Twitter-Duell um Ukraine-Grenze: Russland und Kanada im Geografie-Streit
Screenshot der Karte der kanadischen Nato-Delegation: Der Tweet vereinfacht die geographische Lage vielleicht entscheidend.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Wo hört Russland auf, wo fängt die Ukraine an? Die kanadische Nato-Gesandtschaft sah sich angesichts der jenseits der ukrainischen Grenze gefangengenommenen russischen Truppen dazu veranlasst, Moskau per Kurznachrichtendienst Twitter einen kleinen Nachhilfekurs in Sachen Geografie zu geben. Hintergrund: Russland hatte die Gefangennahme ihrer Soldaten in der Ukraine eingestehen müssen – und erklärt, sie hätten sich versehentlich in der Ukraine aufgehalten. Um künftigen Missverständnissen vorzubeugen, twitterten die Kanadier:
„Russland – Nicht Russland“. Der zynische Humor der Nato-Delegation stieß trotz des ernsten Hintergrunds beim Kurznachrichtendienst auf rege Begeisterung. Über 23.000 Mal wurde die Karte retweetet, also weiterverteilt. Während sich der politische Hintergrund im Tagesverlauf angesichts von mehr als 1000 russischen Soldaten, die von der Nato auf ukrainischem Territorium vermutet werden, weiter verschärften, versuchten sich am Abend nun auch die Kollegen der Kanadier an einer Karte. Die russische Botschaft bei der Nato twitterte eine Replik.
Die Twitter-Antwort bietet eine Detailansicht der Schwarzmeerregion, einschließlich der wichtigsten Städte und den Grenzen von Georgien, der Türkei sowie der selbsterklärte Republik Abchasien, deren Unabhängigkeit jedoch keine völkerrechtliche Anerkennung fand. Während Abchasien schraffiert eingezeichnet ist, wird die Karte um einen Streitpunkt ergänzt: die Krim. Deren Referendum zugunsten einer Abspaltung von der Ukraine – und folgender Zugehörigkeit zu Russland – wird von der Uno aufgrund von Fälschungsvorwürfen nicht anerkannt.
Die Nato-Botschaft Russlands zeichnet die Krim, bei den Kanadiern zur Ukraine zählend, klar in den eigenen Farben. Eine bittere Replik, die der nicht nur im Netz angespannten Lage kaum zuträglich sein dürfte. Allerdings lässt sich die Karte auch positiv interpretieren: Die Grenzen des souveränen Staats Ukraine werden über die Krim hinaus nicht in Zweifel gezogen. In der aktuellen Lage sicherlich die wichtigste Frage, die es zu klären gilt.