US-Wahlkampf: Hurrikan, Blackout, West-Nil-Virus, Schweinegrippe – Bloomberg wirbt für sich als Krisenmanager
Charismatische Auftritte sind nicht seine Stärke.
Foto: BRITTAINY NEWMAN/The New York TiNew York. Der Selfmademilliardär Bloomberg erwähnt den amtierenden Präsidenten nicht namentlich. Aber er sagt, dass die Menschen jemanden mit Erfahrung wollen. Jemanden, der wie er in seinen Jahren als New Yorker Bürgermeister zwischen 2001 und 2013 mit „einem Hurrikan, einem Blackout, mit versuchten Terrorattacken, dem West-Nil-Virus und der Schweinegrippe“ fertig wurde.
Drei Minuten dauert dieser aufwendige Werbespot, mit dem sich Bloomberg für den wichtigsten Tag der Demokraten-Vorwahlen als Krisenmanager positionieren will: den „Super Tuesday“. An diesem Dienstag wird in 14 Bundesstaaten darüber abgestimmt, wer als Präsidentschaftskandidat gegen Amtsinhaber Donald Trump antreten soll.
Seit Sonntag läuft Bloombergs Ansprache auf allen Kanälen – im Fernsehen und in den sozialen Medien. Mehr als 400 Millionen Dollar soll Bloomberg bisher nur für Fernsehwerbung ausgegeben haben, schätzt das Projekt „Five Thirty Eight“, das die Spots verfolgt. Die Onlinewerbung kommt da noch hinzu.
Zum Vergleich: Die Wettbewerber Bernie Sanders und Joe Biden kommen bei TV-Werbung auf 23 beziehungsweise fünf Millionen Dollar. Geld spielt für Bloomberg, Gründer des nach ihm benannten Finanz- und Informationsdienstes, eben keine Rolle. Sein Vermögen: geschätzt 64 Milliarden Dollar.
Trotz der massiven Werbung schneidet Bloomberg bisher in Umfragen nicht sonderlich gut ab. Auch in den zwei TV-Debatten, an denen er teilgenommen hat, kam der Unternehmer nicht gut rüber. Oft hatten Zuschauer das Gefühl, die bessere Antwort wäre jene gewesen, die er in seinen Werbespots zeigt.
Seine Filme sind zwar hochprofessionell gemacht. Doch im wahren Leben wirkt Bloomberg hölzern, arrogant, weltfremd. „Wir haben zwei Labradore zu Hause“, erzählte er vor ein paar Tagen im US-Bundesstaat Arkansas. „Der eine ist wirklich ein Labrador, bei dem anderen bin ich mir nicht ganz so sicher.“ Es sollte ein Scherz sein, doch er kam nicht an.
„Ich bin kein Angeber“
Bloomberg weiß, dass charismatische Auftritte und inspirierende Reden nicht seine Stärke sind. Bernie Sanders und Elizabeth Warren laufen bei ihren Auftritten regelmäßig zur Höchstform auf, werden emotional, kämpfen mit Herz. Bloomberg hält seine Reden stets vom Pult aus. „Ich bin kein Angeber“, rechtfertigte er sich im „Wall Street Journal“. „Die Leute in New York wissen das, aber sie würden Ihnen auch sagen, dass sie froh sind, dass ich kandidiere.“
Bloomberg steht neben Biden und Amy Klobuchar als moderate Alternative zu Sanders und Warren auf dem Wahlzettel. Fans hat er an der Wall Street, wo er gut verdrahtet ist. Der frühere Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein zählt zu Bloombergs Freunden.
In einem Interview mit der „Financial Times“ brachte Blankfein zum Ausdruck, was viele an der Wall Street denken: „Es würde mir schwerer fallen, für Bernie Sanders zu stimmen als für Donald Trump.“ Sanders will schließlich eine gesetzliche Krankenversicherung und eine Reichensteuer einführen sowie Studiengebühren abschaffen – was für die Märkte mit erheblichen Turbulenzen verbunden wäre.
„Er ist einer von uns. Schade, dass er keine Wahlkampfspenden annimmt, sonst hätten wir längst Events für ihn organisiert“, sagt ein Investmentbanker, der anonym bleiben will. Bloombergs Plan, die Finanzwelt stärker zu regulieren, „ist reine Wahlkampfrhetorik. Das hat hier keiner ernst genommen.“