Hauptversammlung: Ex-RTL-Chefin Schäferkordt zieht in BMW-Aufsichtsrat ein
27 Jahre lang war die Managerin bei RTL tätig.
Foto: Marco Urban für HandelsblattDüsseldorf. Anke Schäferkordt betritt den Raum leise und unaufgeregt. Keine große Bugwelle, kein Glamour. Bei den alljährlichen Presseterminen hat sich die frühere Chefin des TV-Senders RTL stets nahbar und interessiert gezeigt.
27 Jahre lang hat Schäferkordt bei RTL, einer Tochter des Gütersloher Familienunternehmens Bertelsmann, gearbeitet, viele Jahre davon als CEO des TV-Konzerns und als Vorstand von Bertelsmann. Dabei hat sie eines bewiesen: Schäferkordt weiß, was die Massen bewegt.
Vielleicht ist es ihr Gespür für den Massenmarkt, das Schäferkordt für ihren neuen Posten auszeichnet: Am Donnerstag ist die 57-Jährige in den Aufsichtsrat des Münchener Autoherstellers BMW gewählt worden. Schäferkordt übernimmt damit den Sitz von Renate Köcher, der Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die Gemeinsamkeit der beiden Frauen: Sie wissen um die Gemütslage der Menschen.
Für Schäferkordt ist das BMW-Aufsichtsratsmandat nicht der erste Auftrag dieser Art. Seit 2010 sitzt sie außerdem im Kontrollgremium des Chemiekonzerns BASF, ebenso wie BMW ein Dax-Wert. Im vergangenen Jahr kamen zwei weitere Mandate hinzu: Zum einen kontrolliert sie den US-Versandhandel Wayfair, zum anderen ist sie Mitglied des neu gegründeten Aufsichtsrats der Münchener Agenturgruppe Serviceplan unter Führung des Gründers Peter Haller.
„Mit Anke Schäferkordt konnten wir eine ausgewiesene Expertin mit langjähriger Erfahrung in der internationalen Medienbranche gewinnen“, sagte Hauptgeschäftsführer Florian Haller anlässlich ihrer Berufung.
Profunde Kennerin der Medienlandschaft
Schäferkordt gilt als eine der profundesten Kennerinnen der Medienlandschaft. 1962 in Lemgo geboren, studierte sie Betriebswirtschaft an der Universität Paderborn. Mit dem Diplom in der Tasche begann sie 1988 das kaufmännische Nachwuchsprogramm bei Bertelsmann.
Die Karriere war steil. Von 2005 bis 2018 war sie Geschäftsführerin der RTL Television und Mediengruppe RTL Deutschland, von 2012 bis 2017 leitete sie zudem die RTL Group in Luxemburg. Bertelsmann-CEO Thomas Rabe holte sie 2012 in den Vorstand des 17-Milliarden-Konzerns. Ein Ritterschlag.
2018 war dann Schluss. Schäferkordts Abschied erfolgte, kaum, dass er verkündet war. Ihr Nachfolger, Bernd Reichart, hat viel Personal in den oberen Managementebenen ausgetauscht und das digitale Geschäft forciert, wozu auch der Streamingdienst TV Now gehört. Die Weichen, so schien es, sollten neu gestellt werden.
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