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Kein RechtsanspruchArbeitgeber verärgert über geplantes Recht auf Homeoffice

Arbeitsminister Hubertus Heil will Angestellten ein gesetzliches Recht auf Homeoffice einräumen. Aus Sicht der Arbeitgeber ist das keine gute Idee.Heike Anger 26.04.2020 - 16:50 Uhr aktualisiert

Der Arbeitgeber-Präsident ist gegen das Recht auf Homeoffice.

Foto: dpa

Berlin. Die Arbeitgeber lehnen Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ab, das Recht auf Homeoffice für die Zeit nach der Coronakrise gesetzlich zu verankern. „Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen wirkt etwas aus der Zeit gefallen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter. „Wir brauchen ein Belastungsmoratorium statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränken.“

Heil hatte am Wochenende angekündigt, bis zum Herbst ein Gesetz für einen Anspruch auf Arbeit von zu Hause vorlegen zu wollen. „Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können – auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist“, sagte Heil der „Bild am Sonntag“.

Der Minister verwies auf Schätzungen, nach denen in der Coronakrise die Zahl der Arbeitnehmer im Homeoffice von zwölf auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen sei. „Das wären acht Millionen Männer und Frauen, die ihren Job gerade von zu Hause aus erledigen“, rechnete Heil vor. „Das sollen sie auch in Zukunft können.“ Demnach soll jeder Arbeitnehmer, wenn es betrieblich möglich ist, das Recht haben, entweder komplett auf Homeoffice umzusteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche.

Die Unionsfraktion äußerte sich am Sonntag auf Anfrage nicht zu dem Vorstoß des Koalitionspartners. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht zwar kein explizites Recht auf Homeoffice vor. Dort wird aber versprochen, den Tarifparteien mehr Raum für Experimente bei der Arbeitszeit zu geben. Doch eine solche Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes steht noch aus. Das liegt auch daran, dass Heil eine Entgrenzung der Arbeit fürchtet.

So betonte Heil nun auch wieder: „Mit fairen Regeln werden wir verhindern, dass sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst.“ Auch im Homeoffice gebe es einen Feierabend – und zwar nicht erst um 22 Uhr.

„Niemand sollte dazu gezwungen werden“

Zuletzt hatte eine Studie des gewerkschaftsnahen Instituts WSI ergeben, dass Homeoffice eher zu längeren Arbeitszeiten als zu mehr Freizeit führt. Dazu kommt, dass nur ein gewisser Anteil der Arbeitnehmer überhaupt im Homeoffice arbeiten kann. Schicht- und Bauarbeiter, Altenpfleger, Polizisten, Kellner oder S-Bahn-Fahrer sind außen vor.

Die Opposition begrüßte den Vorstoß von Heil, forderte aber weitergehende Schritte. „Den Rechtsrahmen für Homeoffice und mobiles Arbeiten endlich anzugehen ist überfällig“, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, dem Handelsblatt. Die Krise zeige doch, dass vieles gehe, was vorher angeblich nicht möglich war. „Dass Hubertus Heil das ebenfalls im Koalitionsvertrag vereinbarte flexible Arbeitszeitgesetz jedoch nicht einmal erwähnt und von der Union überhaupt nur Schweigen kommt, macht leider skeptisch“, beklagte Vogel. Beide Themen, Homeoffice und Arbeitszeitgesetz, gehörten zusammen.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte: „Es ist längst an der Zeit, dass aus dem Privileg, das bisher nur für wenige gilt, ein Anspruch auf Homeoffice für viele wird.“ Arbeit von zu Hause oder mobiles Arbeiten dürfe aber immer nur freiwillig sein und brauche verbindliche Regeln. „Niemand sollte dazu gezwungen werden, und Homeoffice darf nicht dazu führen, dass Arbeit grenzenlos wird“, forderte Göring-Eckardt.

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Homeoffice könne auch nur als Ergänzung zum festen Arbeitsplatz stattfinden, damit Beschäftigte weiterhin in die normalen Arbeitsabläufe eingebunden blieben. Die Grünen fordern zugleich einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet, damit Arbeiten von zu Hause „überhaupt technisch reibungslos möglich ist“.

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