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AMS-OsramHochverschuldeter Konzern gewinnt finanziellen Spielraum

Das Unternehmen löst einen Teil seiner Pensionsrückstellungen auf. Im Hintergrund laufen weitere Verhandlungen mit einem großen deutschen Konzern über den Verkauf von Geschäftsteilen.Axel Höpner, Joachim Hofer 19.01.2026 - 16:10 Uhr Artikel anhören
Werk von AMS-Osram: Unternehmensteile stehen zum Verkauf. Foto: AMS Osram

München. Der hochverschuldete AMS-Osram-Konzern hat sich finanziell etwas Luft verschafft. Das Unternehmen löse einen Teil der Pensionsrückstellungen auf und gewinne so mehrere Hundert Millionen Euro Liquidität, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Der Konzern bestätigte auf Anfrage ein solches Konstrukt grundsätzlich.

Seit der Übernahme des deutschen Traditionskonzerns Osram durch den kleineren Sensorspezialisten AMS vor gut fünf Jahren ist das gemeinsame Unternehmen hochverschuldet. Die Nettofinanzschulden einschließlich sogenannter Sale-and-lease-back-Verpflichtungen betrugen zuletzt rund zwei Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres machte AMS-Osram leichte Verluste.

Der Druck, die Verschuldung zu senken, ist hoch. Für das laufende Jahr will AMS-Osram aus dem Verkauf von Geschäftsteilen Erlöse von deutlich mehr als 500 Millionen Euro erzielen. Laut Branchenkreisen geht es aktuell vor allem um den Standort Premstätten. Es gebe Verhandlungen mit dem Chipkonzern Infineon. Eine Einigung sei im Februar denkbar.

Bislang hatte AMS-Osram vor allem defizitäre Randbereiche abgestoßen. Bei dem Werk in Premstätten geht es um profitable Aktivitäten; mit einem signifikanten Verkaufspreis soll die Verschuldung auf ein nachhaltig beherrschbares Maß reduziert werden. Es sei für AMS-Osram wichtig, einen soliden, kapitalkräftigen Käufer zu finden, sagte ein Insider. In Österreich hatte es Spekulationen über ein höheres Gegenangebot gegeben.

Spielraum für Investitionen

Der Pensions-Deal betrifft Rückstellungen für einen Teil der Beschäftigten in Deutschland. Rund 100 Millionen Euro lässt AMS-Osram in den Rückstellungen. Damit werden Zahlungen abgesichert, die ansonsten nicht oder nur nachrangig abgesichert wären, zum Beispiel ein Inflationsausgleich. Der Schritt ist mit dem Betriebsrat abgestimmt.

Die Freisetzung von Mitteln aus Pensionsrückstellungen sei eine vielversprechende Möglichkeit, das operative Geschäft durch Investitionen zu stärken, heißt es in Unternehmenskreisen. Osram sei im Zuge der Abspaltung von Siemens gut ausgestattet gewesen. Dabei habe es zum Teil Doppelabsicherungen gegeben – zum Beispiel Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen, die durch den Pensions-Sicherungs-Verein abgedeckt seien.

AMS-Osram-Chef Aldo Kamper: Der Verschuldungsdruck ist hoch. Foto: Osram

Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen hat AMS-Osram den Schritt schon seit dem vergangenen Frühjahr geprüft. Die Materie sei aber komplex, es habe viele rechtliche Fragen zu klären gegeben. Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet, zukünftige Pensionsverpflichtungen komplett zurückzulegen.

Auch andere Konzerne hatten die Rückstellungen teilweise oder sogar ganz aufgelöst. Dies ergebe vor allem Sinn, wenn die Kreditzinsen für das laufende Geschäft steigen, heißt es in Industriekreisen.

Bei AMS-Osram lief in den vergangenen Wochen ein Teilrückkaufangebot für ausstehende Wandelanleihen. Dieses wurde für Anleihen im Nennwert von rund 200 Millionen Euro angenommen. Die Interessenten seien nicht über den Pensionsdeal informiert worden, wunderte sich ein Beobachter aus Finanzkreisen.

Auch habe es keine Ad-hoc-Mitteilung für die Aktionäre gegeben, obwohl es sich womöglich um eine marktrelevante Information gehandelt habe. Nach Einschätzung im Umfeld des Unternehmens dürfte die Maßnahme aber keinen Einfluss auf die Investoren haben.

Jochen Hanebeck

Infineon-Chef: „Wer an eine KI-Blase glaubt, verschläft einen Trend“

Anders dürfte das bei dem geplanten größeren Verkauf sein. Ein Infineon-Sprecher teilte auf Anfrage mit, der Konzern äußere sich nicht zu Marktgerüchten. Die Übernahme wäre allerdings keine Überraschung. Im Dezember sagte Vorstandschef Jochen Hanebeck dem Handelsblatt: „Es gibt natürlich immer die Möglichkeit, mit eher kleineren Deals das Portfolio zu erweitern. Da sind wir auch konstant auf der Pirsch und beobachten, ob sich etwas Interessantes ergibt.“ Voraussetzung sei, dass  es „strategisch, finanziell und, ganz wichtig, auch kulturell“ passe.

Es gibt Verbindungen zu Infineon

Infineon hat in den vergangenen Jahren regelmäßig zugekauft. Zuletzt erwarb der Dax-Konzern vergangenen Sommer für 2,5 Milliarden Dollar eine Sparte des amerikanischen Mitbewerbers Marvell. Der bislang größte Deal: Anfang des Jahrtausends zahlte Europas größter Chiphersteller neun Milliarden Euro für den US-Wettbewerber Cypress.

Strategisch könnte die bevorstehende Akquisition von Teilen des Konzerns AMS-Osram gut passen. Erstens, weil Infineon bereits im Geschäft mit Sensoren tätig ist. Zweitens, weil der Konzern dadurch sein Portfolio abrunden könnte. Dies war das oberste Ziel bei allen Transaktionen in der Vergangenheit.

Außerdem existieren enge Bande zwischen AMS-Osram und Infineon. So sitzen zwei ehemalige Topmanager von Infineon im Aufsichtsrat der Österreicher: der frühere Vertriebsvorstand Arunjai Mittal sowie Kin Wah Loh, Ex-Chef der gescheiterten Speicherchip-Tochter Qimonda.

In Österreich betreibt Infineon seit Jahrzehnten eine große Fabrik in Villach, auch sind dort zahlreiche Forscher für den Konzern tätig. Insgesamt zählt das Unternehmen fast 6000 Beschäftigte an mehreren Standorten in dem Land.

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Dennoch sind die Arbeitnehmervertreter alarmiert wegen der möglichen Übernahme. Die Gewerkschaften fordern eine Beschäftigungsgarantie, eine Standortsicherung für Premstätten und ein Investitionsprogramm. Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA: „Ohne eindeutige, rechtlich bindende Zusagen ist dieser Deal brandgefährlich für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit des Standorts.“

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