Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Finanzausschuss Im Kreuzverhör zu Wirecard: So rechtfertigt sich Bafin-Chef Hufeld

Der Chef der Finanzaufsicht hat in Berlin das Verhalten seiner Behörde beim Thema Wirecard verteidigt. Doch nicht alle Abgeordneten waren damit zufrieden.
01.07.2020 - 17:04 Uhr 1 Kommentar
Der Bafin-Präsident musste sich im Finanzausschuss des Bundestags für das zögerliche Vorgehen seiner Behörde rechtfertigen. Quelle: Bloomberg
Felix Hufeld

Der Bafin-Präsident musste sich im Finanzausschuss des Bundestags für das zögerliche Vorgehen seiner Behörde rechtfertigen.

(Foto: Bloomberg)

Berlin, Frankfurt Felix Hufeld war für die Finanzpolitiker an diesem Mittwochmittag wichtiger als die Bundeskanzlerin. Eigentlich sollte die Anhörung des Bafin-Chefs im Finanzausschuss bis spätestens 13 Uhr beendet sein, da dann Angela Merkel (CDU) im Plenum zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft Stellung nahm. Doch aus Sicht der Abgeordneten waren noch einige Fragen zum Wirecard-Bilanzskandal und der Rolle der Finanzaufsicht Bafin offen, und so ging die Befragung von Hufeld in die Verlängerung, während Merkel bereits im Bundestag redete.

Wie sich Hufeld in den knapp zwei Stunden im Finanzausschuss schlug, darüber gehen die Einschätzungen auseinander. Während man sich bei den Regierungsfraktionen, vor allem bei der SPD, zufrieden über die Erklärungen äußerte, bekräftigte die Opposition ihre Kritik an der Rolle der Bafin im Wirecard-Skandal.

Die Abgeordneten im Finanzausschuss erlebten einen Bafin-Chef, der sich und seine Behörde selbstbewusst verteidigte. Hufeld habe immer wieder betont, dass alles rechtmäßig abgelaufen sei, berichteten Teilnehmer der Sitzung.

Der Bafin-Chef habe vor allem darauf verwiesen, dass man nur die Wirecard Bank beaufsichtigte, nicht aber den Rest des Konzerns. So, wie man bei Volkswagen auch nur für die VW Bank zuständig sei, nicht aber für die Autoproduktion und den Dieselskandal. 

Hufeld hat laut Teilnehmern erneut darauf verwiesen, dass Bafin, Bundesbank und Europäische Zentralbank (EZB) einvernehmlich entschieden haben, Wirecard nicht als Finanzholding einzustufen. Deshalb habe die Bafin nicht so scharf prüfen können.

Berichte anderer Medien, Hufeld habe die EZB dafür verantwortlich gemacht, dass Wirecard nicht als Finanzholding eingestuft wurde, wies die Bafin zurück. Richtig ist nach Informationen des Handelsblatts jedoch, dass Wirecard 2018 selbst überlegte, die Wirecard AG mit der Wirecard Bank zu verschmelzen und somit zu einer Finanzholding zu werden. Die Bafin befürwortete diesen Plan, er wurde am Ende jedoch aus anderen Gründen nicht umgesetzt.

Die Bafin hatte schon früh Hinweise auf Unregelmäßigkeiten und Probleme bei Wirecard erhalten. Da Wirecard nicht als Finanzholding eingestuft worden sei, konnte die Bafin nach Hufelds Darstellung aber lediglich die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), auch „Bilanzpolizei“ genannt, mit einer Prüfung beauftragen. Das sei das schärfste Schwert einer Bilanzprüfung, wurde der Bafin-Chef zitiert.

Hufeld habe sehr umfangreich zu den Details rund um Wirecard berichtet, sagte der SPD-Abgeordnete Jens Zimmermann, der auch im Bafin-Verwaltungsrat sitzt. Dabei sei auch die Komplexität noch mal deutlich geworden. „Ich hatte den Eindruck, dass Herr Hufeld und die Bafin ein großes Interesse an lückenloser Aufklärung haben“, sagte Zimmermann.

„Das Gegenteil von Aufklärung“

Die Opposition bewertet Hufelds Auftritt kritischer: „Die Finanzausschusssitzung brachte das Gegenteil von Aufklärung“, sagte Grünen-Finanzpolitiker Danyal Bayaz. „Alle Beteiligten sehen sich als Opfer komplizierter Umstände.“ Dabei ergebe sich das „Gesamtbild einer dilettantischen, kollektiven Unverantwortlichkeit“, sagte Bayaz.

Der Grünen-Politiker kritisierte auch, dass die Bafin Journalisten der „Financial Times“ anzeigte, die früh über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard berichteten. Hufeld verteidigte das Vorgehen hingegen im Finanzausschuss. Es habe Hinweise auf kriminelles Verhalten von einigen Anlegern gegeben, die im Vorfeld der Berichterstattung auf fallende Kurse wetteten.

Man sei also nicht gegen die Berichterstattung vorgegangen, sondern gegen Marktmanipulation. Es sei nicht um den Schutz eines deutschen Vorzeigekonzerns gegangen. Er würde genauso wieder handeln, wenn heute ein ähnlicher Fall vorliege, wurde Hufeld von Teilnehmern zitiert.

Grafik

„Wir stehen erst am Anfang der Aufarbeitung“, sagte der finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Toncar. „Herr Hufeld hat heute seinen Teil der Verantwortung übernommen und sich der Diskussion und Kritik gestellt.“ Der Bundesfinanzminister müsse das erst noch tun und erklären, welche Rolle sein Haus in den letzten Monaten in der Causa Wirecard gespielt habe. „Es ist schwer vorstellbar, dass der Vorgang das BMF erst im Juni 2020 erreicht hat“, sagte Toncar.

Zudem müsse man auch noch ausführlich über die Rolle der Wirtschaftsprüfer, also vor allem EY, sprechen, hieß es von Finanzpolitikern. Deren Versagen sei wohl mindestens so groß wie das der Finanzaufsicht Bafin.

Guter Ruf in der Branche

Bislang steht die Bundesregierung hinter Hufeld. Und auch aus der Opposition sieht er sich nicht direkt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Allerdings ist die Angelegenheit für ihn noch lange nicht überstanden. „Das war sicherlich nicht die letzte Anhörung von Herrn Hufeld im Finanzausschuss“, sagte ein Abgeordneter. Auch ein Untersuchungsausschuss gilt weiter als Option, auch wenn sich die Oppositionsfraktionen damit bislang zurückhalten.

Finanzmanager und andere Aufseher hoffen, dass Hufeld trotz des Wirecard-Skandals Bafin-Chef bleiben kann. Denn der 59-jährige Jurist genießt in der Branche einen guten Ruf. Hufeld kenne sich in der Finanzbranche bestens aus und sei mit seinen Erfahrungen im privaten Finanzsektor eine große Bereicherung für die Bonner Behörde, sagt eine Person, die regelmäßig mit Hufeld zu tun hat. „Wenn er gehen müsste, wäre das ein riesiger Verlust für die Bafin.“

Hufeld hat in Mainz, Freiburg und Harvard studiert und unter anderem für die Unternehmensberatung BCG, die Dresdner Bank und den Versicherungsmakler Marsh gearbeitet. 2015 machte ihn die Bundesregierung auch deshalb zum Bafin-Chef, weil er bei der Behörde für frischen Wind sorgen sollte.

Hufeld nahm diesen Auftrag ernst und griff in vielen Fällen entschlossener durch als seine Vorgängerin Elke König. 2015 war er maßgeblich daran beteiligt, dass Anshu Jain nach einer Serie von Skandalen als Co-Chef der Deutschen Bank abtreten musste. Auch beim vorzeitigen Abgang von Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter Ende 2017 hatte der Bafin-Chef seine Finger im Spiel.

In Interviews und bei Konferenzen geht Hufeld mit Finanzkonzernen ebenfalls nicht zimperlich um. Mehrfach forderte er die deutschen Geldhäuser auf, nicht über die niedrigen Zinsen zu jammern, sondern stattdessen ihre Geschäftsmodelle entschlossener umzubauen. „Banken müssen harte Einschnitte vornehmen, weniger komplex werden und Kosten senken“, sagte er im März im Handelsblatt-Interview.

Die Finanzaufsicht nicht schlechter reden, als sie ist

Hufeld ist also kein Banken-Freund – aber genießt in der Branche dennoch großen Rückhalt. Bei der Verwaltungsratssitzung der Bafin am Montag stellten sich die Vertreter des Finanzsektors Insidern zufolge hinter Hufeld und lobten die Arbeit der Bafin ausdrücklich.

Hufeld sei ein kompetenter Gesprächspartner, der sich nicht auf seine Machtposition als Aufseher zurückziehe, sondern inhaltlich die Diskussion mit der Branche suche, berichten Banker. Auch bei den Verhandlungen mit Banken, die im Zuge des Brexits Geschäfte von London nach Frankfurt verlagern wollen, habe er mit seiner Behörde einen exzellenten Job gemacht.

Dass die Bafin im Wirecard-Skandal kein gutes Bild abgegeben hat, bestreitet auch im Finanzsektor niemand. Allerdings finden einige Banker, dass die Bafin derzeit öffentlich mehr Prügel abbekommt, als sie eigentlich verdient hätte.

Die Behörde sei schließlich nur für die Wirecard Bank direkt zuständig gewesen. Man müsse aufhören, die Finanzaufsicht schlechter zu reden, als sie tatsächlich sei, finden manche Banker. Sonst beschädige man den Finanzplatz Deutschland noch stärker – und das wäre aus Sicht von Bankern gerade vor dem Hintergrund des Brexits fatal.

Mehr: Beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard ist am Mittwoch die Staatsanwaltschaft angerückt.

Startseite
Mehr zu: Finanzausschuss - Im Kreuzverhör zu Wirecard: So rechtfertigt sich Bafin-Chef Hufeld
1 Kommentar zu "Finanzausschuss: Im Kreuzverhör zu Wirecard: So rechtfertigt sich Bafin-Chef Hufeld"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Bafin hätte niemals zweitweise die Leerverkäufe auf Wirecard unterbinden und die kritischen Financial Times Redakteure anzeigen dürfen. Die Bafin hat also schon sehr aktiv gehandelt, nur leider in die falsche Richtung. Bedauerlicherweise ist davon in dem Artikel nichts zulesen, nur dass im Prinzip keiner ein Interesse an dem Rücktritt von Herrn Hufeld hat. Nur letztendlich zählt nur das Ergebnis, und das ist wirklich nicht akzeptabel und wir dürfen uns an sowas auch nicht gewöhnen, wenn wir nicht wollen, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland irreparabel schaden nimmt.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%