Rüstung: Arx Robotics will Europas Verteidigungsfähigkeit stärken
Berlin. Investoren stecken Millionen von Euro in ein Verteidigungs-Start-up aus Deutschland. Arx Robotics aus München erhält Kapital von 31 Millionen Euro, um sein Geschäft in Europa ausbauen zu können. Das teilte das Start-up mit.
Die Finanzierungsrunde wird angeführt vom deutschen Risikokapitalgeber HV Capital und der französischen Private-Equity-Firma Omnes. Erneut beteiligen sich Bestandsinvestoren wie der Risikokapitalfonds der 24 Nato-Staaten (NIF) und der Risikokapitalgeber Project A aus Berlin.
„Das Thema Verteidigung ist nun auch bei Risikokapitalgebern zur Priorität geworden“, sagte Firmenmitgründer und -chef Marc Wietfeld dem Handelsblatt. Nach dem Streit von US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus im Februar seien die Gespräche mit Geldgebern deutlich einfacher geworden: „Ab da wurde uns die Tür eingerannt.“
Dem früheren Bundeswehroffizier ist dabei wichtig, dass Arx Robotic ausschließlich europäische Investoren gewinnt. Zudem achtet er darauf, dass die Lieferkette des Start-ups europäisch ist. Das entspricht nach eigener Aussage auch der Vision von Project A. Investor Uwe Horstmann sagte: „Ein Verteidigungsunternehmen, das mit dem Anspruch agiert, auf europäischer Ebene zu operieren – im Einklang mit den gemeinsamen Ambitionen der EU und der Nato.“
Die neue Finanzierungsrunde von Arx Robotics bestätigt einen Trend, der schon länger anhält: Es fließt deutlich mehr Geld in Verteidigungs-Start-ups aus Deutschland. Laut dem Datendienst Pitchbook sind die Investitionen im vergangenen Jahr um 76 Prozent in die Höhe geschossen. In diesem Jahr setzt sich diese Tendenz demnach fort.
Zu den bekanntesten europäischen Start-ups, die digitale Technologien für die Verteidigung entwickeln, zählt das Münchener Verteidigungs-KI-Unternehmen Helsing, das mit rund fünf Milliarden Euro bewertet wird. Insidern zufolge könnte bald auch der Drohnenhersteller Quantum Systems in den exklusiven Kreis der sogenannten „Einhörner“ aufsteigen.
Einhörner sind Unternehmen, die eine Bewertung von mehr als eine Milliarde US-Dollar erreichen. Davon ist Arx aktuell noch entfernt. Seine aktuelle Bewertung gibt das Unternehmen nicht bekannt.
Arx will die nächste Generation der Verteidigungsinfrastruktur bauen
Arx entwickelt und vertreibt zum einen autonome, unbemannte Fahrzeuge unter dem Namen Gereon, die militärisch und anders nutzbar sind. Außerdem entwickelt die 2021 gegründete Firma das KI-Betriebssystem Mithra, mit dem Fahrzeugflotten nachgerüstet werden können, damit diese miteinander kommunizieren und auch autonom agieren können.
Aktuell gehören sechs verschiedene Streitkräfte in Europa zu den Kunden von Arx, darunter die Bundeswehr und das ukrainische Militär. Seit Kurzem ist Arx auch in Großbritannien aktiv.
Das Geld aus der neuen Finanzierungsrunde will das Start-up unter anderem nutzen, um das Team auf der britischen Insel zu erweitern und dort die Produktion aufzubauen. Investor Horstmann wertet die Erfolge von Arx in Deutschland, in der Ukraine und nun in Großbritannien als Beleg dafür, dass das Start-up sich als europäischer „Akteur“ etabliert.
Wietfeld von Arx hat große Ziele. Er kündigt an: „Wir wollen die nächste Generation der Verteidigungsinfrastruktur durch skalierbare Roboter und Software bauen.“ Ihm gehe es um nicht weniger als daran mitzuwirken, das industriell-militärische Rückgrat Europas und damit die Verteidigungsfähigkeit zu stärken. „Wir schaffen Fähigkeiten für Europa in Europa“, fasst der Arx-Chef zusammen.
Beim großen Kunden Bundeswehr lobt man das Engagement von Arx. Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hub bei der Bundeswehr, sagt: Die drei Gründer hätten „nutzerzentriert entwickelt und schnell umgesetzt“. Wietfeld hatte erstmals 2019 mit dem Cyber Innovation Hub zusammengearbeitet.
Die Pläne von Arx interessieren offenbar auch potenzielle Arbeitnehmer: Die Bewerbungen bei Arx haben nach eigener Aussage zuletzt zugenommen, auch von Experten aus der Autobranche.