Drohender Kollaps: Fließen die Hilfsgelder für Pakistan am Ende nach China?
Der ehemalige Cricket-Star und jetziger pakistanischer Ministerpräsident steht mit seinem Land vor der Zahlungsunfähigkeit.
Foto: ReutersBangkok. Als pakistanischer Cricket-Star wurde er zum Millionär, als Premierminister geht ihm nun das Geld aus: Imran Khan sucht seit seinem Amtsantritt vor zwei Monaten nach einer Lösung für die heftigen finanziellen Turbulenzen seines Landes.
Nach langem Zögern entscheidet er sich nun doch für die Option, die er eigentlich vermeiden wollte: Khan will beim Internationalen Währungsfonds (IWF) um ein milliardenschweres Hilfspaket bitten, das sein Land vor dem drohenden Kollaps bewahren soll. Doch die Verhandlungen dürften vor allem wegen Pakistans Vereinbarungen mit China schwierig werden.
Die Regierung in Peking hat in Pakistan als Teil ihrer Seidenstraßeninitiative Infrastrukturprojekte im Wert von 60 Milliarden Dollar angeschoben. Maschinen und Material dafür muss Pakistan aus China ins Land holen. Auch deshalb stieg das Leistungsbilanzdefizit zuletzt um mehr als 40 Prozent auf rund 18 Milliarden Dollar an.
Gleichzeitig sanken die Devisenreserven auf rund acht Milliarden Dollar – das entspricht lediglich dem Wert der Importe zweier Monate. Bei mindestens acht Milliarden Dollar liegt auch der von Finanzminister Asad Umar genannte Finanzbedarf Pakistans. Experten rechnen damit, dass er sich beim IWF womöglich gar zwölf Milliarden leihen muss.
Die erwarteten Auflagen des IWF werden nicht nur Khans Pläne für neue Sozialleistungen durchkreuzen. Sie könnten auch zu einem Konflikt um Chinas Rolle in dem Land führen. US-Außenminister Mike Pompeo hatte bereits vor Wochen gefordert, dass Hilfsgelder des IWF nicht dafür verwendet werden dürften, um die pakistanischen Schulden in China zu tilgen.
Bei der IWF-Jahrestagung, die gerade auf der indonesischen Insel Bali stattfindet, äußerte sich auch IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld kritisch über Chinas Engagement in Pakistan. Der Ausbau der Infrastruktur sei zwar positiv, komme aber mit Risiken: „Es ist wichtig, exzessive Schulden zu vermeiden.“
USA werfen China vor, Länder in die Abhängigkeit zu treiben
Die USA werfen China vor, Länder in eine Schuldenfalle zu treiben, um die Abhängigkeiten später auszunutzen. Im Fall von Pakistan sind die genauen Finanzverflechtungen noch unklar. Der IWF werde nun mehr Transparenz einfordern, erwartet Gareth Leather, Ökonom beim Analysehaus Capital Economics. Er ist überzeugt: „Das wird China nicht gefallen.“
In den ersten Wochen seiner Amtszeit versuchte Khan bereits die teuren Vorhaben, auf die sich sein Vorgänger mit China geeinigt hatte, zumindest ein wenig zu verschlanken. Sein Eisenbahnminister Sheikh Rasheed kündigte Anfang Oktober an, die Ausgaben für ein von China finanziertes Schienenprojekt von ursprünglich mehr als acht Milliarden Dollar auf nun rund sechs Milliarden Dollar zu reduzieren. „Pakistan ist ein armes Land und kann sich die große Last durch die Kredite nicht leisten“, sagte er auf einer Pressekonferenz.
IWF-Chefökonom Obstfeld glaubt an weitere Einschnitte: Die Regierung habe ihren Willen zu tiefen Strukturreformen ausgedrückt, um den Kreislauf zu durchbrechen, dass immer wieder neue Hilfspakete nötig werden.
Denn der Hilfskredit, den die Regierung in Islamabad nun beantragen könnte, wäre zwar womöglich der bisher größte, aber nicht der erste: In den vergangenen Jahrzehnten hat Pakistan bereits ein Dutzend Hilfsprogramme des IWF durchlaufen. Ein offizielles Ansuchen für ein 13. Paket hat Pakistan zwar noch nicht gestellt. Die Beratungen darüber sollen laut Finanzminister Umar aber noch diese Woche auf Bali starten.
Pakistans Aktienmarkt, der angesichts der finanziellen Unsicherheiten in den vergangenen Wochen erhebliche Verluste erlitt hat, legte am Dienstag mit Blick auf mögliche IWF-Hilfen zeitweise um drei Prozent zu. Die Zentralbank ließ unterdessen die Landeswährung Rupie weiter abwerten – Marktbeobachter sahen darin ein Entgegenkommen gegenüber dem IWF.
Dieser hatte wiederholt betont, die Währung für überbewertet zu halten. Seit Ende vergangenen Jahres verlor sie nun um 26 Prozent an Wert. Regierungspolitiker räumten ein, dass diese Entwicklung für das gesamte Land schmerzhaft ist. Sie würde aber dazu führen, dass es dem Land mittelfristig wieder besser gehe.