.
Noch befindet sich der Chatbot in der Beta-Phase. Betrieben wird die „Wahrheitssuche“ vom KI-Start-up Perplexity. Das Unternehmen hat aber keinen direkten Einfluss darauf, wie der Chatbot von Truth Social eingesetzt wird.
Wo Trumps KI-Suche ihre Informationen hernimmt und wo sie Trumps Aussagen widerspricht:
Woher nimmt die KI ihre Informationen?
Wer auf Truth Search AI eine Frage stellt, kann sich auch die Quellen für die Antwort anzeigen lassen. Diese sind eher politisch rechts positionierte Medien wie Fox News, die Epoch Times oder Newsmax. Selbst dann, wenn die Fragen unpolitisch sind, beispielsweise, wo die schönste Stadt der Welt liege, was das schnellste Passagierflugzeug der Geschichte sei oder der beste Film der 90er, stützt sich die KI auf entsprechende Quellen.
Fragt man danach, streitet das Programm ab, eine politische Auswahl zu treffen. „Ich zitiere die relevantesten, zitierbaren Quellen, welche die spezifischen Behauptungen der Anfrage beantworten.“ Besonders würden dabei akademische Quellen, Regierungsdokumente und eine Liste an Medien gewichtet, diese seien: „Reuters, AP, NYT, WaPo, WSJ, The Verge, Wired“. Keine dieser Quellen wie etwa „New York Times“ (NYT), „Wall Street Journal“ (WSJ) oder „Washington Post“ (WaPo) wurde in Dutzenden Anfragen verwendet.
Ist Trumps Verhalten gegenüber Notenbankchef Powell gerechtfertigt?
Der US-Präsident kritisiert Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, seit Monaten. Die Fed hatte den Leitzins in den vergangenen fünf Sitzungen in der Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent gehalten. Trump fordert niedrigere Zinsen, weil diese die Wirtschaft beleben könnten. Dabei ist der Präsident zunehmend ausfallend geworden.
Was die KI sagt: „Powell öffentlich unter Druck zu setzen, die Zinsen zu senken oder zurückzutreten, ist politisch zulässig, verstößt jedoch gegen die Norm der Unabhängigkeit der Zentralbank“, schreibt die KI. Powell als „Mr. Too Late“ zu bezeichnen, sei „verständliche politische Rhetorik“, widerspreche aber „den bewährten Verfahren zur Wahrung der Unabhängigkeit der Fed und einer glaubwürdigen, inflationsstabilisierenden Politikgestaltung“.
Was Trump sagt: Trump nannte den Fed-Chef einen „sturen Dummkopf“. An seiner Stelle solle der Zentralbankrat „DIE KONTROLLE ÜBERNEHMEN“, falls die Fed die Zinsen nicht bald senke. Zudem sei Powell: „ZU SPÄT und eigentlich ZU BÖSE, ZU DUMM und ZU POLITISCH, um den Posten des Fed-Vorsitzenden zu bekleiden.“
Fälscht das Statistikbüro Zahlen zum Arbeitsmarkt?
Zuletzt schwache Arbeitsmarktdaten haben Trump zu einem radikalen Schritt veranlasst. Der US-Präsident ordnete an, die Leiterin des Bureau of Labor Statistics (BLS), Erika McEntarfer, zu entlassen – und ersetzte sie durch einen Vertrauten.
Was die KI sagt: Trumps Behauptungen, dass das BLS die Beschäftigungszahlen im jüngsten Arbeitsmarktbericht manipuliert oder gefälscht habe, werde durch keine Beweise gestützt. „Experten aller politischen Lager sagen, dass die Daten von erfahrenen Statistikern unter Verwendung transparenter, seit Langem etablierter Methoden erstellt werden und dass routinemäßige Überarbeitungen ein normaler Bestandteil der Verbesserung der Genauigkeit sind“, so Truth Search AI weiter.
Zu hohe Schätzungen wiesen auf Messprobleme hin. Kritik daran rechtfertige aber „nicht die Behauptung einer politischen Voreingenommenheit oder die Entlassung der BLS-Kommissarin aus diesem Grund“.
Was Trump sagt: „Meiner Meinung nach wurden die heutigen Arbeitsmarktzahlen gefälscht, um die Republikaner und mich schlecht aussehen zu lassen“, schrieb Trump auf Truth Social.
Wer zahlt für die US-Zölle?
Hohe Zölle auf Importe sind eines der wichtigsten Projekte der Trump-Regierung. Seit dem von Trump „Liberation Day“ genannten Tag Anfang April, an dem der Präsident Zölle auf Einfuhren aus nahezu allen Ländern der Welt verkündete, laufen zahlreiche Verhandlungen mit US-Handelspartnern. Trump sieht in den Zöllen eine Möglichkeit, das US-Handelsdefizit zu reduzieren, die Staatseinnahmen zu erhöhen und die einheimische Industrie zu stärken.
Was die KI sagt: „Die Behauptung, dass ‚ausländische Länder US-Zölle‘ zahlen, ist in rechtlicher Hinsicht unzutreffend.“ Ökonomen seien sich einig, dass der Importeur die Zölle zahle. Je nach Preissensibilität und Wettbewerb werde die wirtschaftliche Belastung auf Importeure, Verbraucher und manchmal auch Exporteure verteilt.
Was Trump sagt: Der Präsident ist der Ansicht, das Ausland zahle die Zölle. In seiner ersten Amtszeit sprach er von „Hunderten Milliarden Dollar, die sie uns zahlen“, als er von US-Zöllen redete. „Was immer sie von uns nehmen, nehmen wir von ihnen – das funktioniert sehr gut. Es ist ein schönes, einfaches System, und wir müssen uns keine Sorgen machen, dass wir zu viel oder zu wenig nehmen.“
Sind Zölle gut für die Wirtschaft?
Was die KI sagt: Zölle verringerten das allgemeine wirtschaftliche Wohlergehen. Sie erhöhten die Preise für Verbraucher und Unternehmen, verzerrten Lieferketten und provozierten Vergeltungsmaßnahmen von Handelspartnern. Diese Maßnahmen wiederum könnten Handel und Wachstum beeinträchtigen.
Zugleich könnten Zölle kurzfristig bestimmten Branchen zugutekommen und als Druckmittel in Verhandlungen eingesetzt werden.
Was Trump sagt: Zölle machten die USA „stark und reich“, behauptete Trump auf Truth Social. Sie würden die Aktienmärkte antreiben und die „größte Menge an Geld, Wohlstand und Einfluss“ in der Geschichte der USA einbringen.
Sind Immigranten besonders kriminell?
Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump eine harsche Migrationspolitik betrieben. Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus ist diese noch deutlich radikaler geworden. Dabei betont der Präsident immer wieder, dass Migration für vermeintlich gestiegene Kriminalität verantwortlich sei.
Was die KI sagt: Die Truth-Social-KI widerspricht diesen Behauptungen. Untersuchungen zeigten, dass Einwanderer insgesamt nicht krimineller seien als in den USA geborene Staatsbürger und dass legale Einwanderer tendenziell die niedrigsten Kriminalitätsraten aufwiesen. Einige „Untergruppen“ verübten aber schwere Straftaten.
Zudem könne sich die politische Einordnung von den Definitionen der Strafjustiz unterscheiden: Einige Beamte bezeichneten alle, die illegal in die USA eingereist seien oder sich dort aufgehalten hätten, aufgrund von Verstößen gegen das Einwanderungsrecht als „Kriminelle“ - unabhängig davon, ob sie zum Beispiel wegen Gewalt- oder Eigentumsdelikten verurteilt worden seien.
Was Trump sagt: Trump sagte unter anderem in einer Ansprache im Kongress, seine Regierung werde „Kriminelle, Mörder, Drogenhändler und Sexualstraftäter“ abschieben. Südamerikanische Länder würden „ihre Gefängnisse und psychiatrischen Kliniken leeren und die Leute in die USA schicken“. Zudem brachte er die Migranten mit Terrorangriffen in Verbindung: „Wir wissen nicht, wer da kommt. Es könnte Isis sein“, sagte Trump mit Blick auf Islamisten.
Sollte die Ukraine Territorium für einen Friedensvertrag abgeben?
Was die KI sagt: Die KI lehnt die Forderung, die Ukraine sollte Teile ihres Staatsgebiets abtreten, ab und verweist auf die Meinungen von Experten. Gebiete abzutreten, würde die russische Aggression belohnen, internationales Recht schädigen und „Russland wahrscheinlich zu weiteren Angriffen einladen, statt einen lang haltenden Frieden zu schaffen“.
Was Trump sagt: Der Präsident hat wiederholt ins Spiel gebracht, Frieden mit Gebietsabtretungen erreichen zu können. Auch vor dem geplanten Spitzentreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitag in Alaska sagte Trump, „ein gewisser Gebietsaustausch“ zwischen der Ukraine und Russland sei unvermeidlich. Da die Ukraine aber nur in einen extrem kleinen Teil Russlands vorgedrungen ist, wäre ein solcher „Tausch“ ein großer Vorteil für Russland.
Waren die Wahlen 2020 manipuliert?
2020 verlor Trump die Präsidentschaftswahl gegen seinen demokratischen Widersacher Joe Biden. Biden gewann dabei 306 Stimmen im Wahlkolleg, Trump 232. Auch bei den insgesamt abgegebenen Stimmen lag Trump hinten. Biden konnte über 81 Millionen Stimmen gewinnen, Trump 74 Millionen. Doch der damalige und heutige US-Präsident wollte das Ergebnis nicht annehmen und warf den Demokraten vor, die Wahlen manipuliert zu haben
Was die KI sagt: Mehrere unabhängige Prüfungen und mehr als 60 Gerichtsurteile hätten keine Hinweise auf Betrug bei den Wahlen im Jahr 2020 gegeben. „Dutzende von Klagen, die von Donald Trump und seinen Verbündeten eingereicht wurden, wurden abgewiesen oder scheiterten, vor allem aufgrund fehlender Klagebefugnis oder unzureichender Beweise, die den Richtern vorgelegt wurden.“
Was Trump sagt: Der US-Präsident spricht weiter von Wahlbetrug: Eigentlich habe er gegen seinen Rivalen Biden gewonnen. Die Verschwörungserzählung einer „Big Lie“ und von „gestohlenen Wahlen“ macht unter seinen Anhängern weiter die Runde.
Ist Trump ein guter Präsident?
Was die KI sagt: „Nein“. Historiker und andere Experten betrachteten Trump als „einen der schlechtesten, nicht einen der besten Präsidenten“. Auch die aktuelle öffentliche Meinung sei „merklich negativer als die über andere Präsidenten zu ähnlichen Zeitpunkten in ihrer Amtszeit“.
Was Trump sagt: Kaum verwunderlich geizt Trump nicht mit Eigenlob. Niemand habe „den Job des Präsidenten besser gemacht“ als er, sagte er etwa 2018 dem Journalisten Bob Woodward. Zudem sei er „präsidentieller“ als alle anderen Präsidenten zuvor – mit Ausnahme des „großen Abraham Lincoln“.