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HalbleiterNiederlande übernehmen Kontrolle von Nexperia

Der Chiphersteller mit chinesischem Eigentümer ist ein wichtiger Lieferant für die Autoindustrie. Nun eskaliert der Streit um Nexperia – und die Kunden fürchten um ihren Nachschub.Joachim Hofer, Thomas Jahn, Timm Seckel und Martin Benninghoff 15.10.2025 - 08:54 Uhr Artikel anhören
Nexperia-Fertigung in Hamburg: Das Unternehmen gehört einem chinesischen Konzern. Foto: REUTERS

Düsseldorf, München, Shanghai. Die niederländische Regierung hat die Kontrolle über den Chiphersteller Nexperia übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Nimwegen und mit Werken in Hamburg gehört seit 2019 zum staatlich gestützten chinesischen Konzern Wingtech.

Mit der Maßnahme wollen die Niederlande den Transfer wichtiger Technologien nach China verhindern. Es gebe Sorgen, dass sie im „Notfall nicht zur Verfügung stehen würden“, teilte das Wirtschaftsministerium am Sonntagabend mit.

Im Gegenzug untersagt die chinesische Regierung die Ausfuhr von in der Volksrepublik gefertigten Nexperia-Chips. Abnehmer fürchten nun, dass bald die Bänder stillstehen. „Es herrscht eine riesige Unsicherheit auf dem Markt“, sagte Dominik Zillner, Chef des Elektronik-Dienstleisters Components at Service, dem Handelsblatt. Nexperia liefere jährlich 63 Milliarden Bauteile allein an die Autoindustrie.

Der Schritt ist „höchst ungewöhnlich“, wie das Den Haager Ministerium in dem Schreiben selbst einräumt. Durch Umfang und Unmittelbarkeit des Risikos sei er aber gerechtfertigt. Grundlage ist das niederländische „Gesetz zur Verfügbarkeit von Waren“, das im Notfall drastische Eingriffe durch die Regierung gestattet.

Wingtech-Gründer Zhang Xuezheng wurde von einem Amsterdamer Gericht von seinem Amt als Nexperia-Chef entbunden. Das bestätigte Wingtech in einer Mitteilung an der Börse Shanghai. Dort gab die Aktie der Firma am Montag um die maximal möglichen zehn Prozent nach.

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Ein Sprecher sagte, Nexperia halte sich an „alle bestehenden Gesetze und Vorschriften, Exportkontrollen und Sanktionsregelungen“, man stehe in „stän­digem Kontakt mit den relevanten Behörden“.

Niederländischen Medienberichten zufolge kursieren in chinesischen sozialen Netzwerken Erklärungen, in denen Nexperia der niederländischen Regierung schwere Vorwürfe macht. Der Schritt sei eine „übertriebene Einmischung“ und ein Zeichen von „Diskriminierung gegen Firmen mit chinesischen Investoren“, heißt es dort.

Schlüssellieferant für Autoindustrie

Der Schritt der Niederländer überrascht. Exportkontrollen nach China wurden bislang vor allem von den USA bei höher entwickelten Halbleitern eingeführt. Nexperia dagegen hat sich auf eher einfache Chips spezialisiert, die es mit seit Jahrzehnten etablierten Verfahren herstellt. Derartige Fertigungskapazitäten sind rar in Europa. Das Gros solcher Bauelemente stammt aus China.

Mit einem Umsatz von umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro gehört Nexperia zwar zu den kleineren Halbleiterherstellern weltweit. Trotzdem ist der Konzern ein wichtiger Zulieferer für viele Kunden in Deutschland.

Etwa die Hälfte des Umsatzes erzielt Nexperia mit der Autoindustrie. Die verwendet die Halbleiter beispielsweise für LED-Kontrolllampen oder in elektronischen Systemen von Airbags.

Nexperia entstand 2017, als der niederländische Chipkonzern NXP sein Geschäft mit Standardprodukten abspaltete. NXP wiederum geht auf die frühere Chipsparte von Philips zurück.

Wingtech mit Sitz in Jiaxing in der Nähe von Shanghai sieht sich laut Eigendarstellung als globaler Halbleiterkonzern mit mehr als 25.000 Kunden in den Bereichen Automobil, Kommunikation, Konsumgüter und Industrie.

Zhang Xuezheng baute das Unternehmen ursprünglich als Smartphone-Zulieferer auf, verlagerte sein Geschäft aber später wegen der Marktsättigung in China in Richtung Halbleiter, so auch mittels der Übernahme von Nexperia. Der Kaufpreis soll bei rund 27 Milliarden Yuan gelegen haben, rund 3,5 Milliarden Euro.

Wingtech ist an der Börse notiert, aber zu den Anteilseignern gehört die „Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen“, die direkt dem Staatsrat der Regierung untersteht. Sie soll Staatskonzerne betreuen und modernisieren. Weitere Aktionäre sind die Provinz Yunnan sowie andere Staatsunternehmen.

Wichtige Produktion in Deutschland

Das Herz von Nexperia schlägt in Hamburg, dem wichtigsten Produktionsstandort. Hier beschäftigt das Unternehmen 1600 Menschen, weltweit sind es insgesamt 12.500.

Die Produktion könne fortgesetzt werden, sagte die niederländische Regierung in der Mitteilung. Der Eingriff sei eine Reaktion auf ernsthafte, administrative Mängel bei dem Unternehmen.

Konkret darf Nexperia ein Jahr lang keine Unternehmensteile in andere Länder verlegen, Führungskräfte austauschen oder andere wichtige Entscheidungen ohne ausdrückliche Zustimmung der niederländischen Regierung treffen. Auch vergangene Entscheidungen könnten nun rückgängig gemacht werden.

Der Eingriff ist das jüngste Beispiel für die Bemühungen westlicher Staaten, den technologischen Aufstieg Chinas im Halbleitersektor zu bremsen. Die Niederlande spielen in diesem Konflikt eine Schlüsselrolle.

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Das Land ist Heimat des Chipausrüsters ASML. Dessen Maschinen sind für die Herstellung modernster Halbleiter unverzichtbar. Auf Druck der USA hat die Regierung in Den Haag den Export dieser Technologie nach China stark eingeschränkt.

Erstpublikation: 13.10.2025, 08:55 Uhr.

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