Dax aktuell: Der Dax schließt leicht im Plus – Anleger bleiben pessimistisch
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Der deutsche Leitindex beendet einen volatilen Börsentag 0,27 Prozent im Plus und geht mit 9570 Punkten aus dem Handel. Nach einem freundlichen Handelsanfang war der Dax am Mittag zunächst abgesackt und lag zeitweise rund zwei Prozent im Minus.
Grund für das zwischenzeitliche Tief waren schwache US-Konjunkturdaten. Denn in der Coronavirus-Krise schnellten die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA auf historische Höchstwerte. In der vergangenen Woche stellten 6,65 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte.
Diese Zahlen hatten Einfluss auf deutschen und den US-amerikanischen Aktienmarkt. Der Leitindex Dow Jones gab zum Handelsstart 0,1 Prozent nach. Später erholte sich die US-Märkte allerdings, der Dow Jones lag in der Spitze 2,45 Prozent im Plus. Grund dafür war das Eingreifen von US-Präsident Donald Trump in den Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland.
Am Donnerstagnachmittag twitterte der US-Präsident: „Ich habe gerade mit meinem Freund MBS (Kronprinz) von Saudi-Arabien gesprochen, der mit Präsident Putin von Russland gesprochen hat und ich erwarte und hoffe, dass sie etwa 10 Millionen Barrel zurückschrauben werden.“ Er ergänzte in einem zweiten Tweet: „Es könnten bis zu 15 Millionen Barrel sein.“
Trump dürfte die zehn bis 15 Millionen Barrel auf die tägliche Produktion der beiden Staaten bezogen haben. Das wäre eine Fünffaches der Förderkürzungen, über die sich Saudi-Arabien und Russland seit Anfang März streiten. Der Ölpreis sprang daraufhin in der Spitze um mehr als 30 Prozent in die Höhe. Doch später sanken die Ölpreise wieder leicht ab, da Kremlsprecher Dmitri Peskow Trump umgehend widersprach.
Viele Unternehmen ändern ihre Prognosen
Trotz der heutigen Bodenbildung bleibt der Aktienmarkt weiter belastet. Die Wirtschaftsentwicklung trübt sich ein, immer mehr Unternehmen rücken von ihren bisherigen Prognosen ab. Meldungen über Kurzarbeit nehmen indes kontinuierlich zu.
Seit Jahresbeginn gab es bei den 160 Unternehmen, die in den Indizes Dax, MDax und SDax notiert sind, bereits 59 Prognoseänderungen, wie der Dienstleister für Finanzkommunikation EQS in München gezählt hat.
Ob die einzelnen Änderungen der Ausblicke durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurden, erhob das Unternehmen nicht. Dass mit 51 der allergrößte Teil in der Zeit nach dem 16. Februar erfolgte, als die Krise Fahrt aufnahm, legt allerdings einen Zusammenhang nahe.
Der Anlegerstimmung zufolge hat sich die Situation am deutschen Aktienmarkt wieder etwas entschärft. Die Auswertung der Umfrage der Börse Frankfurt zeigt: Hiesige Anleger mit mittelfristigem Anlagehorizont setzen mittlerweile verstärkt auf fallende Kurse, vermutlich wegen einiger „furchteinflößender“ konjunktureller Vorhersagen.
Laut Sentimentanalyse ist solch ein Verhalten ein Kontraindikator. Denn nach Meinung des Verhaltensökonom Joachim Goldberg, der die Umfrage auswertet, haben solch schlechte Prognosen den Vorteil, dass sie kaum noch von der Realität unterboten werden können. Zudem erkennen Anleger mittlerweile, dass die ökonomischen Folgen der Coronakrise beträchtlich ausfallen werden.
Er wertet die gesamte Entwicklung als positiv, weil Anleger vermutlich auf deutlich niedrigerem Niveau wieder kaufen würden.
Spekulation auf fallende Kurse noch bei vier Werten
In der vergangenen Handelswoche hatten die Hedgefonds noch mit ihren Spekulationen mit dazu beigetragen, dass es am deutschen Aktienmarkt zu einer Zwischenerholung kam (Lesen Sie: Wie eine Milliardenwette von Ray Dalio für Gewinne im Dax sorgte).
Und wie verhalten sich die Hedgefonds derzeit? Bridgewater, der Hedgefonds von Dalio, hat seine Spekulationen auf fallende Kurse bei zwölf Dax-Werten aufgelöst. Oder genauer gesagt: Die Quote ist bei allen zwölf Titeln unter die meldepflichtige Grenze von 0,5 Prozent der frei handelbaren Aktien gefallen.
Im Fokus der anderen Fonds, die weiterhin auf fallende Kurse setzen, stehen im Wesentlichen noch vier Werte: Covestro (1,7 Prozent), Deutsche Bank (2,9 Prozent), Deutsche Lufthansa (9,78 Prozent) und Wirecard (4,22 Prozent). Die Zahl zeigt die Höhe der Leerverkaufsquote der frei handelbaren Papiere an (Stand: Dienstag).
Wetten auf fallende Kurse, in der Fachsprache Leerverkäufe genannt, funktionieren nach folgendem Prinzip: Investoren leihen sich Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie danach und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben. Die Differenz zwischen dem Leerverkauf und dem anschließenden Rückkauf ist dann der Gewinn.
Das alles lässt die Schlussfolgerung zu: Der Handel mit diesen vier Dax-Werten dürfte in den kommenden Wochen noch turbulent werden. Auf der einen Seite sind die Aussichten für diese Aktien negativ. Aber die Hedgefonds müssen die Papiere noch irgendwann zurückkaufen.
Vor allem betrifft das die Anteilsscheine der Lufthansa, die am gestrigen Mittwoch auf das tiefste Kursniveau seit dem Jahr 2012 rutschten. Knapp zehn Prozent aller frei handelbaren Aktien müssen von den Fonds wieder gekauft werden.
Ein Rechenbeispiel zeigt, dass dieser Rückkauf erheblichen Einfluss auf den Kurs haben dürfte. Von den 478 Millionen frei handelbaren Lufthansa-Aktien sind 46 Millionen Papiere „leerverkauft“. Bei einem täglichen Handelsvolumen von rund zehn Millionen Stück in der vergangenen Woche dürfte dieser Rückkauf auch nicht schnell erfolgen.
Blick auf die Einzelwerte
Rocket Internet: Der Start-up-Investor ist nach eigenen Angaben finanziell für Belastungen durch die Coronavirus-Pandemie gewappnet, dennoch notierte die Aktie zum Handelsschluss 2,45 Prozent im Minus. Unter dem Strich machte Rocket, dessen größte Start-ups wie Global Fashion Group oder Home24 inzwischen selbst börsennotiert sind, im vergangenen Jahr einen Gewinn von 280 Millionen Euro. 2018 war ein Gewinn von 196 Millionen Euro angefallen.
Hella: Der Autozulieferer hat im dritten Quartal seines Bilanzjahres 2019/20 die Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Gleichwohl bewege sich der Scheinwerferspezialist in den ersten neun Monaten noch im erwarteten Rahmen. Für das Gesamtjahr hatte der Vorstand bereits Mitte März seine Jahresziele wegen der Coronakrise kassiert. Die Aktie ging 2,5 Prozent im Minus aus dem Handel.
United Internet: Um 2,9 Prozent stärker beendeten die United-Internet-Aktien den Börsentag. Der Telekommunikationsanbieter will ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 150 Millionen Euro auflegen. Ein deutlicher Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen. Der Rückversicherer Munich Re hat beispielsweise sein laufendes Rückkaufprogramm gestoppt.
Carl Zeiss Meditec: Schleppende Geschäfte setzen dem Medizintechnikunternehmen zu und bescherten den Aktien zum Handelsschluss ein Minus von 4,2 Prozent. Die Finanzziele für das laufende Geschäftsjahr 2019/20 gibt Carl Zeiss Meditec wegen der Coronavirus-Krise auf. Eine verlässliche Vorhersage der Geschäftsentwicklung sei derzeit nicht möglich.
Was die Charttechnik sagt
Zwar gab es am Mittwoch trotz der hohen Verluste keine nennenswerte charttechnische Entscheidung, hilfreich war der Handelstag aber auch nicht. So schaffte es der Dax nicht, die kleine Abwärtskurslücke zu schließen.
Solche Abwärtskurslücken entstehen, wenn das Tagestief des Vortags über dem Tageshoch des anschließenden Handelstags liegt. Das Tagestief am Dienstag lag bei 9703 Zählern, das Tageshoch am gestrigen Mittwoch wurde mit 9686 Punkten erreicht.
Auf der anderen Seite wurde das bisherige Wochentief, das bei 9453 Zählern lag, nicht unterschritten. Der Dax wird nach Einschätzung der Düsseldorfer Bank HSBC erst bei Kursen unterhalb von 9070 Zählern wieder in den Krisenmodus übergehen.
Von den wichtigen Marken auf der Oberseite hat sich die Frankfurter Benchmark wieder weit entfernt. Entscheidend dürfte der Raum zwischen 10.138 bis einschließlich 10.391 Punkte sein. Unter anderem liegt dort das Tief vom Dezember 2018 mit 10.279 Punkten, der Startschuss für die Rally bis Mitte Februar 2020 mit dem bisherigen Rekordhoch.
„Das ist die entscheidende charttechnische Hürde, deren Überspringen die deutschen Standardwerte auf einen schnellen Erholungspfad bringen würde“, meinen die technischen Analysten der Düsseldorfer Bank HSBC.
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