GdW-Präsident: „Die Immobilienbranche steht vor einem doppelten Strukturwandel“
Berlin. Axel Gedaschko ist seit 2011 Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Der Spitzenverband vertritt rund 3000 Mitglieder, darunter vor allem kommunale Unternehmen und Genossenschaften, die etwa ein Drittel der Wohnungen in Deutschland vermieten. Zuvor war der Jurist in der Hamburger Politik tätig, zuletzt als CDU-Senator für Stadtentwicklung und Umwelt sowie als Präses der Behörde für Wirtschaft und Arbeit.
Herr Gedaschko, angenommen, Sie wären Bundesbauminister: Was wäre Ihre erste Amtshandlung?
Zuerst würde ich die gesamte Mannschaft im Ministerium auf klare Ziele einschwören: bezahlbaren Neubau, sozial abgefederten Klimaschutz und radikalen Bürokratieabbau – damit wieder alle Menschen in Deutschland bezahlbaren Wohnraum finden. Danach käme ein „100-Tage-Paket Wohnen“ als Kabinettsbeschluss: Vorrang für Neubau unter zwölf Euro Miete pro Quadratmeter, eine KfW-Förderung für serielle Bauweisen und ein Transformationsfonds, der Sanierungen stützt, ohne Mieter zu überfordern. Mietenstopps lehne ich ab – stattdessen würde ich Angebot und Schutz vor Wucher stärken.
Welche Entwicklung wird die Immobilienbranche in den nächsten fünf Jahren am stärksten verändern?
Unsere Branche steht vor einem doppelten Strukturwandel: KI wird zum neuen Betriebssystem, indem sie Bewertungen, Bewirtschaftung, Vermietung und ESG-Reportings automatisiert. Das senkt die Kosten und macht Kapitalzugang und Regulierung beherrschbarer. Parallel setzen sich industrielles, serielles Bauen und Sanieren durch, getrieben von Fachkräftemangel, Klimazielen und Kostendruck.