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Dax aktuellDax geht gestärkt aus dem Handel – Fünf Gründe, warum es keinen erneuten Crash geben dürfte

Nach deutlichen Verlusten zum Wochenauftakt hat sich die Lage an der Börse am Dienstag gebessert. Besonders Vonovia-Titel sind bei Anlegern gefragt.Jürgen Röder 05.05.2020 - 17:57 Uhr

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Aufatmen am deutschen Aktienmarkt: Nach dem deutlichen Kursrutsch zum Wochenauftakt ist der Dax am Dienstag um 2,5 Prozent Prozent auf 10.729 Punkte gestiegen. Den Montag hatte der Dax mit einem Minus von 3,6 Prozent und einem Schlussstand von 10.466 Zählern beendet. Alle 30 Werte mussten Verluste hinnehmen.

Die bange Frage nach dem Handel am Montag lautete natürlich: Fällt der Dax wieder in Richtung der 8255 Punkte, des bisherigen Tiefstands des Börsencrashs seit Ende Februar? Mittlerweile sprechen viele Gründe dagegen, dass es an den Aktienmärkten einen neuen Crash geben wird.

1. Die Börsenstimmung signalisiert eher Einstiegs- als Verkaufskurse

„Diesmal dürften Investoren viel früher Aktien kaufen, um sich für die Zeit nach Corona zu positionieren“, meint Stephan Heibel nach Auswertung der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment. Joachim Goldberg, der eine Umfrage der Börse Frankfurt unter institutionellen Investoren auswertet, kommt zu einem ähnlichen Schluss. Für ihn ist der Dax gut abgesichert, so sein Fazit vom vergangenen Mittwochabend. Seiner Erkenntnis nach haben vor allem ausländische Investoren für die deutlichen Kurssteigerungen der vergangenen Woche gesorgt. Heimische Investoren waren gar nicht dabei und warten nun womöglich auf eine Einstiegsmöglichkeit.

2. Die Lage an den US-Märkten bessert sich

Ein wichtiger Indikator für die US-Aktienmärkte, der Angst-und-Gier-Index, hat sich aus einer „extremen Angst“ in den neutralen Bereich vorgearbeitet. Berechnet wird dieser Index von CNN anhand technischer Marktdaten und hat sich in der Vergangenheit oft als treffsicher erwiesen.

Diese Entwicklung deutet auf eine allmähliche Bodenbildung hin. Nach Meinung von Robert Halver, Leiter Kapitalmarktstrategie der Baader Bank, spricht diese Veränderung gegen ein erneutes Abtauchen der Aktienmärkte, insbesondere auf neue Tiefs.

3. Privatanleger sind vorbereitet

Die Privatanleger hierzulande haben sich auf einen Crash an den Aktienmärkten vorbereitet, ablesbar am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Ein aktueller Wert von mehr als minus zwölf zeigt an: Es sind deutlich mehr Put-Hebelprodukte, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, als Call-Scheine, mit denen Investoren auf steigende Kurse spekulieren, in den Depots der Privatanleger.

Das Euwax-Sentiment ist ein klassischer Kontraindikator: Sollten die Kurse nun fallen, brauchen viele Privatanleger ihre Aktien nicht mehr zu verkaufen, sondern streichen die Gewinne mit ihren Absicherungspositionen in Formen von Put-Produkten ein. Zudem wird dadurch der Dax stabilisiert. Denn ähnlich wie bei einem Leerverkauf muss die Bank als Handelspartner Dax-Werte kaufen, wenn der Privatanleger ein Put-Produkt verkauft.

4. Profianleger warten mit viel Geld auf den Neueinstieg

Institutionelle Investoren halten sich derzeit zurück, verfügen aber über ausreichend Cash. Der passende Indikator dazu, das Put/Call-Verhältnis der Terminbörse Eurex, notiert im neutralen Bereich. In den Wochen zuvor hatten die Profis – im Gegensatz zu den Privatanlegern – auf steigende Kurse spekuliert und haben nun die Gewinne eingestrichen. Zusammen mit den Daten der ausführlichen Sentimentumfrage Animusx ergibt sich folgendes Bild: Institutionelle Investoren haben eine geringere Investitionsquote und warten nur auf neue Einstiegsmöglichkeiten.

5. Technische Indikatoren signalisieren eine Erholung

Man kann von Charttechnik halten, was man will. Doch in solchen turbulenten Zeiten, in denen fundamentale Werte offenbar nicht mehr viel zählen, bietet sie zumindest Anhaltspunkte. So ist beispielsweise der sogenannte MACD auf einen historischen Tiefstand gefallen. Dieser trendfolgende Indikator berechnet sich aus der Differenz zweier gleitender Durchschnitte. Nach Ansicht der technischen Analysten der Düsseldorfer Bank HSBC signalisiert solch ein MACD-Rekordtief, dass der Dax sein Tief des Monats bei 8.256 Punkten nicht mehr erreichen dürfte.

Kein erneuter Crash bedeutet nicht, dass der Dax wieder sofort in den Rally-Modus schaltet. Möglicherweise müssen sich Anleger auf eine längere, schmerzvollere Bodenbildung mit deutlichen Kursschwankungen einstellen. Aber auch die extremen Maßnahmen der Notenbanken dürften einen erneuten Crash verhindern.

Blick auf Einzelwerte

Infineon: Deutschlands größter Chiphersteller zeigt sich erstaunlich krisenfest. Im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September endet, werde der Umsatz organisch um rund fünf Prozent zurückgehen, teilte Infineon am späten Montagabend mit. Damit verfehlt Vorstandschef Reinhard Ploss zwar seine Prognose aus dem vergangenen Herbst deutlich. Angesichts der weltweiten Wirtschaftsflaute schlägt sich der Dax-Konzern dennoch wacker. Der Aktie bescherte das am Dienstag ein Plus von 6,2 Prozent.

Beiersdorf: Der Konsumgüterhersteller hat ein schwieriges erstes Quartal hinter sich. Dennoch will der Konzern an seinen Investitionen festhalten. Beiersdorf will aber keine Prognose abgeben, weil die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise derzeit nicht hinreichend abzuschätzen seien. Die Aktie führt die Dax-Verliererliste mit einem Minus von 2,9 Prozent an.

Vonovia: Die Coronakrise geht fast spurlos an dem Unternehmen vorbei. Der größte deutsche Wohnungskonzern baute den Gewinn im ersten Quartal deutlich aus und bestätigte die Prognosen für 2020. Eine Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen, über die zuletzt wieder spekuliert wurde, steht derzeit aber offenbar nicht zur Debatte. An der Börse legten die Vonovia-Titel 6,8 Prozent zu.

Hypoport: Der vom Immobilienboom profitierende Finanzdienstleister hat nach ersten Berechnungen zum Jahresauftakt einen Wachstumssprung verbucht, was die Aktie um 9,7 Prozent steigen ließ. Die Erlöse wie auch das operative Ergebnis (Ebit) schnellten um jeweils rund 30 Prozent auf 100 Millionen beziehungsweise auf über zehn Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen sollen am 11. Mai veröffentlicht werden.

Hellofresh: Der Kochbox-Anbieter setzt sich nach einem Umsatz- und Gewinnsprung zum Jahresstart höhere Ziele. Die Covid-19-Pandemie habe in der zweiten Märzhälfte zu einer weiteren Beschleunigung des Wachstums geführt. In den ersten drei Monaten kletterten die Erlöse um 66,4 Prozent auf fast 700 Millionen Euro. Im Gesamtjahr soll der Umsatz um 40 bis 55 Prozent steigen statt um 22 bis 27 Prozent. Die Aktie zählt mit einem Plus von rund 10 Prozent zu den großen Gewinnern im MDax.

Blick auf andere Assetklassen

Die Ölpreise haben am Dienstag deutlich zugelegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent lag zuletzt bei 30,26 US-Dollar, rund 12 Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI legte auf 24,20 Dollar zu, ein Plus von etwa 18 Prozent.

Händler verwiesen auf Berichte, laut denen die Rohölschwemme an den Märkten abebben könnte. Offenbar mache sich die verringerte Ölförderung bemerkbar. So sind laut einem Bericht des Datenunternehmens Genscape die Lagerbestände am Umschlagplatz für WTI in Cushing zuletzt so wenig gestiegen wie seit Mitte März nicht mehr.

Nichtsdestotrotz blieben die weltweiten Lagerkapazitäten zuletzt knapp. In Indien erreichten die Rohöl-Lager an Land ihre Kapazitätsgrenze. Laut dem Ölminister des Landes sind sogar die Tanks für die strategische Reserve voll.

Die türkische Lira hat ihre Talfahrt am Dienstag fortgesetzt. Ein Dollar kostete am Abend mit 7,0840 Lira 0,7 Prozent mehr und so viel wie seit August 2018 nicht mehr. Er ist damit nur noch knapp von dem Rekordhoch bei 7,23 Lira entfernt. „Wir warnen schon länger davor, dass eine plötzliche Lira-Abwertung jederzeit möglich ist, auch ohne besondere fundamentale Gründe“, sagt Tatha Ghose, Analyst bei der Commerzbank. Bei der derzeitigen Abwertungsgeschwindigkeit steige die Gefahr, dass eine Währungsspirale entstehe und Devisenverbindlichkeiten unter Druck gerieten.

Was die Charttechnik sagt

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Der Dax hat sich lediglich ein kurzes Gastspiel oberhalb der Marke von 11.000 Punkten gegönnt. Er konnte zwar seinen wichtigen Widerstand bei 11.025 Zählern überwinden, ist aber mittlerweile wieder deutlich daruntergefallen. Bei 11.025 Punkten liegt die 50-Prozent-Korrektur der Baisse seit Februar. Denn diese Marke entspricht der Mitte der Abwärtsbewegung von 13.795 auf 8255 Zähler.

Laut Charttechnik bietet nun der Bereich um 10.300 Punkte eine wichtige Unterstützung. Dort liegt unter anderem mit 10.279 Zählern das Tief vom Dezember 2018, der Ausgangspunkt für die Rally bis Februar 2020.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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