Chemie: EU setzt offenbar Übernahme-Prüfung bei Covestro vorübergehend aus
Brüssel. Die EU-Wettbewerbshüter wollen die eingehende Prüfung der geplanten Übernahme des Leverkusener Kunststoffherstellers Covestro durch den staatlichen Ölkonzern Adnoc aus Abu Dhabi vorübergehend aussetzen. Der vorübergehende Stopp solle der Europäischen Kommission mehr Zeit geben, Informationen zu dem bis zu 16 Milliarden Euro schweren Deal zu sammeln, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.
Adnoc habe am Dienstag zudem konstruktive Gespräche mit den EU-Wettbewerbshütern über mögliche Abhilfemaßnahmen geführt.
Die Brüsseler Behörde hatte Ende Juli eine eingehende Untersuchung der Übernahme eingeleitet. Grund ist die Sorge, dass von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gewährte staatliche Hilfen den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren könnten.
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Die Untersuchung stützt sich auf die EU-Verordnung über ausländische Subventionen (FSR), die unlautere staatliche Unterstützung aus Drittstaaten verhindern soll. Als mögliche Subventionen nannte die Kommission damals eine unbegrenzte Garantie der VAE sowie eine zugesagte Kapitalerhöhung.
Adnoc und Covestro hatten sich vor knapp einem Jahr auf die Übernahme des deutschen Kunststoffherstellers geeinigt. Für Adnoc ist es der bisher größte Zukauf und zugleich eine der größten ausländischen Übernahmen eines EU-Unternehmens durch einen Golfstaat.
Bei der üblichen EU-Fusionskontrolle hatte die Übernahme bereits im Mai grünes Licht erhalten, die FSR-Prüfung läuft jedoch getrennt davon. Die Kommission hat sich eine Frist für ihre Entscheidung bis zum 2. Dezember gesetzt. Adnoc lehnte eine Stellungnahme ab. Die Kommission reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.