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  5. Coronakrise: KfW-Chef Günther Bräunig wirkt am liebsten im Hintergrund

Günther BräunigIn der Coronakrise wird der KfW-Chef zum wichtigsten Banker Deutschlands

Unternehmen reichen immer mehr Anträge auf Corona-Hilfskredite bei der staatlichen Förderbank KfW ein. Für Vorstandschef Bräunig hat das höchste Priorität.Yasmin Osman 16.04.2020 - 04:00 Uhr

„Versierter und pragmatischer Krisenmanager.“

Foto: KfW-Bildarchiv

Frankfurt. Mit Kriseneinsätzen kennt KfW-Vorstandschef Günther Bräunig sich aus. Während der Finanzkrise sprang der 64-jährige Bankmanager etwa als Interimschef bei der Mittelstandsbank IKB ein, als die damalige KfW-Tochter im Sommer 2007 unter der Last wertloser US-Hypothekenpapiere zusammenzubrechen drohte. Und er leitet bis heute den Aufsichtsrat der Pfandbriefbank, die aus den Resten der damals verstaatlichten Hypo Real Estate entstand.

Die Krisenkompetenz von Bräunig und der KfW ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie stärker gefragt denn je. Die günstigen Hilfskredite der Förderbank, für die der Staat zu großen Teilen haftet, sind ein wichtiger Baustein der Bundesregierung zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise. Die staatliche Förderbank springt dort ein, wo Banken und Sparkassen vor neuen Krediten zurückschrecken.

9728 Anträge sind bei der KfW bis Dienstag gestellt worden, es geht um ein Kreditvolumen von 22,9 Milliarden Euro. Der Bewältigung der Antragsflut hat Bräunig in der KfW alles untergeordnet, „da die ganze Republik schauen wird, wie schnell und effektiv wir sein werden“, sagte er zum Start der Programme in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter.

Die Anerkennung für Bräunig ist in der Finanzszene groß. Er sei ein „sehr zugänglicher und sachkundiger Banker, mit dem man sehr gern zusammenarbeitet“, sagte der Firmenkundenchef einer großen deutschen Bank.

Ganz ähnlich klingen die Einschätzungen in Berlin. „In der Coronakrise beweist sich Günther Bräunig als versierter und pragmatischer Krisenmanager, mit dem ich mich pausenlos austausche“, sagte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Kukies, dem Handelsblatt.

„Er hängt sich Tag und Nacht mit vollem Einsatz rein, damit wir unser gemeinsames Ziel erreichen, Deutschland gut durch diese Krise zu lotsen.“ Der KfW-Chef leiste dafür einen entscheidenden Beitrag.

Lob vom Bundespräsidenten

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich schon bei Bräunig gemeldet und für das Engagement der staatlichen Förderbank bedankt. Er „äußerte seine Hochachtung vor der Verantwortung, die mit der Übernahme der Corona-Hilfen für die deutsche Wirtschaft nun auf unseren Schultern liegt“, schrieb Bräunig Ende März an die KfW-Mitarbeiter.

Das ist viel Lob für einen Menschen, den es eigentlich nicht ins Rampenlicht drängt. Seit gut zwei Jahren leitet Bräunig die nach Bilanzsumme drittgrößte deutsche Bank. Nur wenige Mitarbeiter kennen das Institut so gut wie der Wiesbadener, der fast sein gesamtes Berufsleben bei der Förderbank verbrachte.

Doch als Bräunig im Januar 2018 an die Spitze rückte, verkniff er sich den großen Auftritt. Als er bei seinem ersten Presseauftritt als KfW-Chef gefragt wurde, welche Duftmarken er bei der staatlichen Förderbank in seiner Amtszeit setzen wolle, beschied er: „Meiner Ansicht nach gibt es kein Bedürfnis nach einer eigenen Handschrift.“ Einen Strategiewechsel strebe er nicht an, allenfalls neue Akzente wolle er setzen.

Bräunig wirkt lieber im Hintergrund. Öffentliche Spitzen gegen die Regierung sind nicht bekannt. Das unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Ulrich Schröder. Dass auch Bräunig wohl nicht alles behagt, was in Berlin beschlossen wird, erahnt man mehr, als dass man es von ihm zu hören bekommt.

Das gilt etwa für die 100-Prozent-Haftung des Staates für die KfW-Schnellkredite. Bräunig hatte im Vorfeld betont, dass er es für wichtig hält, dass auch die Banken wenigstens einen kleinen Teil der Haftung für einen Kredit behalten.

Doch er stellte klar, dass es sich dabei letztlich um eine politische Entscheidung handle. Wenn etwas politisch beschlossen werde, schmolle Bräunig nicht, sondern mache das Bestmögliche daraus, sagt einer, der ihn gut kennt.

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Diese Eigenschaft dürfte zur Wertschätzung beitragen, die er in Berlin parteiübergreifend genießt. In der Vergangenheit spielte der politische Stallgeruch bei der Besetzung des KfW-Chefpostens eine bedeutende Rolle. Von Bräunig sind politische Präferenzen zumindest nicht aktenkundig. Dennoch war er bei seiner Kür der Wunschkandidat beider Koalitionspartner.

In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier SPD-Mitglied sei. Allerdings lässt der Bundespräsident in seiner Amtszeit die Parteimitgliedschaft ruhen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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