The Spark: Technologien für bessere Chips und neue Haut bekommen Digitalpreis
München. Das Moore’sche Gesetz hat jahrzehntelang Innovationen in der Technologiebranche angetrieben – die Anzahl der Transistoren auf einem Chip verdoppelte sich alle zwei Jahre, die Rechenleistung stieg exponentiell. Doch mittlerweile stößt die Entwicklung an physikalische und wirtschaftliche Grenzen: Miniaturisierung wird immer schwieriger, die Kosten steigen immer mehr.
Black Semiconductor will das ändern. Das Start-up der Brüder Daniel und Sebastian Schall entwickelt eine Verbindungstechnik, die Daten zwischen den Chips statt über elektrische Leitungen mit Licht transportiert – mithilfe von Graphen, einer atomdünnen Schicht aus Kohlenstoff. Mit einer Finanzierung von 255 Millionen Euro will das Start-up die Technologie für die Serienproduktion tauglich machen.
Chips, die leistungsfähiger, energieeffizienter und zugleich kostengünstiger sind als heutige Bauteile: Mit dieser Vision hat Black Semiconductor den Deutschen Digitalpreis „The Spark“ von Handelsblatt und McKinsey gewonnen. Bei der Verleihung am Donnerstagabend in München würdigte die Jury den Mut der Gründer, „eine komplexe Zukunftstechnologie aus dem Labor in die industrielle Anwendung zu bringen“.
Auf Platz zwei landete Cutiss. Das Biotechnologie-Start-up aus Zürich hat ein Verfahren zur Züchtung menschlicher Haut im Labor entwickelt –angepasst an den jeweiligen Patienten, auf Basis einer kleinen Zellprobe.
Das bedeutet: Es entstehen weniger Narben nach der Operation, und es braucht weniger Spenderhaut. Nach Ansicht der Jury gelingt dem Team um Gründerin Daniela Marino damit ein „Durchbruch der regenerativen Medizin“.
Mit einem modularen System für kognitive Roboter wurde Neura Robotics dritter Sieger. Das Start-up macht Hardware und Software selbst und bietet zudem mit der Plattform Neuraverse eine Möglichkeit für das Training der Geräte. Die Kombination aus Künstlicher Intelligenz, Sensorik und Regelungstechnik ermögliche „echte Interaktion und komplexe Aufgabenbewältigung“, lobte die Jury.
Mit „The Spark“ zeichnen Handelsblatt und McKinsey Start-ups aus dem deutschsprachigen Raum aus, die das Potenzial haben, Branchen grundsätzlich zu verändern. Bei der zehnten Ausgabe stand „Deep Tech“ im Mittelpunkt, also Geschäftsmodelle auf Basis grundlegender technologischer und wissenschaftlicher Innovationen.
Die zehn Finalisten sind in unterschiedlichen Kategorien des Deep-Tech-Ökosystems aktiv:
- Eleqtron, Planqc und Kipu Quantum etwa wollen Quantencomputern zum Durchbruch verhelfen – damit zählen sie zur Kategorie „Future of Compute“, ebenso wie Black Semiconductor.
- Reverion hat ein Kraftwerk in einem Container entwickelt, das zur Energiewende beitragen soll. Enthalten sind Brennstoffzellen, die einerseits Strom erzeugen, andererseits aus Strom Wasserstoff oder Methan herstellen können.
- Die Food-Tech-Firma Infinite Roots erzeugt Fleischersatz aus Pilzen. Investoren wie Haribo und Rewe unterstützen die Entwicklung.
- Arx Robotics stellt autonome, unbemannte Fahrzeuge her, die unter anderem im Ukrainekrieg eingesetzt werden. Robotik und Künstliche Intelligenz spielen eine wichtige Rolle, ähnlich wie bei Neura Robotics.
- Nvision Imaging Technologies nutzt Quanteneffekte für die medizinische Bildgebung. Damit lässt sich etwa der Stoffwechsel in inneren Organen untersuchen.
Handelsblatt und McKinsey verliehen zudem den DEI Accelerator Award – einen Preis für Initiativen aus dem Technologiesektor, die Vielfalt, Gerechtigkeit und Teilhabe in den Mittelpunkt stellen. Sieger wurde das Start-up Mintd.
Die Gründerinnen Emmelie König und Natalia Wallroth haben eine Plattform entwickelt, die auf Frauen in Technologieberufen spezialisiert ist. Nach Ansicht der Jury helfen sie damit, eine zukunftsfähige Arbeitswelt zu schaffen.