CDU-Generalsekretär Tauber: Facebook-Ausraster mit Folgen
Mit einer heftigen Attacke auf einen Facebook-Nutzer hat CDU-Generalsekretär Peter Tauber eine neue Debatte über den Umgang mit Netz-Kommentaren ausgelöst.
Foto: dpaBerlin. CDU-Generalsekretär Peter Tauber ist in den eigenen Reihen wegen seines Streits mit einem Dauer-Pöbler auf Facebook in die Kritik geraten. „Die Auseinandersetzung mit Pöblern hilft weder der Gesellschaft noch einem selbst weiter“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses Digitale Agenda im Bundestag, Jens Koeppen (CDU), dem Handelsblatt. Kommentare oder Meinungsäußerungen, die man selbst als „hässlich“ empfinde, müsse man aushalten.
„In den sozialen Netzwerken gibt es für den Nutzer die Möglichkeit, Kommentare zu löschen und bestimmte Verfasser zu blockieren“, sagte Koeppen weiter. „Ich beantworte lieber Sachfragen der Bürger, anstatt meine Zeit für Antworten auf blanke Provokationen zu verschwenden.“
Koeppen wandte sich auch gegen Taubers Auffassung, Hassbotschaften im Internet nicht zu löschen, sondern sich stattdessen direkt mit den Urhebern auseinanderzusetzen. Koeppen sagte dazu: „Es muss alles gelöscht werden, was kriminell oder verfassungsfeindlich ist. Zudem müssen sich die Strafverfolgungsbehörden dessen annehmen.“
Tauber hatte am Wochenende auf seiner Facebook-Seite einen Mann attackiert, der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Geisteskrankheit unterstellt hatte. „Sie sind ein Arschloch“, schrieb der CDU-Politiker in einem Kommentar und setzte noch einen Smiley hinzu. In einem weiteren Eintrag verteidigte Tauber sein Vorgehen.
Zugleich erklärte, dass es nichts bringe Hetzkommentare zu löschen oder zu verbieten. „Ich finde, wir sollten alle dieses Jahr dem Streit mit diesen Leuten nicht aus dem Weg gehen, sondern ihn annehmen“, schrieb er.
Tauber nahm den Fall zum Anlass, in einem weiteren Posting noch deutlicher auf die Probleme mit Hetzkommentaren hinzuweisen. „Auf Facebook tummeln sich so viele dumme Menschen, die andere wegen ihrer Meinung herabwürdigen, die rechtsradikalen Dreck und antisemitische Hetze verbreiten.“ Seine Votum gegen das Löschen solcher Einträge begründete er damit, dass solche Menschen „mit ihren kranken Hirnen ja leider weiter so einen Mist“ dächten.
Man müsse ihnen sagen was sie seien: Nazis, Antidemokraten und mancher von denen sei schlichtweg „ein Arschloch“. „So wie dieser Typ, dem ich das auf meiner Seite - also hier - gesagt habe.“
Der User, den Tauber attackierte, hatte bereits vor seiner Merkel-Äußerung auf Taubers und seiner eigenen Facebook-Seite wiederholt gegen muslimische Zuwanderer gehetzt. Nach Taubers „Arschloch“-Kommentar empörte sich der nach eigenen Angaben 62-Jährige in dem sozialen Netzwerk lauthals über das Werturteil. Viele Kommentatoren unterstützten ihn, teils mit ähnlichen Attacken gegen Tauber; nur in wenigen der über 3.000 geposteten Einträge erntet Tauber Verständnis für seinen emotionalen Aufschrei.
„Ich bin zwar nur CDU-Stadtverordneter in Frankfurt am Main. Trotzdem wage ich es zu bezweifeln, dass es unserer Partei gut zu Gesicht steht, Wählerinnen und Wähler mit derartigen Formulierungen zu titulieren“, schreibt etwa ein Christoph Schmitt auf Taubers Facebook-Seite. Für Facebook- Beiträge, die rechtsstaatliche Grenzen überschritten hätten, gebe es andere, souveränere Antworten. „Ich möchte nicht, dass meine Partei zu derart stillosen und letztlich auch hilflosen Formulierungen greift.“
Sven Hufschmidt outet sich ebenfalls als Christdemokrat und geht mit seinem Parteifreund ebenfalls hart ins Gericht, obwohl er seine Anmerkung „nur als Nette Kritik“ verstanden wissen will. „Herr Tauber ich finde es nicht richtig, dass Wir als CDU Mitglieder bzw. Sie als hochrangiger CDU Politiker Leute im Netz beschimpfen“, schreibt Hufschmidt. „Herr Tauber wir können das besser, wir müssen niemanden beschimpfen.“
Ein Ferdinand Junior Fritsch nannte Tauber den eigentlichen Verlierer dieser unüberlegten Aktion. „Überlegen Sie sich mal, was Sie für eine Position und für ein Amt bekleiden und die damit verbundene Verantwortung und Vorbildfunktion für viele andere Mitbürger“, schreibt Fritsch.
Eine Andrea Zara freut sich schon auf die nächsten Wahlen und fügt hinzu: „mit euch nie wieder“.
Unterstützung für Tauber kommt hingegen von einer Jutta Schaper. Sie dankt Tauber für seine „deutliche Sprache“, denn sie findet es auch „erschreckend, wie viele Dumpfbacken es offensichtlich in Deutschland gibt“.