Schweiz: SNB hält Zins nach sechs Schritten in Folge bei null Prozent
Zürich. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) unterbricht ihren mehrmonatigen Zyklus der geldpolitischen Lockerung. Der Leitzins bleibe unverändert bei null Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag mit. Parallel bekräftigte die SNB ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen.
Experten hatten erwartet, dass die SNB auf einen weiteren Zinsschritt verzichtet. Präsident Martin Schlegel wiederholte bei der Pressekonferenz zum Entscheid, die Hürde für Negativzinsen sei „hoch“.
Die SNB hat den Leitzins seit März 2024 sechs Mal in Folge reduziert. Mehrheitlich gehen Beobachter davon aus, dass der Senkungszyklus nun beendet ist.
Die Inflationsprognose der SNB ist im Vergleich zur Beurteilung im Juni unverändert. Sie rechnet 2025 mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,2 Prozent. Im kommenden Jahr werden weiter 0,5 Prozent erwartet und 2027 dann 0,7 Prozent.
Allerdings senkten die Währungshüter ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr. Sie gehen 2026 inzwischen von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent aus, nachdem sie zuvor noch 1,0 bis 1,5 Prozent Plus veranschlagt hatten.
Das ist in erster Linie auf die hohen Zölle zurückzuführen, die die USA für Schweizer Importe erheben. US-Präsident Donald Trump verhängte Anfang August einen Aufschlag von 39 Prozent – kein anderes Industrieland ist höheren Strafzöllen ausgesetzt als die Schweiz. Importe aus der Pharma- und Chemiebranche sind jedoch von der Regelung ausgenommen.
Schlegel sagte, man solle die negative Wirkung auf die Gesamtwirtschaft nicht überschätzen. Der Dienstleistungssektor würde die Konjunktur weiter stützen.
SNB veröffentlicht fortan Protokolle ihrer Sitzung
Mit dem Entscheid am Donnerstag geht auch eine kommunikative Neuerung der SNB einher: Die Währungshüter wollen künftig Zusammenfassungen ihrer geldpolitischen Sitzungen veröffentlichen, in der Regel vier Wochen nach dem Entscheid.
Die Zusammenfassung werde die zweitägigen Beratungen der Notenbanker zur Geldpolitik sowie die Einschätzung der SNB zur Wirtschafts- und Währungslage umfassen, hatte die SNB vor zwei Wochen erklärt. Die Positionen einzelner Ratsmitglieder würden jedoch nicht offengelegt. „Wir müssen Rechenschaft ablegen und unsere Entscheide erläutern, damit die Öffentlichkeit über unser Handeln informiert ist“, sagte Schlegel.
Die SNB folgt damit dem Vorbild anderer großer Zentralbanken wie der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England, die bereits Sitzungsprotokolle veröffentlichen.