Putin und der Biker-Club: Der russische Bär und seine Wölfe
Kremlchef Putin hat es ausprobiert: Motorradfahren mit dem Biker-Club „Die Nachtwölfe“.
Foto: AFPMoskau. Der russische Biker-Club „Die Nachtwölfe“ will auf einer Motorradtour von Moskau quer durch Ost- und Mitteleuropa bis nach Berlin den Weg der Sowjetarmee am Ende des Zweiten Weltkriegs nachfahren. „Ziel ist es, das Andenken an diejenigen zu ehren, die beim Kampf gegen den Faschismus gefallen sind“, sagte Organisator Andrej Bobrowski am Montag der Nachrichtenagentur AFP.
Durch die Motorradtour, die am 25. April beginnen und am 9. Mai, dem in Russland begangenen Jahrestags des Kriegsendes, in der deutschen Hauptstadt enden soll, wollen die Biker demnach die „guten Beziehungen“ zwischen Russland und den durchquerten Ländern stärken. Besucht werden sollen dabei außer Deutschland noch Weißrussland, Polen, Tschechien, die Slowakei und Österreich.
Die Nachtwölfe zeigen sich zwar regelmäßig an der Seite von Russlands Präsident Wladimir Putin, streiten aber jedes politische Engagement ab. „Wir sind keine Historiker, aber wir wollen die hunderttausenden von Zivilisten nicht in Vergessenheit geraten lassen, die im Krieg gestorben sind“, sagte Bobrowski. Er erwarte deshalb von allen, ihnen bei ihrer Aktion zu helfen, selbst von jenen, die diese nicht respektierten.
Der kurz vor Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 gegründete Club zählt in deren Nachfolgestaaten heute rund 5000 Mitglieder. Die Biker waren bisher unter anderem kurz nach der Annexion durch Russland auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim unterwegs und tauchten auch schon in der Separatistenhochburg Lugansk in der umkämpften Ostukraine auf. Einige der Rocker entschieden sich dabei, gleich vor Ort zu bleiben und die Separatisten bei ihrem Kampf gegen Kiew zu unterstützen.
Zwei knallharte Jungs: Russlands Kremlchef Wladimir Putin und Nochniye Volki, der Chef des Biker-Clubs „Die Nachtwölfe“.
Foto: ap
In Polen haben die Pläne der Nachtwölfe bereits regen Widerstand ausgelöst. Mehr als 9000 Unterschriften wurden für eine Petition gesammelt, die von den Behörden verlangt, den rund vierzig erwarteten Bikern die Einreise zu verwehren. Auch in sozialen Medien fordern tausende ein Einreiseverbot für die Motorradfahrer.
Die Entscheidung, ob die Russen einreisen dürfen, müsse der Grenzschutz treffen, sagte der stellvertretende polnische Außenminister Rafal Trzaskowski im Nachrichtensender „TVN 24“. Die „Nachtwölfe“ hätten bisher kein Visum für Polen beantragt. Es sei aber möglich, dass sie Visa eines anderen Schengen-Staates hätten.
In Polen ist eine Facebook-Gruppe entstanden, in der gefordert wurde, die Fahrt der Russen zu blockieren. Eine andere Gruppe unterstützt die Fahrt zur Erinnerung an den Sieg über Hitler-Deutschland vor 70 Jahren. Die „Nachtwölfe“ werden am 27. April an der polnischen Grenze erwartet.
Seit dem Beginn der Ukraine-Krise haben sich die Beziehungen beider Länder rapide verschlechtert. „Mit wehenden russischen Flaggen wollen sie den Weg der Roten Armee nachfahren, die Polen niemals Freiheit gebracht hat“, sagte Jarek Podworski, ein Biker aus dem ostpolnischen Lublin, der die Petition gestartet hatte.
Doch angesichts der heftigen Ablehnung des Projektes hat sich ein anderer polnischer Biker-Club auch schon für den Besuch der Nachtwölfe ausgesprochen: „Wenn wir in Russland unterwegs sind, werden wir immer herzlich empfangen“, sagte Wiktor Wegrzyn. Der Präsident des Clubs Sternfahrten von Katyn organisiert regelmäßig Touren an Orte in Russland, an denen Polen durch den stalinistischen Terror ermordet wurden. Er forderte vom polnischen Außenministerium, den Nachtwölfen kostenfreie Visa zu gewähren. „Russlands Botschaft hat uns solche in den vergangenen sechs Jahren jedesmal ausgestellt“, sagte Wegrzyn.