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IndustriekonzernThyssen-Krupp-Chef Hiesinger kündigt Rücktritt an

Nur wenige Tage nach der Fusion des Stahlgeschäfts mit Tata bittet Hiesinger um eine Vertragsauflösung. Offenbar vermisst er die Rückendeckung aus dem Aufsichtsrat.Martin Murphy 05.07.2018 - 20:52 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Berlin.

Bei Thyssen-Krupp steht ein überraschender Führungswechsel bevor: Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat wenige Tage nach der Stahlfusion mit Tata überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Er habe nach sieben Jahren an der Spitze von Thyssen-Krupp um die Aufhebung seines Vertrags gebeten, teilte der Industriekonzern am Donnerstag mit.

Aufsichtsratschef Ulrich Lehner zollte Hiesinger in einer Stellungnahme ungewöhnlich deutlich seinen Respekt: „Ohne Heinrich Hiesinger würde es Thyssen-Krupp nicht mehr geben“.

Hiesinger hatte im Januar 2011 den Chefposten bei Thyssen-Krupp übernommen. Gleich zu Beginn musste er mit einem Rettungsplan eine drohende Insolvenz des Traditionskonzerns abwenden, der sich mit dem Bau neuer Stahlwerke in Brasilien und den USA finanziell verhoben hatte.

Seitdem hat sich das Unternehmen weitgehend von seinem zyklischen Stahlgeschäft getrennt und auf die Technologiesparten Aufzüge, Anlagenbau und Komponenten konzentriert. Als letzten Baustein hatte der Aufsichtsrat am vergangenen Freitag der Fusion des europäischen Stahlgeschäfts mit Tata Steel zugestimmt.

Um diesen war allerdings hart gekämpft worden. So bemängelte zunächst der aktivistische Investor Elliott, dass Thyssen-Krupp seine Sparte zu billig abgeben würde. Kritik kam auch von dem Finanzinvestor Cevian, der zweitgrößter Aktionär ist und mit Jens Tischendorf im Aufsichtsrat vertreten ist. Bei der entscheidenden Sitzung votierte Tischendorf gegen die Stahlfusion. Mit Rene Obermann und Carola von Schmettow verweigerten zwei weitere Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat ihre Zustimmung, wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Gremiums erfahren hatte.

Hiesinger schreibt Brief an die Mitarbeiter

Hiesinger hatte im Anschluss an die Sitzung zwar erklärt, dass er den Aufsichtsrat bei dem Deal hinter sich wähnt. In einem Brief an die Mitarbeiter deutetet der Top-Manager als Motiv für seine Entscheidung allerdings an, dass er die Rückendeckung aus dem Aufsichtsrat vermisst hat.

„Die breite Unterstützung der Aktionäre und im Aufsichtsrat war Grundlage für den Erfolg der strategischen Weiterentwicklung von Thyssen-Krupp“, heißt es in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. Um das Unternehmen erfolgreich führen zu können, sei ein gemeinsames Verständnis von Vorstand, Aufsichtsrat und wesentlichen Aktionären wichtig für ihn.

Da ihn die Ablehnung von Cevian nicht überrascht haben kann, dürfte der Satz auf die Krupp-Stiftung zielen. Die bis vor wenigen Jahren von Berthold Beitz geleitete Institution war unter dessen Führung ein wichtiger Impulsgeber für das Unternehmen.

Nachdem Ursula Gather nach dem Tod von Beitz den Vorsitz übernommen hatte, hat sich die Stiftung stark zurückgenommen. Selbst auf Anfrage hatte sich Gather in den vergangenen Monaten nicht hinter den Vorstandschef stellen wollen.

Dabei war der Druck auf Hiesinger immer größer geworden. Vor allem Cevian sprach sich für einen drastischen Umbau des Konzerns aus. „Maßgabe für die Restrukturierung des Portfolios muss die industrielle Logik sein – und nicht Tabus, geschichtliche Entwicklung, Emotionen oder persönliche Ambitionen“, hatte Cevian-Gründer Lars Förberg noch am vergangenen Wochenende erklärt.

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Damit war deutlich geworden, dass Hiesinger unter Feuer bleiben würde. Für ihn muss das frustrierend gewesen sein. Denn mit der Stahlfusion hatte er sich von den zyklischen Bereichen getrennt, für ihn stand nun eine Nachschärfung der Strategie an. Geplant war unter anderem eine Abgabe des Handelsgeschäfts und womöglich auch der Werftensparte. In der kommenden Woche sollte der Aufsichtsrat über die Vorschläge des Vorstandes beraten.

Absehbar war, dass es da wie schon beim Stahldeal zu einer Konfrontation gekommen wäre. Die geplanten Maßnahmen wären Cevian-Vertreter Tischendorf nicht weit genug gegangen. Absehbar war auch, dass die Krupp-Stiftung untätig geblieben wäre.

Hiesinger ist ein bedächtiger Manager, ein Schnellschuss ist sein Rückzug von der Konzernspitze nicht. In seinem Mitarbeiterbrief erklärte er, ihm sei die Entscheidung nicht leicht gefallen. „Ich gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion über die weitere Entwicklung von Thyssenkrupp in der Zukunft zu ermöglichen.“ Offen ist nun, wie diese aussehen wird. Am Freitag will der Aufsichtsrat über die Nachfolge des Konzernchefs beraten.

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