Gipfel in Tianjin: Wie sich Xi, Putin und Modi gegen den Westen aufstellen
Shanghai. Wenn sich Sonntag und Montag die Staats- und Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Tianjin versammeln, ist die Kulisse mit Bedacht gewählt. Die chinesische Hafenmetropole, nur eine Zugstunde von Peking entfernt, gilt als Schaufenster chinesischer Industrie. Und weil sie über einen der größten Häfen der Welt verfügt, gilt sie auch als Symbol internationaler Vernetzung.
Für Chinas Staats- und Parteichef ist der Gipfel denn auch mehr als ein diplomatisches Treffen: Xi Jinping will die SOZ zum Fundament einer neuen Weltordnung nach Pekings Vorstellungen ausbauen.
Doch wie geeint ist die Staatengemeinschaft, die China hinter sich versammelt? Hinter der Fassade der Geschlossenheit zeigen sich Bruchlinien, die sich nur schwer beseitigen lassen.
1. Xis Traum vom eigenen Machtblock
Für Xi ist der Gipfel eine Gelegenheit, Chinas Führungsanspruch in Asien und darüber hinaus zu demonstrieren. Als die SOZ 2001 gegründet wurde, war sie ein regionales Forum, dem China, Russland und die zentralasiatischen Nachbarn angehörten. Heute ist daraus ein Zusammenschluss von zehn Staaten geworden, darunter Indien, Pakistan und Iran. Es ist eine Organisation, die fast die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentiert. Beobachter und „Dialogpartner“ wie die Türkei erweitern das Netzwerk.