1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Dienstleister
  4. Baukonzern Zech: Der stille Marktführer mit der Großbaustelle

Baukonzern ZechDer stille Marktführer mit der Großbaustelle

Bauunternehmer Kurt Zech kauft gern insolvente Firmen – wie die deutsche Imtech-Tochter. Damit holt er sich auch die berühmteste Dauerbaustelle des Landes ins Haus. Familienunternehmen sieht er in der Branche im Vorteil.Martin Tofern 07.01.2016 - 07:00 Uhr Artikel anhören

Weil Imtech am neuen Berliner Flughafen arbeitet, ist nun auch der neue Besitzer Zech auf dem Krisen-Airport engagiert.

Foto: dpa

Düsseldorf. Mit der Übernahme der deutschen Tochter des insolventen Imtech-Konzerns hat sich Kurt Zech ordentlich was vorgenommen. Immerhin arbeiten dort 2300 Angestellte, sein eigenes Unternehmen hatte bislang nur gut 6000. „Die Übernahme der Imtech-Mitarbeiter ist eine sehr ambitionierte Aufgabe, aber im Augenblick sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg“, sagt der 58-jährige Zech-Chef. Er will nun die gesamte Imtech-Verwaltung bis Ende Januar von Hamburg nach Bremen umziehen.

Ein spannendes Projekt für den Baukonzern, der sich in den vergangenen Jahren still und heimlich zu einer Größe in Deutschland gemausert hat. Derzeit arbeitet die Zech Group auf etwa 450 Baustellen und erfüllt rund 4000 Serviceverträge. In den vergangenen Jahren hat Zech den Umsatz von 626 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2014 gesteigert. Der Gewinn betrug 2014 immerhin 69,5 Millionen Euro.

„Wir haben uns neu aufgestellt und durch Projekte wie zum Beispiel den Kö-Bogen oder den neuen Vodafone-Campus in Düsseldorf nach vorn gearbeitet“, erzählt Kurt Zech stolz. Auch vor großen Vergleichen schreckt er nicht zurück: „In diesem Jahr sind wir auf Platz eins vorgestoßen und haben Marktführer Hochtief verdrängt.“ Was Zech meint, ist die Projektentwicklung. Beim Gesamtumsatz liegt die Zech Group deutschlandweit auf Platz acht, Hochtief ist mit 24,3 Milliarden Euro der größte Baukonzern.
Für Zech – und andere Baukonzerne – könnte auch dieses Jahr erfolgreich werden. Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie, erwartet zum Beispiel: „Wir werden in diesem Jahr besser liegen als 2015.“ Das habe zwei Gründe: erstens die „Investitionswende“ bei der öffentlichen Infrastruktur und zweitens der Wohnungsbau. Der Bedarf an Wohnraum in Deutschland ist groß und durch die inzwischen mehr als eine Million Flüchtlinge noch gestiegen. Karl-Heinz Schneider, Präsident der Bundesvereinigung Bauwirtschaft schätzt, dass jährlich bis zu 400 000 Wohnungen gebraucht werden.

Das sind Europas größte Baukonzerne
Royal BAM Group – 7,42 Milliarden Euro Umsatz (Stand 2016)Der größte niederländische Baukonzern ist neben dem klassischen Baugeschäft auch im Immobiliensektor und in der Installationstechnik aktiv. Die deutsche Tochterfirma BAM Deutschland AG hat ihren Hauptsitz in Stuttgart.
Koninklijke Bam Groep (Niederlande) – 6,98 Milliarden Euro UmsatzDas Unternehmen aus dem niederländischen Bunnik bei Utrecht ist europaweit tätig und hat rund 19.500 Mitarbeiter.
Ferrovial (Spanien) – 10,76 Milliarden Euro UmsatzDas Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.
Balfour Beatty (Großbritannien) - 10,6 Milliarden Euro UmsatzBereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.
Strabag (Österreich) – 12,4 Milliarden Euro UmsatzAus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren.
Eiffage (Frankreich) – 14,31 Milliarden Euro UmsatzNeben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.
Skanska (Schweden) - 15,35 Milliarden Euro UmsatzKaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.
Bouygues (Frankreich) - 31,77 Milliarden Euro UmsatzNeben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2016 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.
ACS (Spanien) - 31,98 Milliarden Euro UmsatzDie Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.
Vinci (Frankreich) – 38,07 Milliarden Euro UmsatzDer größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2016 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von 1,1 Prozent.Quelle: Deloitte

Von der hohen Nachfrage durch Flüchtlinge profitieren aber vor allem Unternehmen wie Jörg Bauer am Bodensee oder Max Bögl in Bayern, die Häuser aus Holz nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen und in wenigen Wochen liefern.
Zech macht eher in Beton – das aber erfolgreicher als so manch ein Konkurrent. Bei den Bremern funktioniert, was bei anderen Konzernen nicht mehr klappt: mit Bauen Geld verdienen. „In der gesamten Gruppe haben man seit ewigen Zeiten keine roten Zahlen gemacht. In einzelnen Geschäftsbereichen seien die Zahlen schon mal abgerutscht, „aber in Summe haben wir immer Geld verdient“.

Der Unternehmenschef hat dafür auch eine Erklärung: „Ich glaube, der deutsche Markt ist mittlerweile ein sehr mittelständischer Markt geworden.“ So viele Großprojekte gebe es nicht in Deutschland, und die, die es gegeben habe, seien in den wenigsten Fällen erfolgreich verlaufen. „Die Vorgänge bei den Projekten Berliner Flughafen und Kölner U-Bahn haben natürlich dem Ruf der gesamten Branche sehr geschadet“, klagt er. Zech ist der Überzeugung, dass sich die Bauunternehmen wieder dem Bauen und weniger der Juristerei widmen sollten. „Wir haben bisher Großprojekte fast immer nur auf eigene Rechnung realisiert. Und selbst da gibt es Gelegenheiten für Stress. Aber das hat man besser im Griff, weil alles in der eigenen Gruppe ist.“

Übernahmen als Wachstumstreiber

Zech sieht sich als Familienunternehmer im Vorteil: „Die Kunden legen inzwischen wieder Wert darauf, mit einem Auftrag nicht bei einem anonymen Konzern zu landen.“ Er mache den Job nun seit 38 Jahren, da sei eine gewisse Konstanz da. Deshalb fahre er auch oft selbst mit zu den Kunden. „Die Bedeutung der familiengeführten Bauunternehmen ist größer geworden“, sagt auch ein Branchen-Insider. Zech sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und sehr innovativ. „Zech ist eindeutig ein Aufsteiger.“ Das liege auch daran, dass das Unternehmen in erster Linie für private Auftraggeber arbeite.

Der Treiber des Wachstums sind bei Zech Übernahmen. Der Mittelständler kauft meist Unternehmen aus Insolvenzen heraus – mit entsprechenden Risiken. „Aber da haben wir mittlerweile auch eine große Erfahrung, und das Geschäft verstehen wir sehr gut“, sagt Zech. Die Zech Group ist heute in sechs Sparten unterteilt, in denen die meisten übernommenen Unternehmen eingegliedert sind. Dabei legt Zech Wert darauf, dass die Firmen einen großen Teil ihrer Eigenständigkeit behalten, dazu gehört auch der Name. Nur bei Imtech gibt es eine Ausnahme, aber der Name ist durch die Pleite auch verbrannt.

Mit Imtech hat sich Zech aber auch die wohl berühmteste Dauerbaustelle Deutschlands ins Haus geholt. 150 Leute von Imtech arbeiten dort. Zech glaubt aber nicht, dass er sich dadurch unüberwindbare Probleme eingehandelt haben könnte. Denn Imtech hat nichts mit der missratenen Entrauchungsanlage im Flughafen-Terminal zu tun, sondern lediglich mit den Kabeln der Stromversorgung. „Das ist nicht besonders kritisch, braucht aber Wissen. Genau das haben wir.“

Verwandte Themen
Deutschland

Er macht den Job nun seit 38 Jahren und fährt auch heute noch selbst mit zu den Kunden.

Foto: Handelsblatt

Wissen hat Zech sogar in der Hotelbranche. Die Gruppe betreibt eine Reihe von Hotels, hauptsächlich unter dem Namen Atlantik. Im Jahr 1989 war dem Unternehmen ein Grundstück angeboten worden, auf dem ein anderer Projektplaner ein Hotel vorgesehen, den Bau aber finanziell nicht durchgestanden hatte. Da hat Zech zugegriffen, das Hotel gebaut und sich dann entschlossen, es selbst zu betreiben. Das Haus wurde 1991 eröffnet, nach und nach kamen weitere hinzu. Kurt Zechs Lieblingshotel steht in Keitum auf Sylt. Das Fünf-Sterne-Haus Severin’s ist im Reetdachstil erbaut und hat 22, bald 28 Apartments. „Eine echte Perle“, sagt Zech.

Der 58-Jährige will sich aber noch nicht in der Perle zur Ruhe setzen. „Wir schreiten jetzt Richtung zwei Milliarden Euro Umsatz, und das möchte ich auf jeden Fall noch erreichen und erleben.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt