Wochenend-NewsletterWie der große Traum des Carsten Linnemann so klein wurde – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem diese Woche: Das geheime Wirken von Europas reichstem Erben, warum Hochqualifizierte lieber von Arbeitslosengeld leben und die besten Restaurants auf einen Blick. Unsere zehn Leseempfehlungen.Sven Prange 19.09.2025 - 10:42 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

seitdem unser älterer Sohn gefühlt zwei Drittel seiner Freizeit mit Büchern verbringt, habe ich die Reihe „Little People, Big Dreams“ kennen gelernt. Kleine Bild-Text-Geschichten über berühmte Menschen, die sich gegen Widerstände durchsetzten und schließlich Erfolg hatten.

Man lernt etwa, wie Alexander von Humboldt ein großer Forscher wurde, warum Albert Einstein erst Deutschland verlassen musste und dann ein weltweit geachteter Forscher wurde oder wie sehr sich Steve Jobs gegen Unverständnis durchsetzen musste. Mein Sohn mag bisher am liebsten die Geschichte des Sängers Udo Lindenberg, der aus kleinen Münsteraner Verhältnissen floh und in Hamburg Musiker wurde.

Die meisten dieser Bücher enden sinngemäß mit dem Satz: Und weil er oder sie stets den Kopf oben hielt und sein oder ihr Talent für die eine Sache einsetzte, wurde daraus ein erfolgreicher Star. Da mein Sohn die meisten dieser Bücher mittlerweile auswendig kann, würde ich sie gerne an Mitglieder der schwarz-roten Koalition verteilen. Ich glaube, die meisten von denen haben schon ein Talent, in ihrem Bereich etwas zu bewegen. Aber sie halten entweder den Kopf nicht oben oder können sich nicht aufs Wesentliche konzentrieren.

Etwa Bärbel Bas, die eine hochrangige Wissenschaftlerkommission lieber mit PR für die Sozialsysteme beschäftigen will, anstatt sich Reformvorschläge erarbeiten zu lassen. Oder CSU-Chef Markus Söder, der lieber Social-Media-Posts gegen das Gendern produzieren lässt, als sich um einen wirtschaftlichen Aufschwung zu kümmern. Am besten aber würde in die Reihe CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann passen: Ein wirklich talentierter Politiker mit wirklich guten Ideen für Reformen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Nur irgendwo zwischen Bundestagswahl und heute hat er entweder den Kopf nicht mehr oben halten können oder ein wenig den Fokus verloren. Diese Woche nahm ich ihn zum ersten Mal seit Längerem wieder in Schlagzeilen wahr. Da äußerte er sich zur Moderationsfrage einer Nischensendung des NDR. Ist das das Wesentliche?

Aber auch da gibt die kleine Buchreihe Hoffnung: Die meisten großen Träume gingen in Erfüllung, nachdem der jeweilige Held nochmal kurz vom Weg abgekommen war. Ich hoffe, Sie finden Ihren Weg durchs Wochenende. Vielleicht auch mit unseren zehn Leseempfehlungen.

Mit besten Grüßen
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

Mark Mateschitz
Milliardenerbe Mark Mateschitz, Vater Dietrich: Auf Anhieb reichster Österreicher. Foto: Handelsblatt, Getty Images, PR, Imago (M)

Lang lebe die Dose

Vor einigen Jahren durfte ich mal Dietrich Mateschitz treffen. Selten hat mich eine Begegnung mit einem Unternehmer so fasziniert – und gleichzeitig befremdet. Diese Mischung aus unternehmerischer Tatkraft und fast sektiererischer Abgeschiedenheit, in der er von der Öffentlichkeit getrennt lebte, hatte etwas Einzigartiges. So einzigartig, dass viele seinen Konzern Red Bull vor schweren Zeiten sahen, als Mateschitz vor drei Jahren starb. Zudem war sein Sohn für viele ein Rätsel. Und siehe da: Heute steht der Konzern besser da denn je. Wie der Junior das geschafft hat, hat Christian Wermke für Sie recherchiert.

Heinrich August Winkler: „Es geht darum, die westliche Kultur nach innen und nach außen gegen ihre Verächter zu verteidigen.“ Foto: picture alliance / SZ Photo

„Das wird Trump nicht verstehen“

Ich finde, Gespräche mit Heinrich August Winkler haben immer etwas angenehm Beruhigendes. Wo andere sich ereifern, bleibt Deutschlands renommiertester Historiker besonnen. Wo andere die Katastrophe nah wähnen, verweist er auf Zeiten, als alles noch viel schlimmer war. Insofern habe ich sehr genossen, wie mein Kollege Jens Münchrath mit Winkler die ganz und gar nicht erbauliche Lage der Welt seziert hat – von Trump über AfD bis Putin. Alles drin, was derzeit nervt.

Autor Peter Prange: „Wir erleben Zerfall. Diese Geschichte will ich erzählen.“ Foto: picture alliance / XAMAX

Der einzige Preis, der zählt, ist der Ladenverkaufspreis

Ich schwöre: Wir kannten uns bis zu diesem Interview nicht, obwohl wir auf den gleichen Nachnamen hören und beide in Tübingen leben. Trotzdem wurde es ein fröhliches Treffen, als ich mich mit Peter Prange zum Interview zusammensetzte. Der Mann ist mit knapp fünf Millionen verkauften Büchern einer der erfolgreichsten Autoren des Landes – taucht aber in keinem Feuilleton, auf keiner Buchpreisliste auf. Wie man daraus trotzdem ein Geschäfts- und Lebensmodell stricken kann, hat er mir hier erzählt.

Blick in die Ferne: Manche Hochqualifizierte entscheiden sich freiwillig für eine Auszeit in der Arbeitslosigkeit. Foto: Handelsblatt, Getty Images, PR (M)

Jung, hochqualifiziert – freiwillig arbeitslos

Diese Geschichte fand ich ehrlicherweise etwas aus der Zeit gefallen, als Teresa Stiens sie vorschlug: Junge Menschen, hochqualifiziert, die lieber eine Zeit lang von Arbeitslosengeld leben. Dann schrieb Teresa ihre Geschichte und ich habe mein Urteil etwas revidiert: Für ein ökonomisch sinnvolles Phänomen halte ich die Geschichte dieser Menschen immer noch nicht – ihre Perspektive aber nicht weniger relevant.

Aufteilung eines Kreisdiagramms: Das Thema Erben hat Konfliktpotenzial. Foto: Getty Images

„Es gibt nichts Schlimmeres als eine Erbengemeinschaft.“

Nichts entzweit selbst engste Menschen so zuverlässig wie ein gemeinsames Erbe. Übrigens manchmal auch Steuerberater und Anwälte. Annika Keilen und Markus Hinterberger haben jeweils einen davon an einen Tisch gesetzt – und über alles gesprochen, was Sie wissen sollten, wenn Sie an mehr als an einen Menschen vererben.

Schönheitschirurgie (Illustration): Warum Chinas Beauty-Industrie so boomt. Foto: Handelsblatt, Getty Images, PR (M)

Chinas neue Beauty-Welle

Lange Zeit galt vor allem Südkorea als das Beauty-Mekka Asiens – für Behandlungen aller Art. Doch China holt massiv auf, zudem werden die Schönheitsideale asiatischer mit einem Schuss westliche Popkultur: Kardashian meets Chinas Popkultur, hat unser Shanghai-Korrespondent Martin Benninghoff das zusammengefasst.

Pietsch-Küchenchef Luis Hendricks, Tohru-Küchenchef Tohru Nakamura, Guide-Michelin-Direktor Gwendal Poullennec, Haerlin-Küchenchef Christoph Rüffer und Bareiss-Küchenchef Claus-Peter Lumpp (von links nach rechts): Spitzengastronomie. Foto: picture alliance/dpa

Das sind die besten deutschen Restaurants

Die Gastronomie steckt in der wohl größten Krise ihrer Geschichte. Und dennoch gibt es Restaurants, die auf einem nie da gewesenen Niveau kochen. Auf die wollen wir künftig ab und an noch regelmäßiger blicken. Dafür starten wir mit der heutigen Ausgabe unter anderem eine Kooperation mit dem Gourmet-Magazin Henris. In loser Reihenfolge halten die Henris-Kollegen Sie über die neuesten Genusstrends auf dem Laufenden. Wir beginnen heute mit den besten – und teuersten – Restaurants des Landes.

Umgedrehtes Auto: Er hätte sich früher einen Therapeuten holen sollen, schreibt Alexander Krützfeldt. Foto: DEEPOL by plainpicture

Unser Autor ist immer wieder gescheitert – und trotzdem glücklich

Es fing schon in der Schule an und verfolgte ihn bis Mitte 30: Alexander Krützfeldt reihte ein Scheitern ans nächste. Privat, beruflich. In jeder Lebenslage. Wie er dennoch die Kurve kriegt – und sich heute sehr in Ordnung findet, hat er uns hier aufgeschrieben.

Kolumnist, Laufschuhe: Fehler beim Laufen sind oft leicht zu beheben. Zu viele Schuhe zu kaufen, ist vor allem schlecht fürs Portemonnaie. Foto: Firlus

Die fünf häufigsten Fehler von Läufern

Ich laufe selten und wenn doch, bin ich ein Kandidat für diesen Text unseres Sport-Kolumnisten Thorsten Firlus: Ich neige zu Fehlern und verliere dann die Lust. Damit Ihnen das nicht passiert, hat Thorsten die fünf wichtigsten Fehler von Läufern für Sie hier zusammengestellt.

„Crazy-Pizza“-Pizza: So wenig crazy sie anmutet, so crazy sind die Preise im Grand Hotel St. Bains für die Margherita. Foto: Kempinski

Dieser Sternekoch backt künftig Pizza für Heidi Klum

Die Pizza in ihren Varianten hat binnen weniger Dekaden die Welt erobert. Das vermeintliche Fastfood ist zu höheren Weihen geeignet, das belegt einmal mehr die jüngste Eröffnung einer Pizzeria in einem Grandhotel in St. Moritz. Dort backt ein ehemaliger Gourmetkoch künftig Teigfladen – im Namen von Heidi Klum.

Bestseller-Autor Rolf Dobelli. Foto: Bodo Rüedi, Getty Images

Dobellis Frage der Woche

Rolf Dobelli ist Schweizer Bestsellerautor und stellt an dieser Stelle Fragen an das Leben. Wie würden Sie antworten? Letzte Woche wollten wir wissen: Bis zu welchem Betrag sind Sie unbestechlich? Sie antworteten unter anderem:

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Nach Aufdeckung der Bestechung, Bezahlung der Strafe und Rückzahlung des Bestechungsgeldes muss für den Rest des Lebens genug Bestechungsgeld übrig sein, um zukünftig wie jetzt zu leben und keine Abstriche am gegenwärtigen Lebensniveau machen zu müssen.
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Es ist nicht die Frage eines bestimmten Betrages. Es ist das Paket, das man nicht ablehnen kann. Selbst wenn es sich nur um eine Praline handelt.
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Diese Woche möchten wir wissen: Gibt es Entscheidungen, die anstehen, die Sie wie einen Schneeball vor sich herrollen? Falls ja: Wie groß ist der Schneeball momentan? Mailen Sie mir gerne Ihre Antwort: wochenende@handelsblatt.com. Ausgewählte Antworten veröffentlichen wir.

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