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Alternative für DeutschlandWas wäre, wenn die AfD regiert?

Die AfD will ihren Siegeszug fortsetzen und in den Hamburger Senat einziehen. Die Chancen stehen gut. Vielleicht sitzt sie sogar eines Tages auf der Regierungsbank. Was dann? Eine nicht ganz ernst gemeinte Betrachtung.Dietmar Neuerer und Stefan Kreitewolf, Désirée Linde, Martin Pirkl, Anja Stehle 20.10.2014 - 08:21 Uhr Artikel anhören

Euphorisch: AfD-Chef Bernd Lucke freut sich über die jüngsten Wahlerfolge. Doch was wäre wenn seine Partei eines Tages in Deutschland regieren würde?

Foto: dpa

Düsseldorf. Erst das Europaparlament in Straßburg und Brüssel, dann die Landtage in Dresden, Erfurt und Potsdam: Jetzt bläst die „Alternative für Deutschland“ (AfD) zum Angriff auf Hamburg. Nach den Wahlen in der Hansestadt am 15. Februar will die Partei ins bislang vierte Landesparlament einziehen.

Die Chancen für weitere Siegeszüge der eurokritischen Partei stehen nicht schlecht. Die AfD liegt bei der Sonntagsfrage regelmäßig bei um die zehn Prozent, etwa jeder dritte Deutsche gibt außerdem an, es zu begrüßen, wenn die AfD auch im Bundestag säße.

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?
Es steckt einiges von der Union früherer Zeiten in der Alternative für Deutschland (AfD). Nur in der Europapolitik grenzt sich die AfD klar von dem ab, was Helmut Kohl zu seinen Kanzlerzeiten wichtig war. Die AfD besetzt aber andere zentrale Themen der Union wie Familie, Kriminalität und Zuwanderung. Die Warnungen der AfD vor einer Überlastung der Sozialsysteme durch Asylbewerber erinnern an die aufgeheizte Das-Boot-ist-voll-Debatte Anfang der 90er Jahre. Die AfD knüpft zudem an die konservative Gedankenwelt von Bundesministern wie Manfred Kanther (CDU) und Theo Waigel (CSU) an.
Doch. Auch heute sind das Schwerpunkte der Union. Doch die CSU war im Europa-Wahlkampf mit ihrer auf Ausländer gemünzten Parole „Wer betrügt, der fliegt“ und dem Herziehen über die EU-Kommission nicht erfolgreich. Und CDU und CSU bekamen unter Angela Merkel und Horst Seehofer bei der Bundestagswahl 41,5 Prozent - mit einer liberaleren Einstellung zu Homosexuellen, mit einer neuen Definition von Familie, aber ohne einen Law-and-Order-Mann als Bundesinnenminister. So machte die Union die Erfahrung, dass ein Kurs der Mitte mehr Stimmen bringt als das Beharren auf konservativen Positionen.
Die AfD setzt sich für mehr Basisdemokratie ein – und steht damit im Kontrast zur CDU. Einige ihrer Mitglieder stammen außerdem aus der Konkursmasse kleinerer rechter, liberaler und konservativer Parteien. Ehemalige Angehörige von NPD und DVU können dagegen nicht Mitglied der AfD werden. Im Osten wirbt die Partei um DDR-Nostalgiker, die zwar den Sozialismus nicht zurückhaben wollen, aber zum Beispiel Elemente des alten Bildungssystems gut finden.
Ja - auch wenn die CDU in Brandenburg und Thüringen trotz Stimmenverlusten an die AfD zulegen konnte. Erstens hat die Union durch ihren Wandel hin zu einer modernen, urbanen Partei eine Flanke an ihrem rechten Rand aufgemacht und könnte weiter Konservative, die in der Union keine Heimat mehr sehen, verlieren. Und zweitens wirbelt die AfD die Parteienlandschaft so durcheinander, dass die Machtoptionen für die Union schwinden. Eine Koalition mit der AfD schließt die CDU genauso aus wie mit der Linken, und auf die FDP kann sie nicht mehr zählen. Unabhängig davon, dass Schwarz-Grün im Bund ein Novum wäre, könnte es mit den Grünen knapp werden - wenn die AfD denn 2017 in den Bundestag einzöge. Bliebe ein Bündnis mit der SPD - das sollte aber aus Sicht beider Parteien kein Dauerzustand sein.
Nicht einheitlich. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagt: „Wir wollen die Wähler zurückgewinnen.“ Fraktionschef Volker Kauder (CDU) will die AfD ignorieren und sich mit ihren Politikern nicht einmal in eine Talkshow setzen. Wolfgang Bosbach vom konservativen „Berliner Kreis“ der CDU hält das für falsch. Viele Unionspolitiker raten inzwischen, sich intensiv mit der AfD auseinanderzusetzen. Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel ging im Brandenburger Wahlkampf deutlich auf die Grenzkriminalität ein, nachdem die AfD bei der Sachsen-Wahl damit punktete. Koalitionen mit der AfD schließt sie aber aus.
Die AfD stellt sich als Partei der braven Sparer und Steuerzahler dar, deren Wohlstand durch die Rettung maroder Banken und überschuldeter Euro-Länder gefährdet ist. Sie fordert, dass außer Flüchtlingen nur noch „qualifizierte und integrationswillige“ Ausländer nach Deutschland kommen dürfen und bemüht dafür gerne das Beispiel des Einwanderungslandes Kanada. Die AfD, die sich seit ihrem guten Abschneiden bei drei Landtagswahlen als „kleine Volkspartei„ bezeichnet, wettert gegen die in Deutschland inzwischen weit verbreitete Kultur der „politischen Korrektheit“. Ihrer Führungsriege gehören etliche Ex-Mitglieder von CDU und FDP an. Deshalb finden einige wertkonservative Wähler die Strategie der CDU, die AfD wie eine nicht-salonfähige Randgruppe zu behandeln, wenig glaubwürdig.
Nein. „Eintagsfliege“, „Protestpartei“ – diese Etiketten wurden der AfD in den ersten Monaten oft aufgeklebt. Doch im Gegensatz zu den Piraten, die sich lange vor allem der Selbstzerfleischung widmeten, halten sich die internen Streitereien noch im Rahmen. Außerdem hat sich die AfD rasch von einer Ein-Thema-Partei (Eurorettung) zu einer gemausert, die verschiedene Politikfelder besetzt.

Endlich eine Partei, die Tabus bricht und Probleme offen anspricht, die andere Parteien totschweigen und die nicht ideologie- sondern vernunftgeleitet handelt – so sieht sich die AfD selbst. Eine Außenseiter- und Protestpartei, die mit populistischen Statements am rechten Rand fischt – so sehen es die etablierten Parteien und Experten.

Noch scheint eine Regierungsbeteiligung der jungen Partei selbst angesichts des Siegeszugs zwar unwahrscheinlich. Zu stark sind die Vorbehalte der CDU und der SPD gegenüber der Partei. Doch was wäre, wenn die AfD in Deutschland mitregieren würde? Welche Vorhaben würde die Partei umsetzen? Wie würde ihre Politik das Land prägen? Handelsblatt Online hat das politische Gedankenspiel gewagt und stellt ernste und teils auch weniger ernste Prognosen vor.

AfD

Die Angstpartei

Für immer dichtmachen: Die AfD würde den Bau des Pannen-Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) abbrechen.

Foto: dapd
Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“
Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.
Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.
Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Im Wahlkampf in Brandenburg haben die Eurokritiker schon angekündigt, dass sie vor allem den „elenden Flughafen“ in Schönefeld auf die Tagesordnung setzen wollen. Hätte die AfD gar Regierungsverantwortung im Bund, könnten alle einpacken, die bisher vergeblich versucht haben, den Hauptstadt-Airport BER zum Laufen zu bringen.

Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag, Alexander Gauland, würde sich dann als BER-Chefabwickler betätigen. „Das wird nie funktionieren mit dem Flughafen“, hatte er schon im Interview mit dem Handelsblatt getönt. Der Standort sei völlig falsch. Brandenburg habe sich seinerzeit vom Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) über den Tisch ziehen lassen. „Ich bin dafür, das BER-Projekt so schnell wie möglich zu stoppen und die Reißleine zu ziehen“, gab Gauland die Marschrichtung vor. „Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“

Gauland würde dann das Projekt neu planen und bauen – vielleicht als AfD-Airport. Jedenfalls hat er schon einen geeigneten Standort im Blick. „In Frage kämen Sperenberg oder Jüterbog“, sagte er. Der Staat soll sich dann aber nicht mehr so groß einmischen wie beim derzeitigen BER-Projekt. Geht es nach Gauland, sollte nicht die öffentliche Hand den Flughafen bauen, sondern private Investoren.

Schlagerstar Helene Fischer (30): Ihre Werke wären häufiger zu hören, ginge es nach der AfD.

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Europa wird sich noch wundern, wenn die AfD sich als Regierungspartei die gemeinsame Währung vornimmt. Dann ist Schluss mit lustig, dann gibt es bald keinen Euro mehr. Dann wird es heißen: Achtung, die D-Mark kommt! Zumindest in Deutschland. Denn in der Eurofrage ist mit der AfD nicht zu spaßen. Ihre Position dazu hat sie gar in ihren politischen Leitlinien zementiert. Darin heißt es klipp und klar: „Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.“ Deutschland brauche den Euro nicht.

Zwar sehen das die hiesige Wirtschaft und auch die etablieren Parteien gänzlich anders. Aber das spielt dann eh keine Rolle mehr, wenn die AfD mit Bernd Lucke den Bundeskanzler stellt. Dann kommt es wie es kommen muss. Vielleicht ist das Ganze ja auch gar nicht so schlimm. Jedenfalls sammelt die Partei derzeit bereits viele positive Erfahrungen mit der deutschen Mark – in ihrem Gold-Shop. Die Barren und Münzen, darunter auch Goldmark, verkaufen sich wie geschnitten Brot.

Ein echter Coup, könnte man fast sagen. Wenn andere Eurozonen-Länder das sehen, könnten sie womöglich auch ins Grübeln kommen, ob das alles so dufte ist mit dem Euro. Der AfD käme ein solcher Sinneswandel gelegen. Würde auch gut zur eigenen Programmatik passen. „Die ‪AfD fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes“, heißt es in den Leitlinien. Anderen Ländern schade die Währung. Daher fordert die AfD die „Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde“.

Dietmar Neuerer

Wer die AfD anführt
Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.
Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.
Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.
Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlichdem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Die Nebeneinkünfte der EU-Parlamentarier sind laut Abgeordnetenwatch.de nicht so hoch wie die der Abgeordneten im Deutschen Bundestag. Knapp zwei Drittel der 96 deutschen Parlamentarier – 61 Abgeordnete – gehen einer entlohnten Nebentätigkeit nach und haben diese kürzlich veröffentlicht. David McAllister, Niedersachsens Ministerpräsident a.D. (CDU), arbeitet etwa für die Unternehmen Matthäi Verwaltungs GmbH (Vergütung: 1000 bis 5000 Euro/Monat) und Grontmij GmbH (als Beiratsmitglied, aktuell keine meldepflichtigen Einkünfte). Der Deutschlandableger des niederländischen Grontmij-Konzerns ist nach Recherchen der Wochenzeitung Kontext ein großer Auftragnehmer beim umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21. Neben McAllister gehört mit der verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, Nicole Razavi, eine weitere Unionspolitikerin dem Beirat an.

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Der EU-Abgeordnete der CDU aus Mecklenburg-Vorpommern, Werner Kuhn, verdient als selbstständiger Unternehmensberater zwischen 1001 und 5000 Euro pro Monat (Stufe 2). Wem Kuhn seine Dienste anbietet, ist nicht bekannt. Abgeordnete des Europäischen Parlaments müssen ihre Nebeneinkünfte auf Monatsbasis und in brutto in vier Einkommensstufen melden und auf der Parlaments-Homepage veröffentlichen. Eine Tätigkeit muss innerhalb einer Frist von 30 Tagen gemeldet und veröffentlicht werden. Daher bilden diese Informationen den Stand von Ende Juli ab.

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Vor der Wahl noch Lobbyist: Jens Gieseke (CDU) war Berater für den Flughafenverband ADV. Nach der Wahl ins Europäische Parlament gab er diese Beratertätigkeit nach eigenen Angaben auf. Vergütet worden war die Tätigkeit mit einer Summe zwischen 5000 bis 10.000 Euro pro Monat.

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Neben seiner Parteisprechertätigkeit für die AfD, für die Bernd Lucke zwischen 5000 bis 10000 Euro im Monat kassiert, listet Lucke auf der Parlaments-Homepage noch eine Reihe weiterer Nebenjobs auf. Darunter ist auch die Forschungstätigkeit für das Netzwerk von euro-mediterranen Wirtschaftsforschungsinstituten namens FEMISE – laut Lucke mit mehr als 10.000 Euro (Stufe 4) im Monat vergütet. Unter dem Strich kommt der AfD-Politiker danach laut Abgeordnetenwatch auf Jahreseinkünfte von mindestens 180.000 Euro zusätzlich zu seiner Abgeordnetendiät.

Lucke selbst bestreitet gegenüber dem Handelsblatt die Angaben. Er habe lediglich Projektfinanzierungen von FEMISE erhalten, die „zum Teil für die Entlohnung der eigenen Arbeitsleistung“ eingesetzt wurden sowie von September 2012 bis Januar 2013 ein Forschungsstipendium von FEMISE für einen Aufenthalt bei der OECD in Paris – monatlich mit 5760 Euro bezahlt. Zudem seien die Summen (mehr als 10.000 Euro monatlich) zu hoch. Lucke hatte diese Summen, auf die sich Handelsblatt.com und Abgeordnetenwacht beziehen, allerdings selbst auf der Parlaments-Homepage gemacht. Das werde aber laut eines AfD-Sprechers derzeit vom Parlament korrigiert. Lucke habe irrtümlich die Daten falsch eingetragen.

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Der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel (AfD) führt auf der Homepage des Parlaments zwei bezahlte Nebentätigkeiten auf (jeweils 1000 bis 5000 Euro pro Monat): Er gehört dem Verwaltungsrat der Firma „Used Soft“ an, die mit gebrauchter Software handelt, und sitzt außerdem im Beirat der SMS Group, zu der Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus gehören. Unter dem Posten „Verschiedene Honorartätigkeiten führt Henkel monatliche Einkünfte zwischen 1000 und 5000 Euro auf. Fast alle Tätigkeiten aus der Zeit vor seiner Mitgliedschaft im EU-Parlament hat der AfD-Politiker inzwischen aufgegeben.

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Martin Sonneborn, Chef der Partei „Die Partei“, kassiert monatlich zwischen 1000 und 5000 Euro. Für die Tätigkeit als Partei-Vorsitzender erhält der Neu-Parlamentarier laut Abgeornetenwatch keine meldepflichtigen Einkünfte.

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Einige Parlamentarier in Brüssel ließen laut Abgeordnetenwatch deutlich an Transparenz vermissen, auch wenn sie für gewissen Tätigkeiten nichts kassieren: Angelika Niebler (CSU) sitzt seit elf Jahren im Europaparlament. Sie gehört, wie auch ihre Kollegen Werner Langen, Herbert Reul (beide CDU) und Jo Leinen (SPD), dem European Energy Forum (EEF) an, einem informellen Zusammenschluss von EU-Abgeordneten und großen europäischen Energiekonzernen. In den Angaben der Volksvertreter erfährt man von dieser lobbyrelevanten Tätigkeit allerdings nichts.

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Mit der AfD an der Macht bekämen wir deutsche Musik in Endlosschleife: Um sechs Uhr weckt uns Helene Fischer („Die Hölle morgen früh“) und begleitet unsere morgenmuffelige Stimmung auf dem Weg zur Arbeit („Sag bloß nicht hello“). Der Tag wird zum Schlager-„Marathon“ (ebenfalls von Frau Fischer), so dass wir uns schnell „Grenzenlos“ (Beatrice Egli) fühlen. Am Abend droht der „Herzstillstand“ (Michelle), weil wahlweise „Die Tanzfläche brennt“ (Anna-Maria Zimmermann) oder „Du [...] der geilste Fehler [warst], den ich gemacht hab“ (Nockalm Quintett).

Nach dem AfD-unterstützen Schlagertag bleibt nicht mehr viel übrig von uns. Wir sinken erschöpft ins Bett mit dem Gedanken „Das war 'ne harte Zeit“ (Christian Anders feat. Lara Bianca Fuchs). Es bleibt nur noch die Flucht in „Sommerträume“ (Amigos) oder auf einen anderen Kontinent „Ich will auch mal nach New York“ (Jörg Bausch). Dem gnädigen traumlosen Schlaf werfen wir uns entgegen mit der Bitte „Nimm mich fest in deinen Arm“ (Thomas Rothfuss). Konsequent schaffen es zu allerletzt die Jungen Klostertaler, jeden Funken von lyrischem Empfinden abzutöten mit ihrem Klassier „Holz vor der Hütt'n“. Der Hoffnung „Morgen ist alles vorüber“ (De Randfichten) dürfen wir uns aber nicht hingeben. Denn die AfD will nicht einen Schlagertag, sie will grundsätzlich mehr deutsche Musik im Radio, eine Deutschquote fürs Radio.

Flüchtlinge aus Äthiopien: Kaum noch Chancen auf Asyl hätten sie unter einer AfD-Regierung.

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Dabei stört die Mehrheit der Deutschen das Charts-Einheitsgedudel nicht. Das ist auch ganz logisch, weil sich die Hitlisten nun mal aus den Verkaufszahlen ergeben. Spitzfindige mögen einräumen, ja, die ganzen Streams sind nicht unbedingt dabei. Es bleibt aber die Erkenntnis, dass die kommerziellen Sender keine Musik spielen, die die Mehrheit nicht hören mag. Wer Mainstream nicht mag, hört längst kein Mainstream-Radio mehr. Und deutsche Musik ist eben nicht gleich gute Musik.

Die AfD in Sachsen trägt geschickt das Vielfaltsargument vor sich her und verweist darauf, dass es kein Gesetz zur Deutschquote geben solle, sondern sich die Mitglieder der Rundfunkräte lediglich für mehr deutsches Liedgut einsetzen sollten. Doch es geht der AfD nicht um die Förderung deutscher Künstler – die Forderung bezieht sich explizit auf „deutschsprachige“ Musik, nicht Musik deutscher Künstler. Denn die singen oft nicht (nur) auf Deutsch. Element of Crime, Scooter, Dick Brave und Sarah Connor, um nur ein paar zu nennen, benutzen die Weltsprache Englisch.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“
Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)
Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.
Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.
Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.
Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.
Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.
Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Die Forderung nach mehr deutscher Musik, offenbart – wieder einmal – was die AfD als Instrument der Wahl auserkoren hat: Populismus in Reinform. Gerade in Sachsen mit einer gut vernetzten rechten Szene fallen Forderungen mit dem Stallgeruch der Deutschtümelei auf fruchtbaren Boden. Eine Forderung nach Vielfalt ist das nicht. Das zeigte sich jüngst auch an anderer Stelle: Der Auftritt von Eurovision-Gewinnerin Conchita Wurst vor dem EU-Parlament sei „bestenfalls überflüssig“ und das Thema sexuelle Selbstbestimmung ohnehin angesichts anderer Probleme viel zu häufig diskutiert. So viel also zur Pluralität.

Désirée Linde

Zurück aus der Mottenkiste: Mit der AfD in der Regierung käme das Buch „Das Eva-Prinzip“ von 2006 mitsamt der Autorin Eva Herman zu neuen Ehren – und auf den Lehrplan.

Foto: ap
Die ECR-Fraktion im EU-Parlament
Libertär, Direkt, Demokratisch  (LDD), rechtsliberal
Dänische Volkspartei (DF), rechtspopulistisch
Familien-Partei (FAMILIE)
Wahre Finnen (PS), rechtspopulistisch
Unabhängige Griechen (ANEL), nationalkonservativ bis rechtspopulistisch
Conservative Party von Premier David Cameron, konservativ
Forza Italia von Silvio Berlusconi, rechtspopulistisch
Kroatische Partei des Rechts (HSP) nationalkonservativ bis rechtsextrem
Nationale Vereinigung „Alles für Lettland“ (LNNK), nationalkonservativ
Wahlaktion der Polen Litauens, sozialkonservativ
Christenunion (CU), christlich-demokratisch
Recht und Gerechtigkeit (PiS) vom ehemaligen Staatspräsidenten Jaroslaw Kaczynski, nationalkonservativ
Demokratische Bürgerpartei (ODS), liberal-konservativ

Ausländerpolitik

Schreckliches spielt sich regelmäßig im Mittelmeer ab. Schiffe voll beladen mit Flüchtlingen, etwa aus Syrien, Palästina, Ägypten und dem Südsudan, sinken auf dem Weg nach Europa. Tausende Menschen, oft politisch verfolgt und auf der Flucht vor dem Hunger und der Gewalt, ertrinken in den Fluten des Meeres. Europa? Eine gut gesicherte Bastion, fast unmöglich zu erreichen. Regiert die AfD in Deutschland mit, werden die Zäune für Flüchtlinge noch höher gezogen.

AfD-Chef Lucke fordert eine ganz neue Steuerung der Asylpolitik. „Wir müssen darauf achten, dass (...) wir keine Form von Zuwanderung zulassen, die unsere Gesellschaft ablehnt“, sagte er. Die AfD befürchtet, dass es in Deutschland bereits zu viele Einwanderer gibt und will deswegen die Asylpolitik verschärfen. Das gilt laut der Partei nicht für politische Flüchtlinge, sondern nur für Wirtschaftsflüchtlinge. Doch diese Unterscheidung funktioniert trennungsscharf nur in der Theorie.

Bernd Lucke mit seinen Kindern: Er beherrscht die Querflöte und leitete den Kindergottesdienst.

Foto: dpa

Volksentscheide

Einfach ein Kreuz setzen: Ja oder Nein. Geht es nach der Jugendorganisation der AfD, der Jungen Alternative, sollen die Deutschen in Zukunft über alle relevanten politischen Fragen abstimmen. Vorbild ist die Schweiz, mehr Selbstbestimmung für die Bevölkerung das Ziel.

Allerdings ist Deutschland nicht die Schweiz. Die Bundesrepublik ist neunmal größer und hat zehnmal mehr Einwohner. Volksabstimmungen hierzulande wären ein großer organisatorischer Aufwand und würden viel kosten.

Dennoch hat die Idee Anhänger in der Bevölkerung. Vor allem junge Leute, bei denen die AfD überproportional beliebt ist, befürworten Volksentscheide. Die Kernfrage wäre: Könnten Volksentscheide die grassierende Politikverdrossenheit bekämpfen? Oder werden wir nicht müde, alle Nase lang zu jeder Frage unseren Senf abgeben zu müssen. Bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen gab jüngst nicht mal jeder zweite Wähler seine Stimme ab.

Martin Pirkl

„Das Eva-Prinzip“ wird zur Schullektüre

Liebe AfD,

Vater, Mutter, Kind – das ist eine Familie. Mann verheiratet mit Frau – das ist eine Ehe. Danke AfD, dass ihr wieder Ordnung in das deutsche Familienbild gebracht habt. Es war doch recht unübersichtlich geworden. Mann und Mann, Frau und Frau, dann noch die Geschiedenen mit Kind. All das sollte auch Familie oder Ehe sein. Wer hat nicht bei all dem Patchwork den Überblick verloren?

Dank eurer „aktiven Bevölkerungspolitik“ sind die Frauen nun auch wieder gebärfreudiger. Ihr habt die Drei-Kind-Familie zum gesellschaftlichen Leitbild erhoben und tut alles dafür, dass wir Frauen es trotz dreifachem Kindergeschenk schaffen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Manchmal können Lösungen so einfach sein: Ihr habt uns Frauen einfach das “Work” in „Work-Life-Balance“ gestrichen – jetzt haben wir wieder unsere „Life-Balance“. Danke.

Übrigens, liebe AfD, ich habe vergangene Woche das Buch „Das Eva-Prinzip“ der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Hermann wiederentdeckt. Ihr erinnert euch noch? Darin hat sie echt gute Ideen zur traditionellen Rollenverteilung von Mann und Frau aufgeschrieben. Die Eva kann das natürlich schärfer formulieren als ich: „Schöpfungsgewollte Aufteilung“  zwischen Mann und Frau schreibt sie – das trifft es gut, oder? Was haltet ihr davon, das Buch künftig als Schullektüre in die Lehrpläne aufzunehmen?

In der Telefonleitung knackt es wieder leise

Ein Lob muss ich euch noch aussprechen: Ihr seid endlich eine Partei, die hält, was sie im Wahlkampf verspricht. „Sichere Grenzen statt grenzenloser Kriminalität“  und „weniger Abgeordnete, mehr Polizisten“ – bei euch sind das nicht bloß leere Worthülsen.

Wenn ich nun morgens das Haus verlasse, grüßt mich ein freundlicher Polizeibeamter. Und das leise Knacken vorhin in der Leitung beim Telefonieren? War das eure Abhörzentrale? Danke AfD, dass ihr unsere Sicherheit auf DDR-Niveau gehoben habt. Dass Augen und Ohren des Staates wieder auf den Bürger gerichtet sind. Jetzt fühle ich mich endlich sicher auf unseren Straßen.

Nur eine Bitte hätte ich noch: Ich würde am Wochenende gerne ein paar Freunde in Berlin besuchen – könntet ihr so lange noch warten, mit dem Bau des Grenzzauns?

Danke AfD,

Eure Anja

Anja Stehle

Mit Bernd Lucke als Verteidigungsminister wäre ein Dauerstreit mit den Medien vorprogrammiert. Konflikte um mögliche rechte Kader in den eigenen Reihen und Vorwürfe wegen Realitätsferne würden die Bundespressekonferenz sprengen und Regierungssprecher Steffen Seibert die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Lucke würde, wie zuletzt für die „Bild“, Haus und Hof öffnen und der Nation seine fünf Kinder als Gegenbeispiel der kinderlosen Familie in Deutschland unter die Nase reiben. Der ehemalige Wirtschaftsprofessor würde bei Staatsbegräbnissen die Predigt selbst halten und bei der eigenen Vereidigung eine Kostprobe seines Könnens an der Querflöte präsentieren. Erfahrung hat er in beiden Bereichen: Jahrelang leitete er in seiner Heimatgemeinde Winsen den Kindergottesdienst und hat seinen Wehrdienst als Querflötist im Stabsmusikkorps bei der Bundeswehr abgeleistet.

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Ein Minister Lucke würde außerdem seine Forderung umsetzen und ein bundesweites Intranetz nur für deutsche Staatsbürger als Gegenentwurf zum US-amerikanischen IT-Monopol installieren. Mit einem Stammbuchnachweis könnten Bürger ab 14 Jahren an zentralen Registrierungsstellen ihre Login-Daten bekommen.

Internetbetrug wäre dann das wieder neu eingeführte „Verbrechen gegen das deutsche Volk“ und würde mit Zuchthaus bestraft. Das erinnert an dunkle Kapitel der deutschen Geschichte. Aber es war ja nicht alles schlecht damals.

Stefan Kreitewolf

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