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KommentarDie Deutsche Post setzt auf eine fragwürdige Strategie

Vorstandschef Frank Appel setzt auf den Bau von Immobilien. Damit kann er kurzfristig Gewinne maximieren – aber langfristig taugt diese Idee wenig.Christoph Schlautmann 24.02.2020 - 07:05 Uhr

Die Aktie der Post gewann nach Bekanntgabe der Zahlen zunächst mehr als drei Prozent.

Foto: dpa

Düsseldorf. Mit vielem hatte man bei der Deutschen Post in den kommenden Monaten gerechnet – schließlich gilt es, die hochgesteckten Ertragsziele für die Zeit bis 2022 in eine greifbarere Nähe zu rücken. Doch mit einem nicht: dass Post-Chef Frank Appel jetzt den Bau von Immobilien zu einem Tätigkeitsbereich seines Konzerns bestimmt. Dies weckt schlechte Erinnerungen. Soll noch einmal ein Ausflug auf weitgehend unbekanntes Terrain gewagt werden?

Den Abenteuerspielplatz des gelben Riesen wähnten die Aktionäre des Dax-Konzerns seit dem Rauswurf von Brief- und Paketvorstand Jürgen Gerdes eigentlich als geschlossen. Ein Aufatmen ging damals durch die Reihen der Anteilseigner, als nicht nur der Rendite zehrende Post-Bus seinen Dienst einstellte, sondern gleich ein ganzes Sammelsurium an Experimental-Geschäftsfeldern einem Bonner Streichkonzert zum Opfer fiel.

So machte der Konzern seinen Urlaubsveranstalter „Post Reisen“ nur drei Jahre nach dem Start wieder dicht. Vor einem Jahr trennten sich die Postler von ihrem verschlüsselten SMS-Dienst („Sims me“), zum Jahreswechsel stellten sie den rein elektronischen E-Postbrief ein, der sich zehn Jahre lang als Zuschussgeschäft erwiesen hatte. Und auch die von Gerdes als „beste Erfindung seit der Briefmarke“ gepriesenen Paketkästen für private Häuser werden inzwischen wieder abgeschafft.

Geblieben ist von all den fragwürdigen Ausflügen nahezu nur noch die Produktion des „Streetscooters“, eines Elektrolieferwagens, der nach den zuletzt verfügbaren Konzernzahlen einen Verlust von 70 Millionen Euro einfuhr. Doch auch dafür wird ein Käufer gesucht. Nun also ein Abzweig in die Immobilienwirtschaft?

Für die kurzfristige Gewinnmaximierung scheint dies sogar eine gute Idee zu sein. Statt hohe Mieten an die Erbauer von Brief- und Paketstationen zu entrichten, die das Betriebsergebnis drücken, werden nun in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung lediglich Abschreibungen in übersichtlicher Höhe fällig. Wer ein neues Gebäude errichtet und anschließend vermietet, kann dieses linear über 50 Jahre abschreiben. So belasten das Jahresergebnis lediglich zwei Prozent der Herstellungskosten.

Langfristig aber besitzt das Modell deutliche Schattenseiten. Dass der Deutschen Post Fachleute fehlen, die für die Planung und Ausführung solcher Bauarbeiten genügend Erfahrung besitzen, ist nur eine davon. Noch gravierender dürfte sich auswirken, dass die Post auch dann noch an die Stationen gebunden ist, wenn sie in einigen Jahren für einen womöglich veränderten Geschäftsbetrieb nicht mehr taugen. Konzernchef Appel wird dies kaum stören. Sein Vertrag läuft nur noch bis Oktober 2021. Ob er noch einmal verlängert, ist bislang offen.

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