Würth: Rekordumsatz im Jahr 2025 – und dennoch keine Euphorie
Stuttgart. Weltweit beliefert Würth Industrie- und Handwerksunternehmen. Die Geschäftszahlen geben daher früh Hinweise auf die Konjunkturentwicklung.
Im Jahr 2025 hat die Würth-Gruppe den Umsatz nach vorläufigen Zahlen zwar um 2,3 Prozent auf die Rekordsumme von 20,7 Milliarden Euro gesteigert. Doch der Umsatz löst bei Chef Robert Friedmann trotzdem keine Euphorie aus.
Denn das Betriebsergebnis des Weltmarktführers für Montage- und Befestigungsmaterialien fällt mit 940 Millionen Euro stabil im Vergleich zu 2024, aber immer noch eine halbe Milliarde Euro schwächer aus als in den Boomjahren nach der Coronapandemie.
„Vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken und schwacher Konjunktur sind wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden“, sagte Friedmann. „Es fehlt aber nach wie vor die wirtschaftliche Dynamik in der Industrieproduktion. Das spüren auch wir.“
Im Ausland läuft es besser für Würth
Das wichtige Deutschlandgeschäft entwickelte sich mit nur 0,8 Prozent Wachstum auf etwa acht Milliarden Euro Umsatz im Konzern unterdurchschnittlich.
Eine positive Entwicklung innerhalb des Kerngeschäfts von Würth erzielte laut Friedmann die Division Auto. Gemeint sind damit die Autowerkstätten als Würth-Kunden. Da in Deutschland das Durchschnittsalter der Autos steige, erhöhe sich der Reparaturbedarf. Auch die Division Bau wuchs nach einem starken Rückgang im Vorjahr wieder mit 6,4 Prozent.
Getragen wird das Wachstum allerdings vom Auslandsgeschäft, vorwiegend in den Regionen Südeuropa, Asien und Südamerika, mit einem Plus von 3,3 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro.
Über die Befestigungstechnik hinaus ist die Gruppe in angrenzenden Geschäftsfeldern aktiv, etwa im Elektrogroßhandel, der Elektronik und Chemie. Die Bereiche wuchsen nach den Angaben stärker als der Konzerndurchschnitt.
Innerhalb des Unternehmens ist der Bereich passive Bauelemente der früheste Konjunkturindikator: Etwa eine Milliarde Euro erzielte Würth mit Widerständen, Induktoren, Kondensatoren und Transformatoren, die zusammen benötigt werden, um elektrische oder elektronische Schaltungen aufzubauen. „Die Sparte hat im vergangenen Jahr um elf Prozent beim Umsatz zugelegt“, sagte Friedmann.
Würth-Chef wünscht sich Stimmungsumschwung
In den USA, dem nach Deutschland zweitgrößten Markt, belastet der schwache Dollar das Geschäft. Nur noch ein leichtes Wachstum sei verzeichnet worden. Friedmann ist wegen der Inflation in den USA in seinen Markterwartungen „eher verhalten“.
In Deutschland hofft Friedmann, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine Ankündigung, in diesem Jahr die Wirtschaft zu priorisieren, umsetzt und es einen Stimmungsumschwung gibt. Wirtschaftsbelebung durch das Investitionspaket der Bundesregierung sei bislang ausgeblieben. „Da ist noch nichts angekommen“, sagte Friedmann.
„Wir versuchen, in turbulenten Zeiten das Unternehmen mit ruhiger Hand zu führen“, ergänzte der Würth-Chef. Ausdruck dessen sei die bewusste Entscheidung der Eigentümerfamilie, auf aktiven Arbeitsplatzabbau zu verzichten. Ziel sei es, die Leute für den nächsten Aufschwung in der Firma zu halten. Das habe sich in der Vergangenheit nach Krisen immer ausgezahlt. „Ich hoffe, wir können diese Politik auch in diesem Jahr durchhalten“, sagte Friedmann.
Im vergangenen Jahr verringerte sich die weltweite Beschäftigtenzahl um etwa 2000 Stellen auf 86.415. In Deutschland beschäftigt die Würth-Gruppe 26.672 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Den Rückgang um etwa 600 Stellen in Deutschland erklärt die Unternehmensführung durch ausgebliebene Nachbesetzung frei gewordener Stellen.
Das Investitionsniveau von 1,2 Milliarden Euro plant Friedmann beizubehalten. Neue Projekte würden aber auf ihre zeitliche Notwendigkeit genau geprüft.