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Trade RepublicSo wird aus einem Neobroker ein Vermögensverwalter

Der Berliner Neobroker wächst in diesem Jahr weiter und wirbt mit neuen Angeboten, wie Mitgründer Christian Hecker im Gespräch erklärt.Dennis Schwarz 17.09.2025 - 11:29 Uhr Artikel anhören
Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker: Das Unternehmen erschließt einen neuen Produktbereich. Foto: Trade Republic

Frankfurt. Der Berliner Neobroker Trade Republic zählt erstmals mehr als zehn Millionen Kunden. Das teilte das Unternehmen am Montagmorgen mit. Damit gehört das Fintech zu den größten Direktbanken des Landes. Die ING Deutschland hat die Marke von zehn Millionen Kunden Ende März dieses Jahres überschritten. Die DKB, die zweitgrößte Onlinebank in Deutschland, zählt etwa 5,9 Millionen Kunden.

Im vergangenen Jahr konnte Trade Republic seine Kundenzahl bereits von vier auf acht Millionen verdoppeln. „In diesem Jahr werden wir absolut wieder mehr Kunden gewinnen als im vergangenen Jahr“, sagt Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das stärkste Quartal sei üblicherweise immer das vierte. Damit würde der Neobroker Ende des Jahres auf über zwölf Millionen Kunden kommen.

Als Kunden zählt Trade Republic alle, die die App heruntergeladen, sich registriert sowie die Identitätsprüfung absolviert haben, bekannt unter dem Kürzel KYC (Know your customer). Zudem müssen sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptiert haben.

Trade Republic zählt zu den wertvollsten Fintechs des Landes. Bei der letzten Finanzierungsrunde im Sommer 2022 wurde das Unternehmen auf fünf Milliarden Euro eingeschätzt. Das Fintech war 2019 als Broker gestartet und erhielt Ende 2023 die Vollbanklizenz. Seitdem kann das Fintech seinen Kunden alle wesentlichen Bankdienstleistungen selbst anbieten.

Anfang des vergangenen Jahres hatte das Unternehmen seine eigene Bezahlkarte eingeführt, fünf Monate nach dem Start zählte es bereits eine Million Kartenkunden. Ende des vergangenen Jahres startete Trade Republic schrittweise die Einführung eines Girokontos. Zuvor bot das Unternehmen nur ein Verrechnungskonto für das Wertpapierdepot an.

Verwaltetes Kundenvermögen steigt

Hecker sieht sich selbst nicht „als direkten Wettbewerber zu Onlinebanken. Bei uns steht das Sparen im Fokus“, sagt er. Kunden kämen zu Trade Republic, um zunächst einen Sparplan mit börsennotierten Fonds (ETFs) abzuschließen, dies sei der Start in den Vermögensaufbau.

Die DKB hat derweil in der vergangenen Woche angekündigt, sich von ihrem Wertpapierdienstleister DWP Bank zu trennen. Stattdessen arbeitet die Onlinebank künftig mit dem Berliner Finanz-Start-up Upvest zusammen. „Die Herausforderung für die DKB ist es, Trade Republic und Revolut etwas entgegenzusetzen. Wir sehen, dass ein Teil unserer Kunden Sparpläne nicht bei uns, sondern bei Trade Republic eröffnet“, sagte DKB-Vorstand Tilo Hacke.

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Auch Peter Bosek, Chef der österreichischen Erste Group, hatte sich jüngst in einem Handelsblatt-Interview zur wachsenden Konkurrenz durch Neobroker geäußert: Junge Menschen interessierten sich stärker für die Vermögensanlage, sagte er: „Nur findet der Trend fast unter Ausschluss der Banken statt. Dass es einen Bedarf gibt, haben uns die Trade Republics und Scalables dieser Welt gezeigt.“

Das zeigen auch die Zahlen von Trade Republic: Das verwaltete Vermögen stieg von 100 Milliarden Euro Anfang des Jahres auf nun 150 Milliarden Euro. „Aufgrund der sinkenden Zinsen ist die Nachfrage nach Zinsprodukten etwas zurückgegangen“, sagt Hecker. Aber dies werde mehr als kompensiert durch das große Interesse am Sparen und das Wachstum der ausländischen Märkte.

Vom Brokerage zur Vermögensverwaltung

Künftig will Trade Republic weiter wachsen – und erweitert deshalb auch das Produktangebot: vom Brokerage hin zur Vermögensverwaltung. „Wir wollen, dass unsere Kunden wie auch bei Großbanken wie UBS oder Morgan Stanley Geld anlegen können – etwa in Private Markets“, sagt Hecker, also zum Beispiel in Beteiligungen an nicht an der Börse notierten Unternehmen (Private Equity).

Hierzu arbeitet er mit der schwedischen Investmentfirma EQT und der Beteiligungsgesellschaft Apollo in den USA zusammen. „Kunden investieren damit quasi direkt in die Portfoliounternehmen von Apollo und EQT“, sagt Hecker. Bislang ist diese Anlageklasse meist nur für Vermögende und institutionelle Investoren zugänglich. Der Neobroker wirbt für eine Anlageklasse, „die seit Jahrzehnten im Durchschnitt bessere Renditen erzielt als der Kapitalmarkt“.

Trade Republic: ab einem Euro investieren. Foto: Trade Republic

Anders als beim Angebot von Scalable Capital, bei dem Kunden zum Start ein Einmalinvestment von 10.000 Euro tätigen müssen, können Anleger bei Trade Republic ab einem Euro investieren. „Auszahlungen sind monatlich über unseren internen Marktplatz möglich, dieser erlaubt Liquidität in den meisten Marktphasen“, erklärt Hecker zudem. Die erzielte Rendite fließe direkt auf das Konto des Kunden.

Zwei weitere Anlageklassen sollen folgen

„Trade Republic partizipiert an den Erträgen des Fondsmanagers, wie bei ETFs“, sagt Hecker. Zum Start wirbt das Unternehmen mit einem Bonus von einem Prozent auf jedes Private-Markets-Investment, das innerhalb der ersten 30 Tage getätigt wird. Ein Limit gibt es nach eigenen Angaben nicht. In den kommenden Monaten sollen nach eigenen Angaben zwei weitere Anlageklassen folgen, die im Abstand von jeweils 30 Tagen eingeführt werden.

Vergangene Woche hatte Trade Republic bekannt gegeben, nach Polen zu expandieren. Damit ist der Neobroker in 18 europäischen Märkten vertreten. Weitere Märkte sollen bald folgen, sagt Hecker. In den nächsten zwölf Monaten will er „alle Lücken auf der europäischen Landkarte schließen“.

Logo von Scalable Capital: Das Unternehmen kann jetzt in das Einlagen- und Kreditgeschäft einsteigen. Foto: picture alliance / CHROMORANGE

Anders als Scalable Capital will das Unternehmen künftig Einlagen jedoch nicht selbst verwahren. „Nein, das ist nicht der Plan – auch nicht teilweise“, sagt Hecker. Das verfügbare Guthaben wird auf Partnerbanken wie der Deutschen Bank oder JP Morgan verteilt, wo Trade Republic Treuhandsammelkonten führt. Bei höheren Beträgen wird in Geldmarktfonds diversifiziert. Die Gelder auf jedem Treuhandsammelkonto sind nach eigenen Angaben pro Kunde mit jeweils bis zu 100.000 Euro geschützt.

Scalable Capital hatte vergangene Woche von der Europäischen Zentralbank (EZB) die Erlaubnis für das Einlagen- und Kreditgeschäft erhalten. Ab Oktober werden die Einlagen dank der Banklizenz entweder bei Scalable Capital selbst oder bei mehreren Partnerbanken verwahrt.

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Trade Republic verbuchte im Geschäftsjahr von Oktober 2022 bis Ende September 2023 einen Jahresüberschuss in Höhe von 14 Millionen Euro. Neuere Zahlen sind noch nicht bekannt.

Erstpublikation: 15.09.2025, 08:13 Uhr.

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