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„Die Höhle der Löwen“ im TVKnüppelknifte lässt sich nicht fressen

Abzocke vor laufender Kamera: In der neuen Start-Up-Casting-Show „Die Höhle der Löwen“ stellen Unternehmer fünf Investoren ihr Produkt vor – und müssen für eine Kapitalbeteiligung manchmal ganz schön bluten.Laura Waßermann 03.09.2014 - 12:47 Uhr Artikel anhören

Stockbrot mal anders: Die Gründer von Knüppelknifte waren Kandidaten in der Casting-Show „Die Höhle der Löwen“. Quelle: Vox Now

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Bewaffnet mit zwei Knüppeln und einem Franchise-Konzept wagen sich Erik Schwarzer und Florian Hermann in „Die Höhle der Löwen“. Mit dem Gastronomie-Unternehmen „Knüppelknifte“ haben sie das Zeltlageressen Stockbrot an den Tisch und Lagerfeuer-Romantik in die Stadt gebracht.

Authentisch und entschlossen treten die beiden Unternehmer aus Bochum in der Vox-Castingshow auf. Seit drei Wochen läuft die Sendung „Die Höhle der Löwen“ immer dienstags um 20.15 Uhr. Insgesamt gibt es acht Sendetermine.

Das Konzept ist einfach: Start-up-Gründer stellen fünf Investoren – den Löwen – ihr Produkt vor. Je überzeugender die Geldgeber das Unternehmen finden, desto besser kann der Deal für den Kandidaten ausgehen.

Für Knüppelknifte sieht es zunächst nicht so profitabel aus. Der Investor Vural Öger, der das Tourismus-Imperium „Öger Tours“ besitzt, zweifelt an dem Konzept von Knüppelknifte – zu romantisch, nicht rentabel sei das Geschäftsmodell: „Scheinbar seid ihr sehr jung, sehr unerfahren und noch lange keine Unternehmer“, sagt er.

Die Hölle der Löwen

In Nahaufnahme sieht der Zuschauer zuerst sein Gesicht, dann schwenkt die Kamera auf Schwarzer und Hermann. Dramatische Szene, harmlose Reaktion. Vox zeigt keine Verzweiflung in den Augen der Unternehmer, sondern bloß gefasste Gesichter. Im Interview mit Handelsblatt Online äußert Schwarzer Kritik an der Verhandlungsart der Löwen: „Man kann auf zwei Wegen Geld verdienen: mit Masse oder mit Qualität.“ Da habe es Knackpunkte gegeben.

Dass mit der Teilnahme harte Bedingungen einhergehen, bekam auch ein Mutter-Tochter-Paar in der Sendung in der vergangenen Woche zu spüren: Gemeinsam haben sie „Beli-Luu“ kreiert, eine Lackierhilfe in French-Style für die Fingernägel der Frau – ganz klar ein Produkt für die „Löwin“ Judith Williams.

Während Williams in Deutschland mit ihrer eigenen Kosmetiklinie als eine der erfolgreichsten Geschäftsfrauen gilt, spielt sie in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ die Rolle der Homeshopping-Mutti mit einem Faible für Beauty-Produkte. Dass sie die richtige Ansprechpartnerin für das Beli-Luu-Produkt ist, weiß der Zuschauer schon, bevor die Entwicklerinnen in die Höhle der Löwen ziehen.

Marktanteile der TV-Sender
Platz 1: ZDF
Platz 2: ARD
Platz 3: RTL
Platz 3: Sat 1
Platz 4: Pro Sieben
Platz 5: Vox

Leider zieht sich genau dieses Muster durch die ganze Show. Zuschauer mit gesundem Menschenverstand können vorhersehen, was passiert. Für alle anderen versucht Vox mit Musik ganz im Style der Casting-Mutter Deutschland sucht den Superstar“ von RTL Dramatik zu erzeugen. Richtig spannend wird es aber selten.

Ach ja, einen Moderator gibt es auch. Ebenso unbekannt wie unwichtig soll Amiaz Habtu durch die Sendung führen. In Wahrheit tätschelt er den Kandidaten nur die Schulter, wenn sie nervös sind. „Nervosität? Ehm, von eins bis zehn: acht, siebeneinhalb, acht“, sagt Erik Schwarzer noch vor ihrem Einzug in die Investoren-Höhle. Dass es für ihn eher zur Hölle wird, hat er selbst in diesem Moment vermutlich nicht geahnt.

Für 15 Prozent Gewinnbeteiligung im ersten Jahr fordert er 200.000 Euro von den Investoren. Doch die Rechnung der beiden Gründer von Knüppelknifte geht nicht auf. Die Löwen haben geschlossen eine Investition gewittert, jedoch eine Umstrukturierung der Gastronomie-Idee in eine Schnellimbiss-Kette als Bedingung für eine Beteiligung gestellt.

„Wollt ihr Geld verdienen oder eure romantischen Gefühle beflügeln?“, fragt Öger. „Return of Money“ (deutsch: Das Echo des Geldes), wie der Investor es bezeichnet, bestimmt das Geschäft; schließlich würden Fastfood-Läden Milliardenumsätze im Jahr machen. Mit dem Vergleich von Knüppelknifte mit McDonalds hat Öger sich für den Zuschauer diskreditiert. „Das war einfach nur daneben“, sagt Erik Schwarzer. Die Bochumer haben also ein zweites Angebot gemacht.

Genau diese Wechselwirkung von Investor und Unternehmer macht die Sendung sehenswert – trotz der trashigen Homestories und dem Vorspann, der von der Dramatik her einem RTL-Katastrophenfilm gleicht. Darin werden die fünf Löwen gezeigt, untermalt von Großstadt-Aufnahmen und Löwengebrüll.

Thelen und Co. wissen aufgrund ihrer Erfahrung immer genau die richtigen Fragen, um das wirklich Interessante aus den Kandidaten heraus zu kitzeln: Wie viel haben sie schon investiert? Wie teuer ist die Herstellung des Produkts? Wie ist die Resonanz des bisherigen Verkaufs?

Details interessieren eben. Erst dann fiebert man als Zuschauer mit, drückt den Unternehmern die Daumen oder will sie scheitern sehen. Den „Beli-Luu“-Gründerinnen hätte man einen guten Deal gegönnt. Für 25.000 Euro haben sie Judith Williams 30 Prozent ihres Unternehmens angeboten. Die deutsch-amerikanische Unternehmerin hat 60 Prozentgefordert. Geeinigt haben sie sich auf 53 Prozent. Nun könnte Williams die beiden jederzeit aus ihrem eigenen Unternehmen werfen. Ein guter Deal geht anders, zumindest für das Start-Up.

Für den Unterhaltungswert der Sendung sorgen auch die fünf Investoren. Neben Williams und Öger sowie dem Start-up-Guru Thelen, dem Ex-Stuntman und wohl bekanntesten Investor Jochen Schweizer gehört als fünftes Mitglied Lencke Wischhusen dazu. Zu früh als bloße Schönheit abgestempelt, qualifiziert sie sich mit ihren Aussagen über die wirtschaftlichen Chancen der Produkte zu einer ernst zu nehmenden Löwin.

In Knüppelknifte investiert hat sie nicht. Genauso wenig wie die anderen vier Unternehmer. Als sie auf das neue Angebot von Schwarzer und Hermann, eine weitere Firma mit demselben Patent zu gründen und „Fifty-Fify“ zu machen, nicht eingehen wollen, lehnen die beiden völlig zurecht ab. Das Knüppelknifte-Konzept zu einem Vapiano-Ableger ausschlachten? Nein, danke.

Schwarzer kommentiert das so: „Den Löwen geht es nur um Masse und Zahlen. Unser Produkt braucht Zeit und Investment, das ist ihnen nicht klar geworden.“ Vor allem sei eine Massenabfertigung nicht das, was die Leute wollen, sondern „Entschleunigung und Genuss“ – „Dass wir mit dem ersten Restaurant nicht reich werden, wissen wir selbst.“

Schwarzer und Hermann hätten sich gewünscht, dass die Löwen mit ihnen erfolgreich zusammen gearbeitet hätten ohne dem Konzept den Rücken zuzukehren. „Jetzt werden wir planen, wie es weitergeht.“ Unter den 200 E-Mails, die innerhalb der vergangenen zwölf Stunden eingegangen seien, wären jedenfalls auch welche von interessierten Unternehmern. Aus wirtschaftlicher Perspektive hätten die beiden Knüppelknifte-Gründer das Anliegen der Löwen aber verstanden. „Unsere Vision jedoch ist größer als eine kurzfristige Investmentplanung.“

Damit haben sie sich im letzten Moment vor der Abzocke der Investoren „gerettet“. Erfolg hin oder her, bei einem Deal steht der Nutzen für die Löwen ganz oben.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde unter dem Hashtag #diehoehlederloewen über die Show am Dienstagabend diskutiert. Auch hier wurden Schwarzer und Hermann unterstützt:

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Die Stimme aus dem Off meint lediglich „Viel Glück und guten Appetit“.

Fazit: Ja, „Die Höhle der Löwen“ ist eine Casting-Show von RTL beziehungsweise Vox. Ja, es ist Trash-TV. Sehenswert ist die Sendung trotzdem. Die Idee der Firmengründung und dessen Vor- und Nachteilen steht im Vordergrund sowie die Verhandlungen zwischen Investor und Unternehmer.

Unweigerlich erinnert der Titel sowie der Verlauf am Dienstagabend an eine Fabel von Äsop: Der Löwe bittet den Fuchs, ihm zu helfen. Dieser erkennt frühzeitig, dass die Spuren in ‚die Höhle des Löwen‘  nur hinein führen, nicht hinaus. Also weigert der Fuchs sich. Ob die Jung-Unternehmer aus der Höhle wieder herauskommen, bleibt also offen. Zu wünschen wäre es ihnen.

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