Welthandel: Kanada und China einigen sich auf Zollsenkungen
Peking. Kanada will seine Zölle von derzeit 100 Prozent auf chinesische Elektrofahrzeuge senken. Im Gegenzug reduziere China seine Zölle auf kanadische Agrarerzeugnisse, sagte der kanadische Premierminister Mark Carney am Freitag während eines Besuchs in Peking. Für chinesische Elektroautoexporte nach Kanada wird dem Regierungschef zufolge zunächst eine Obergrenze von 49.000 Fahrzeugen gelten.
China werde seinen Zollsatz für Raps, ein wichtiges kanadisches Exportgut, von etwa 84 Prozent auf rund 15 Prozent senken. Kanada war unter Carneys Vorgänger Justin Trudeau dem Beispiel der USA gefolgt und hatte Zölle von 100 Prozent auf Elektrofahrzeuge sowie 25 Prozent auf Stahl und Aluminium aus China verhängt.
Angesichts neuer globaler Herausforderungen wollen China und Kanada nach jahrelangen Spannungen ihre Beziehungen verbessern. Der chinesische Präsident Xi Jinping sagte dem kanadischen Premierminister Mark Carney in Peking, er sei bereit, diese Bemühungen fortzusetzen. Er verwies auf Gespräche über einen Neustart der Beziehungen, die seit dem ersten Treffen beider Seiten im Oktober am Rande einer regionalen Wirtschaftskonferenz in Südkorea geführt würden.
Carney beschrieb die zweitägigen Treffen in China als historisch und produktiv. „Wir müssen die Unterschiede zwischen Kanada und anderen Ländern verstehen und unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, dort zusammenzuarbeiten, wo wir Gemeinsamkeiten haben“, sagte er Journalisten in einem Park der chinesischen Hauptstadt. Er ist der erste kanadische Premierminister seit acht Jahren, der China besucht.
Carney forderte eine neue Beziehung, die an die neuen globalen Realitäten angepasst sei, sowie Zusammenarbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Energie und Finanzen. Xi erklärte, das Treffen im vergangenen Jahr habe ein neues Kapitel in den chinesisch-kanadischen Beziehungen aufgeschlagen.
Mit den „neuen globalen Realitäten“ spielte Carney unter anderem auf den sogenannten „America-First“-Ansatz von US-Präsident Donald Trump an. Die von ihm verhängten Zölle haben sowohl die kanadische als auch die chinesische Wirtschaft schwer getroffen. Carney, der sich in Peking mit Vertretern führender chinesischer Unternehmen traf, sagte vor seiner Reise, seine Regierung konzentriere sich darauf, in einer „Zeit globaler Handelsstörungen“ eine weniger von den USA abhängige Wirtschaft aufzubauen.
Die Regierung in Ottawa folgte dem Beispiel der USA und verhängte unter Carneys Vorgänger Justin Trudeau Zölle von 100 Prozent auf Elektrofahrzeuge aus China sowie 25 Prozent auf Stahl und Aluminium. China reagierte mit Zöllen von 100 Prozent auf kanadisches Rapsöl und Rapsschrot sowie 25 Prozent auf Schweinefleisch und Meeresfrüchte.
Laut einem Branchenverband führten diese Einfuhrzölle insgesamt dazu, dass der chinesische Markt für kanadischen Raps praktisch zusammenbrach. Insgesamt sanken Chinas Importe aus Kanada im vergangenen Jahr um 10,4 Prozent auf 41,7 Milliarden Dollar, wie aus chinesischen Handelsdaten hervorgeht.
China hofft, dass Trumps Druck auf Verbündete wie Kanada diese dazu bewegen wird, eine weniger auf die USA ausgerichtete Außenpolitik zu verfolgen. Der US-Präsident hat mit der Aussage provoziert, Kanada könne der 51. Bundesstaat der USA werden.
Carney verlässt China am Samstag und besucht am Sonntag Katar, bevor er kommende Woche am jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz teilnimmt.