Bilanzskandal: Deutsche Bank hat Interesse an Teilen von Wirecard
Der insolvente Zahlungsdienstleister wird nach einem Bilanzskandal zerschlagen. Zu den Interessenten gehört wohl auch die Deutsche Bank.
Foto: ReutersFrankfurt. Die Deutsche Bank greift der Bankentochter des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard womöglich unter die Arme. Das Geldhaus prüfe in Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin, dem vorläufigen Insolvenzverwalter der Wirecard AG sowie dem Vorstand der Wirecard Bank eine mögliche finanzielle Hilfe, heißt es in einer Erklärung der Deutschen Bank vom Donnerstag.
„Wir können uns grundsätzlich vorstellen, im Rahmen der Fortführung der Geschäftsaktivitäten diese Unterstützung zu gewähren, sofern es erforderlich werden sollte.“ Die Wirecard Bank ist bislang im Gegensatz zu ihrer Mutter nicht insolvent.
Ein Bafin-Sprecher sagte: „Das ist eine geschäftspolitische Entscheidung der Deutschen Bank, die wir nicht kommentieren.“ Die Bonner Behörde hat mehrere Sonderbeauftragte bei der Wirecard Bank installiert, die dafür sorgen sollen, dass keine Gelder an die Wirecard AG abfließen und dass die Geschäfte weiterhin laufen.
Die Deutsche Bank erwäge, der Wirecard Bank einen Überbrückungskredit zu geben, um dann zu einem späteren Zeitpunkt dort einzusteigen, sagte eine mit dem Thema vertraute Person. Hintergrund sei das Bestreben der Deutschen Bank, wieder stärker im Zahlungsverkehr aktiv zu werden. Die Bedeutung des Zahlungsverkehrs nehme schließlich zu, und er sei – in Verbindung mit dem Konto – ein Ankerprodukt in der Beziehung zwischen Bank und Kunde. Das hätten die Deutsche Bank und andere Geldhäuser in der Vergangenheit vernachlässigt.
Eine Sprecherin von Wirecard wollte die Avancen auf Handelsblatt-Anfrage nicht bestätigen: „Die Wirecard AG gibt derzeit keine weiteren Stellungnahmen ab“, erklärte sie. Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen aus dem Umfeld des Zahlungsdienstleisters sagten indes, die Deutsche Bank habe grundsätzlich Interesse an Teilen von Wirecard gezeigt.
Wirecard musste nach einem Bilanzskandal Insolvenz anmelden. Jetzt versucht Insolvenzverwalter Michael Jaffé Käufer für die werthaltigen Teile des Konzerns zu finden. Nach Informationen des Handelsblatts laufen bereits Gespräche zwischen der Deutschen Bank und dem Insolvenzverwalter zur Übernahme einzelner Firmenteile. Bis zum Abschluss der Gespräche könnte die Deutsche Bank demnach die Wirecard Bank unterstützen, um sich so alle Optionen für eine teilweise Übernahme offenzuhalten.
Über die mögliche Stützungsaktion für die Wirecard Bank hatte zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.
Wirecard musste nach einem Bilanzskandal Insolvenz anmelden. Jetzt versucht Insolvenzverwalter Michael Jaffé, Käufer für die werthaltigen Teile des Konzerns zu finden.
Neben der Kooperation mit Fintechs ist die Wirecard Bank vor allem im Zahlungsverkehr aktiv – und arbeitet hier mit dem Mutterkonzern eng zusammen. Darüber hinaus gibt die Wirecard Bank physische und virtuelle Karten heraus und bietet für Privatkunden unter der Marke Boon Planet selbst ein Konto an.