Rüstung: Drohnen von Quantum Systems und Stark Defence agieren gemeinsam
Berlin. Die Start-ups Quantum Systems und Stark Defence haben in der Ukraine erfolgreich einen neuen Verbund aus einer Aufklärungs- und einer Kamikaze-Drohne getestet. Das teilten die Unternehmen im Netzwerk LinkedIn mit. Dabei operieren die auch schon bei der Bundeswehr eingeführte Aufklärungsdrohne Vector von Quantum und die sogenannte Loitering Munition Virtus von Stark zusammen auf einer gemeinsamen Softwarebasis.
Fachleute sprechen in diesem Fall von einem Aufklärungs- und Wirkungsverbund oder Reconnaissance-Strike-Fähigkeiten, kurz: Recce-Strike. Es geht darum, auf dem Gefechtsfeld den Zeitraum zwischen der Entdeckung und der Bekämpfung eines möglichen Ziels zu verkürzen.
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Die Daten, die von der Aufklärungsdrohne geliefert werden, können also direkt für die Zielsteuerung der sich ebenfalls bereits in der Luft befindlichen Kamikaze-Drohne genutzt werden. Sie müssen nicht erst an andere Einheiten übermittelt werden, die dann das Ziel beispielsweise mit Artillerie, Hubschraubern oder Drohnen bekämpfen, die erst zum Einsatzort gelangen müssen.
Vector und Virtus arbeiten dabei in einem vollständig integrierten System mit einer Software. Drei Soldatinnen oder Soldaten reichen zur Bedienung aus – ein Operateur, ein Softwarebediener und einer, der die Einheit sichert. Die Drohnen können, wie Modellflugzeuge, rasch montiert werden.
„Für die Ukraine ist der Recce-Strike nicht nur Theorie – er bewährt sich bereits im Gefecht“, sagte Oleksandr Berezhny, Geschäftsführer von Quantum Systems in der Ukraine. Die Möglichkeit, innerhalb von Minuten aufzuklären und wirken zu können, könne den Ausgang eines Kampfes entscheiden.
Bei Vector handelt es sich um einen Starrflügler mit 2,80 Metern Spannweite, der senkrecht starten und landen kann, eine Reichweite von mehr als 60 Kilometern hat und drei Stunden in der Luft bleiben kann. Die Drohne hat sich in der Ukraine bewährt und wird auch von mehreren Nato-Streitkräften eingesetzt.
Die Bundeswehr hat im Rahmen des Projekts „Falke“ 14 Exemplare für ihr Kommando Spezialkräfte bestellt. Ende vergangenen Jahres hatte Quantum Systems mitgeteilt, die Drohnen mit zusätzlichen Datenlinks auszustatten, um auch einen Datenaustausch mit dem leichten Kampfhubschrauber zu ermöglichen, der bei der Bundeswehr eingeführt wird. Die Drohnen ließen sich dann bei Bedarf auch aus dem Cockpit des Helikopters steuern.
Das Waffensystem Virtus von Stark fällt unter den Begriff Loitering Munition – vom englischen Wort für „herumlungern“. Gemeint ist, dass die Drohne mit ihrem bis zu fünf Kilogramm schweren Sprengkopf in der Luft verharrt, bis ein zu bekämpfendes Ziel ausgemacht ist. Sie kann ebenfalls senkrecht starten, ist in weniger als zehn Minuten einsatzbereit gemacht und hat eine Flugzeit von 60 Minuten bei 100 Kilometern Reichweite.
Die Bundeswehr testet aktuell Loitering Munition von zwei Herstellern, um am Ende größere Stückzahlen beim siegreichen Wettbewerber einzukaufen. Neben Helsing soll nach Medienberichten auch Stark Defence mit im Rennen sein. Das Unternehmen will sich dazu nicht äußern.
Für die Bundeswehr könnte aber auch das Verbundsystem von Quantum und Stark interessant sein. Das Amt für Heeresentwicklung hatte bereits im Mai vergangenen Jahres ein Konzept „Einsatz UxS/LMS im Heer“ fertiggestellt. Mit UxS sind dabei unbemannte Systeme zu Lande, zu Wasser und in der Luft gemeint, LMS steht für die Loitering Munition.
Das Konzept benennt die Anforderungen an die Systeme, notwendige Stückzahlen und zeigt Einsatzmöglichkeiten auf. „Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat klar gezeigt, wie entscheidend es ist, die Lücke zwischen Aufklärung und Wirkung zu schließen“, betonte Johannes Schaback, Mitgründer und Technikchef von Stark.