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Laudatio auf Alexandra Schörghuber„Ein echtes tiefgreifendes Interesse“

Alexander Schörghuber ist in die Hall of Fame der Familienunternehmen aufgenommen. Hubertine Underberg-Ruder über eine Unternehmerin, die weiß, was es heißt, Krisen als Chancen zu begreifen. 18.01.2018 - 15:32 Uhr Artikel anhören

„Sie wissen um die Wichtigkeit täglich gelebter Disziplin und Belastbarkeit.“

Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt

Hall of Fame“ – „die Ruhmeshalle“ – nämlich die der Familienunternehmen. Sie, sehr geehrte Frau Schörghuber, haben zunächst gezögert und dann diese Ehrung angenommen. Darüber freuen wir uns alle heute Abend! – Sie sagten mir, das sei „Anerkennung von der ,richtigen‘ Seite“! Wieso? – Was ist denn das Besondere an dieser „Hall of Fame“? Was eint alle dort Versammelten?

Eines ist sicher die Tatsache, dass für alle das Unternehmen und seine Ausrichtung der Motor ihres Handelns ist und nicht der Ruhm. Gute fünf Minuten, um Alexandra Schörghuber zu ehren – ich werde also ein „Destillat“ erstellen – ein Destillat anhand von Zitaten. Das erste Zitat, das ich mir in unserem Telefonat zur Vorbereitung dieser Laudatio notiere, ist der Satz: „Weil ich Menschen mag.“ Und wie Sie das sagen, beeindruckt mich! Das nehme ich, das nimmt man Ihnen einfach ab!

„Krise als Chance“, Sie haben es als etwas ganz Selbstverständliches angesehen, direkt nach dem plötzlichen Tod Ihres Mannes die Verantwortung zu übernehmen. Sie haben nicht einmal zwölf Stunden später mit den Mitarbeitern gesprochen. Schon zu Lebzeiten waren Sie mit Ihrem Mann stets über das Unternehmen im Gespräch. Im „Family Office“ waren Sie zuvor schon unternehmerisch tätig. Aktivitäten wie die Lachsfarm lagen da bereits in Ihren Händen…Bei einem anderen Zitat stutze ich: „Ich wurde also nicht ins kalte Wasser geworfen.“ Mir schießt die Frage durch den Kopf… „Was empfindet Frau Schörghuber denn schon als warm? 15 Grad Celsius?“

Alexandra Schörghuber

Über Nacht zur Firmen-Chefin

Wie auch immer – dank Ihrer Ausbildung in der Gastronomie wissen Sie um die Wichtigkeit täglich gelebter Disziplin und Belastbarkeit. Eigenschaften, die Sie wie auch Urteilskraft und Entscheidungsfreude ohnehin besitzen.

Hierher gehören Aussagen von Ihnen wie: „Ich bin – Gott sei Dank – kein ängstlicher Mensch“ oder „Ich traue mich aber auch, wenn ich etwas nicht verstehe, den Männern zu sagen: Erklären Sie mir das einmal“.
Sie erwarten Transparenz und Offenheit, Sie möchten ungefilterte Informationen. Umgekehrt sind Sie auch bereit, Transparenz und Offenheit zu leben. So wurde auf Ihre Initiative hin 2011 erstmalig in der über 60-jährigen Firmengeschichte der Geschäftsbericht publiziert.

Ihr Unternehmen wurde von Ihrem Schwiegervater in so unterschiedlichen Feldern wie Bau, Hotel und Bier aufgebaut. Fest steht, dass Ihr Schwiegervater für jedes seiner Geschäftsfelder ein echtes, tiefgreifendes Interesse hatte – genau wie Sie, sehr geehrte Frau Schörghuber, schon von Beginn an für die Lachse.

Das ist auffallend – Interesse! Das echte Interesse des Eigentümers – welche Rolle spielt es in unseren Vorstellungen von Wirtschaft? Taugt es als Strategiekriterium, oder ist es sogar Vorbedingung? Ihr Unternehmen lässt mich jedenfalls dafür plädieren, dass ein solches, nachhaltiges – durchaus auch breiter gefächertes – Interesse ein Kriterium sein kann und soll.

Wenn man verstehen will, wer und was sich alles hinter dem Namen Schörghuber verbirgt, lohnt ein Blick zurück. Zurück zur Gründung des Familienunternehmens und zu dessen Ausbau durch Josef Schörghuber, zu der nach 1995 von Sohn Stefan Schörghuber geprägten Periode der Strukturierung und der Internationalisierung des Unternehmensverbundes, bis hin zum Wirken Alexandra Schörghubers seit 2008. Meilensteine des Bau- und Brauimperiums...

Foto: PR Schörghuber

Nach einer Lehre in der Schreinerei seines Vaters in Mitterham bei Mühldorf zieht Josef Schörghuber 1937 im Alter von 17 Jahren nach München. Zunächst arbeitet er in einer Zimmerei, später beginnt er ein Studium als Bauingenieur. Doch Kriegsdienst und Gefangenschaft verzögern seinen Abschluss. Mit dem Diplom in der Tasche baut Schörghuber sein erstes Wohnhaus in München mit 27 Einheiten.

Foto: PR Schörghuber

1954 gründet Josef Schörghuber in München die Bayerische Hausbau. Mit der Bauträgergesellschaft legt der Bauingenieur und Zimmermann den Grundstein für die Unternehmensgruppe. Vier Jahre später, 1958, entdeckt der passionierte Hobbyflieger aus dem Flugzeug heraus eine große unbebaute Fläche im Nordosten Münchens, das Areal des heutigen Arabellaparks.

Foto: PR Schörghuber

Grundsteinlegung für das bis heute bedeutendste Projekt der Bayerischen Hausbau, den Arabellapark, ist 1965. Schörghuber will eine „Stadt in der Stadt“ schaffen, in der Wohnen, Leben und Arbeiten vereint sind. Vorbild dafür sind am Reißbrett entworfene Städte, die er auf Reisen in Amerika kennengelernt hat.

Foto: PR Schörghuber

Der Arabellapark entwickelt sich zu einem lebendigen Quartier, in dem heute einige bekannte Unternehmen residieren, darunter die Hypo-Vereinsbank, Burda, der Agrarkonzern Baywa sowie natürlich die Schörghuber-Gruppe selbst. Etwa 10.000 Münchener wohnen heute im Arabellapark, darüber hinaus beschäftigen die Firmen auf dem 40 Hektar großen Areal 18.000 Menschen.

Foto: PR Schörghuber

Der Unternehmer engagiert sich zunächst im Linienflug-Geschäft mit einer Beteiligung an der Bavaria Fluggesellschaft, zwei Jahre später kauft er den Charterflieger Germanair.

Foto: PR Schörghuber

Das sogenannte Arabellahaus im Arabellapark eröffnet im Jahr 1969, darin auch das erste Hotel von Schörghuber. Das Hochhaus mit seinen 23 Stockwerken ist bis heute eines der markantesten modernen Gebäude in München. Es beherbergt neben mehreren Hundert Wohnungen das „Sheraton München Arabellapark Hotel“ sowie Büros und Arztpraxen. Unternehmer Schörghuber findet schnell Gefallen an der Gastronomie und besitzt drei Jahre später bereits fünf Hotels in München und dem Umland.

Foto: PR Schörghuber

Heute gehört zu Schörghuber im Arabellapark auch das „Westin Grand Munich“. Gemeinsam bezeichnen sich die beiden gegenüberliegenden Häuser als größtes Tagungshotel Süddeutschlands.

Foto: PR Schörghuber

Die Hotelsparte kommt heute in Deutschland, der Schweiz und auf Mallorca auf mehr als 3.700 Zimmer und über eine Million Übernachtungen pro Jahr. Spektakulärster Neuzugang in jüngster Zeit ist das „Westin Hamburg“ in der Elbphilharmonie.

Foto: PR Schörghuber

1978 übernimmt das Unternehmen die beiden Fertighausfirmen Knödler in Maulbronn und Hansa in Travemünde. 1979 erwirbt Josef Schörghuber die Münchener Brauereien Hacker-Pschorr und Paulaner mit den dazugehörigen Immobilien. Es ist der Einstieg in die Getränkewirtschaft.

Foto: PR Schörghuber

1984 tritt Stefan Schörghuber in die Unternehmensgruppe seines Vaters ein. Er beginnt bei den Arabella-Hotels und wird 1985 Geschäftsführer dieser Dachgesellschaft für die Schörghuber-Hotels. Er gehört damit zur Führungsriege der Firma. Im Jahr 1990 rückt Stefan Schörghuber in den Vorstand der neu gebildeten Holding auf und übernimmt das Ressort Hotel, Freizeit und Tourismus.

Foto: PR Schörghuber

Am 18. Mai 1995 stirbt Josef Schörghuber. Der Unternehmer hat überall in der bayerischen Landeshauptstadt Spuren hinterlassen, in Gewerbegebieten wie dem Zamilapark ebenso wie auf dem ehemaligen Brauereigelände des Staatlichen Hofbräuhauses an der Inneren Wiener Straße oder des früheren Bürgerbräukellers an der Rosenheimer Straße. Stets war Schörghuber bemüht, eine Mischung aus Büros, Wohnungen und Läden zu schaffen. Schörghuber war eng befreundet mit dem langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß.

Foto: PR Schörghuber

Stefan Schörghuber, damals lediglich 34 Jahre alt, führt fortan die zum Konzern gewachsene Unternehmensgruppe. Er ordnet die Gruppe neu in die Bereiche Hotel, Flugzeugleasing, Getränke sowie Bauen und Immobilien. Verheiratet ist er mit Alexandra Schörghuber.

Foto: PR Schörghuber

2001 holt Schörghuber den niederländischen Braukonzern Heineken als Gesellschafter seiner Getränkesparte an Bord. Der neue Name: Brau Holding International.

Foto: Reuters

Im selben Jahr erwirbt Alexandra Schörghuber Anteile an der Lachszucht Productos del Mar Ventisqueros in Chile.

Foto: PR Schörghuber

Im Jahr 2010 übernimmt die Familie das gesamte Unternehmen.

Foto: Handelsblatt

2005 werden die Unternehmensbereiche Bauen und Immobilien in der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe gebündelt. Außerdem kommen die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei, Donaueschingen, und die Privatbrauerei Hoepfner, Karlsruhe, dazu.

Foto: dpa

Am 25. November 2008 verstirbt Stefan Schörghuber völlig unerwartet im Alter von 47 Jahren. Seine Frau Alexandra Schörghuber rückt an die Spitze des Stiftungsrates. Klaus Naeve übernimmt die Konzernführung.

Foto: PR Schörghuber

Seit dem Tod ihres Mannes 2008 garantiert Alexandra Schörghuber für den Zusammenhalt der Unternehmensgruppe. Sie bringt langjährige Erfahrung aus zahlreichen Aufsichtsrats- und Managementaufgaben mit, die sie im Privatbereich der Familie erfüllt, zu dem unter anderem die Bavaria Parkgaragen, Lift- und Seilbahnbetriebe im bayerischen Oberland, Hotels sowie die Lachszucht in Chile gehören.

Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt

Die Gruppe trennt sich vom Unternehmensbereich Flugzeugleasing. Mit zuletzt 27 Jets war die Sparte im internationalen Wettbewerb zu klein. Am 1. Oktober wird der Unternehmensbereich Bauen und Immobilien unter einem neuen Markendach gebündelt.

Foto: PR Schörghuber

Aus der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe wird ebenfalls 2010 die Bayerische Hausbau. Das Unternehmen besitzt heute Immobilien im Wert von 2,5 Milliarden Euro. Schwerpunkt des Wohnungsbaus ist München. Gewerbeimmobilien entwickelt die Firma mit ihren 200 Mitarbeitern in ganz Deutschland.

Foto: PR Schörghuber

Die bislang außerhalb des Konzernverbunds geführte Lachszucht der Familie wird eingegliedert. Productos del Mar Ventisqueros wird zum neuen, vierten Unternehmensbereich Seafood. Die Chilenen verkaufen ihren Fisch vor allem in Japan, Russland, den USA und Brasilien. Wenn alles gut läuft, vermarktet die Firma pro Jahr 40.000 Tonnen Fisch.

Foto: dpa

Paulaner wird es 2011 in der Münchener Innenstadt zu eng und Schörghuber entscheidet sich für den Bau einer neuen Braustätte im Westen der Stadt. Am alten Sitz in der Au entstehen Wohnungen für 3500 Menschen.

Foto: Thorsten Jochim für handelsblatt

Am 22. Februar 2013 zieht Fußballfan Alexandra Schörghuber in den Verwaltungsbeirat des FC Bayern München e.V. ein.

Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt

2015 geht die neue, 300 Millionen Euro teure Paulaner-Brauerei im Münchener Stadtteil Langwied in Betrieb.

Foto: imago/Ralph Peters

Die Brau Holding International wird 2017 umbenannt in Paulaner Brauerei Gruppe. 70 Prozent der Anteile gehören nun Schörghuber, 30 Prozent hält Heineken. Die neu formierte Gesellschaft zählt 2.300 Mitarbeiter und kommt auf einen Umsatz von mehr 600 Millionen Euro. Die Marken: Paulaner, Hacker-Pschorr, Auerbräu, Weißbierbrauerei Hopf, Fürstlich Fürstenbergische Brauerei, Privatbrauerei Hoepfner, Privat-Brauerei Schmucker, Thurn und Taxis, Riegeler sowie die Kulmbacher. In zehn Braustätten entstehen rund 200 verschiedene Sorten, die in 80 Länder geliefert werden.

Foto: Brauholding

Kehren wir zurück zu Ihrer Person, zu Ihren individuellen „Erfolgszutaten“. Da ist Ihre Tatkraft, „drei, vier Quertreiber …, die Politik gegen das Unternehmen als Ganzes gemacht haben“, herauszunehmen, und das zügig zu tun – erst dann gelingt der Neustart. Sie wissen: „Wichtig ist – das Umfeld zieht mit!“ Das Umfeld, das sind die Mitarbeiter und natürlich die Familie, „die immer schnell zur Stelle ist“. So auch heute Abend! Wunderbar!

„Das Vermögen dient dazu, meinen Mitarbeitern und mir unternehmerische Spielräume zu eröffnen.“ Diese, Ihre Überzeugung teilt man in der Hall of Fame der Familienunternehmen. Ebenso wie Dankbarkeit über die glückliche Hand und das Erreichte.

Dr. Hubertine Underberg-Ruder ist Präsidentin des Verwaltungsrats der Underberg AG.

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