Klimawandel: Die Welt steuert laut UN auf 2,8 Grad Erwärmung zu
Berlin. Wenige Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz in Brasilien hat Bundesaußenminister Johann Wadephul einen „zielorientierten Pragmatismus“ in der deutschen Klimapolitik versprochen. „Wir wollen klimaneutral werden“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag bei einer Veranstaltung zum Stand der Internationalen Klimapolitik im Auswärtigen Amt. Wadephul bekannte sich klar zum Zieljahr 2045, wie Union und SPD für Deutschland in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart hatten.
Der Klimawandel sei „ein globales Problem, eine existenzielle Bedrohung unserer Sicherheit und der natürlichen Lebensgrundlagen“, sagte Wadephul in seiner etwa zehnminütigen Rede. Der beste Weg zur Klimaneutralität sei aber, „wieder stärker auf Wettbewerbsfähigkeit und technologische Innovationen zu setzen statt auf Regulierung“. Energie müsse bezahlbar sein, es brauche Arbeitsplätze und resiliente Wertschöpfungsketten, dann stehe auch die Bevölkerung dahinter.
Susanne Dröge, Vorstandsmitglied des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK), sprach von einer „sehr schlechten Großwetterlage“. Klimaschutz sei global zunehmend in Bedrängnis geraten.
Angekündigte Maßnahmen reichen nicht aus
Ein am Dienstagnachmittag vorgestellter Bericht der Vereinten Nationen belegt indes nach Ansicht von Forschern dringenden Handlungsbedarf. So zeigt der „Emissions Gap Report“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), dass der prognostizierte globale Temperaturanstieg im Laufe dieses Jahrhunderts zwar gesunken ist.
Allerdings zeigt der Bericht auch, dass die weltweit ergriffenen Maßnahmen längst nicht ausreichen, um die Ende 2015 in Paris beschlossenen Klimaziele zu erreichen. Das internationale Klimaabkommen hat das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius im Vergleich zu vorindustrieller Zeit zu begrenzen, wenn möglich auf 1,5 Grad, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern.
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Laut UNEP würde die Umsetzung der aktuellen Politik zu einer globalen Erwärmung in diesem Jahrhundert von bis zu 2,8 Grad führen. Im vergangenen Jahr waren 3,1 Grad prognostiziert worden.
Bei vollständiger Umsetzung der von den einzelnen Staaten festgelegten Klimaschutzbeiträge, den sogenannten NDCs, sieht der Bericht den Temperaturanstieg bei 2,3 bis 2,5 Grad, verglichen mit 2,6 bis 2,8 Grad im Bericht von 2024.
NDC steht für Nationally Determined Contributions, was mit nationalen Klimabeiträgen übersetzt werden kann. Sie sind ein zentraler Bestandteil des Pariser Abkommens. Alle Vertragsstaaten haben sich verpflichtet, im Fünfjahreszyklus festzulegen, wie stark sie ihre klimaschädlichen Treibhausgasemissionen senken und sich an den Klimawandel anpassen wollen. In diesem Jahr müssen die NDCs für 2035 eingereicht werden.
Dem Bericht zufolge haben bis Ende September nur 60 der knapp 200 Vertragsparteien des Pariser Abkommens neue NDCs vorgelegt. Auch die EU hat noch keinen neuen Klimaschutzplan für 2035 eingereicht – was an der Zerstrittenheit der Europäer beim EU-Klimaziel für 2040 liegt. Heute tagt der Umweltrat der EU, um eine Einigung zu erzielen.
Die UNEP geht davon aus, dass innerhalb des nächsten Jahrzehnts der mehrjährige Durchschnitt der globalen Temperatur mit hoher Wahrscheinlichkeit 1,5 Grad überschreiten wird. Das deckt sich mit Berichten anderer Klimaforschungsorganisationen.
„Die 1,5-Grad-Grenze wird nach wissenschaftlicher Einschätzung innerhalb des nächsten Jahrzehnts überschritten“, heißt es in einem ebenfalls am Dienstag veröffentlichten „Klimafaktenpapier“ von sechs Organisationen, darunter der Deutsche Wetterdienst (DWD) und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG).
Strenge kurzfristige Emissionsreduktionen könnten den Beginn der Überschreitung verzögern, aber nicht vollständig verhindern, so die UNEP-Autoren. Aufgabe sei es nun, darauf hinzuarbeiten, „dass diese Überschreitung nur vorübergehend und minimal ausfällt“, um eine Rückkehr zu durchschnittlich 1,5 Grad bis 2100 im Bereich des Möglichen zu halten.