Editorial: Der Koalition fehlt der Chief Operating Officer

Es sind keine leichten Tage für Friedrich Merz. Ausgerechnet an seinem 70. Geburtstag machen fallende Zustimmungswerte die Runde: Nur 16 Prozent der Deutschen wünschen sich demnach, dass der Kanzler noch einmal antritt. Auch die Wirtschaftsweisen stellen der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Die Industrieproduktion in Deutschland ist auf den Stand von 2005 gefallen.
Und dann ist da noch die Sache mit Markus Söder, der dem Kanzler mit den Worten zum Geburtstag gratulierte, er könne versichern, dass Merz fit sei. Als müsse man das in diesen Tagen extra betonen.
Dabei hatte die Kanzlerära für Merz eigentlich ganz gut begonnen. Für einige Wochen gelang seiner Bundesregierung ein Momentum des Aufbruchs: das Investitionspaket, die wiederbelebten Beziehungen mit den europäischen Partnern, der geglückte Antrittsbesuch bei Donald Trump.
Auch innenpolitisch spielt Merz einiges in die Hand: Die Erstanträge auf Asyl in Deutschland haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche präsentiert mit dem Industriestrompreis ein Projekt, auf das die Wirtschaft lange gewartet hat. Und Digitalminister Karsten Wildberger macht Ernst mit dem Bürokratieabbau.