Auftritt in Südafrika: Ex-Steinhoff-Chef Jooste zeigt nach Bilanzskandal keine Reue
Unter Eid machte der Ex-Steinhoff-Chef über Stunden seine Aussagen im südafrikanischen Parlament.
Foto: ReutersDüsseldorf. Acht Monate lang herrschte Rätselraten über seinen Verbleib. Mal wähnte man ihn in Argentinien, mal wurde er in Kapstadt gesichtet. Am Mittwoch endlich erschien Markus Jooste, 57, vor einem Untersuchungsausschuss des südafrikanischen Parlaments. Perfekt gebundene, leicht gemusterte Krawatte, gut geschnittener Anzug, unauffällige Brille.
Er war wohl die eleganteste Erscheinung im Saal in Kapstadt. Ganz Geschäftsmann, als wenn nichts gewesen wäre. Und so sprach er auch. Unter Eid machte der Ex-Chef des ins Wanken geratenen Steinhoff-Konzerns über Stunden seine Aussagen.
Kern aller Statements: An der Schieflage des deutsch-südafrikanischen Möbelgiganten sind andere schuld. Den Bilanzskandal, der Ende 2017 zutage trat, schob Jooste den Wirtschaftsprüfern und einem Ex-Geschäftspartner unter. „Als ich Steinhoff am 5. Dezember 2017 verließ, war ich mir keiner Unregelmäßigkeit bewusst“, betonte Jooste mit breitem burischen Akzent.
Anfang Dezember vorigen Jahres war die Steinhoff-Aktie ins Bodenlose gestürzt, als die Wirtschaftsprüfer von Deloitte die Steinhoff-Zahlen nicht mehr testieren wollten. Den Stein ins Rollen hatte eine Anzeige bei der Wirtschaftskammer in Amsterdam gebracht. Steinhoff habe die Bilanzen aufgebläht und sich unberechtigte Umsätze zugeschrieben.
Steinhoff ist aus Steuergründen in Amsterdam registriert, die Aktie notiert in Frankfurt, Firmensitz ist in Südafrika. Der Möbelriese mit weltweit 120.000 Mitarbeitern, einem Umsatz von schätzungsweise 14 Milliarden Euro und Tochterfirmen in Europa, Südafrika und den USA, war bis dahin rasant gewachsen.
Mit immer neuen Übernahmen hatte Steinhoff unter Jooste die Finanzwelt beeindruckt, beschaffte sich immer wieder frisches Kapital – über einen Börsengang in Frankfurt Ende 2015, Anleihen oder Milliardenkredite von den Banken.
Wie es zum Absturz der Aktie kam, dazu hatte Jooste am Mittwoch seine eigenen Version: Bereits seit 2015 ermittelte die Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten, zwei Jahre lang habe er sich „in 90 Prozent seiner Zeit“ mit deren Fragen auseinandergesetzt.
Dann hätte die von Steinhoff beauftragte Prüfgesellschaft Deloitte auch noch eine neue Untersuchung gefordert, um das Zahlenwerk absegnen zu können. „Da hatte ich genug“, sagte Jooste. Zuvor habe er noch vorgeschlagen, andere Wirtschaftsprüfer zu wählen, „und mit deren Hilfe bis Januar testierte Zahlen zu veröffentlichen“.
Der eigentliche Bösewicht aber war laut Jooste sein früherer Geschäftspartner Andreas Seifert. Mit dem Inhaber der österreichischen Möbelkette XXXLutz wollte Jooste ab 2007 gemeinsam Europas Möbelmarkt erobern. Es kam zum Bruch, angeblich weil Seifert seinen Teil bei gemeinsamen Akquisitionen nicht bezahlen wollte.
Danach strengte Seifert mehrere Verfahren gegen Steinhoff an. Seifert äußerte sich noch am Mittwoch gegenüber dem Handelsblatt, dass Jooste Fakten verdrehe. Er, Seifert, sei kein Geld schuldig geblieben, sondern habe umgekehrt auf Zahlung geklagt.
Auch bei den Parlamentariern kam die Selbstgefälligkeit Joostes nicht gut an. Ein Ausschussmitglied beschwerte sich: „Sie klingen, als seien Sie die Mutter Teresa von Steinhoff gewesen. Sie zeigen nicht den kleinsten Funken Reue.“