EU: Wie ein britischer Lord eingefrorene russische Milliarden loseisen will
Brüssel. Was verbindet einen britischen Lord, einen russischen Oligarchen und einen amerikanischen General? Was wie der Beginn eines Agententhrillers klingt, spielt sich derzeit real auf politischer Bühne in Brüssel ab. Eine Gruppe prominenter Geschäftsleute will einen Weg finden, um eingefrorenes russisches Firmenvermögen im Wert von zwei Milliarden Euro loszueisen.
Es geht um einen 24,1-Prozent-Anteil am österreichischen Baukonzern Strabag. Das Aktienpaket gehört der Rasperia-Holding, die ursprünglich mit dem sanktionierten russischen Oligarchen Oleg Deripaska in Verbindung stand.
Allerdings hat auch die österreichische Raiffeisenbank International (RBI) inzwischen einen Anspruch darauf. Denn ein russisches Gericht hatte im vergangenen Jahr die RBI dazu verurteilt, eine Entschädigung von 2,1 Milliarden Euro an Rasperia zu zahlen – und der Bank zum Ausgleich dafür die eingefrorenen Strabag-Aktien zugesprochen.
Das private Konsortium schlägt nun ein Geschäft vor, das auch der Ukraine nutzen soll. Angeführt wird die Gruppe vom langjährigen Unilever-Chef Paul Polman, dem britischen Lord Gregory Barker und dem schwedischen Private-Equity-Fondsmanager Reynir Indahl. Als Berater zur Seite stehen der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Tod Wolters und der frühere Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Rob Bauer. Die angesehenen Militärs sollen dem Plan politisches Gewicht verleihen.