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GeopolitikTürkische Erdgassuche lässt Lira auf neues Rekordtief fallen

Ein neuer Streit mit Griechenland lastet auf dem Kurs der türkischen Währung. Pikant: Mit dem Projekt will die Türkei langfristig ihre Währung stärken.Ozan Demircan 10.08.2020 - 17:52 Uhr

Eine dauerhafte Lösung des Konflikts um Hoheitsrechte in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer ist noch nicht geschafft.

Foto: AP

Istanbul. Für Recep Tayyip Erdogan durchläuft die türkische Lira derzeit nur eine kleine Schwächephase. „Schwankungen passieren immer, so etwas kommt und geht“, erklärte der türkische Präsident den Fall der Türkischen Lira am Wochenende. Es scheint, als würde die jüngste Welle jedoch nicht so schnell abebben, wie er sich das wünscht.

Die Talfahrt der türkischen Währung geht nämlich weiter. Nachdem die türkische Lira bereits in der vergangenen Woche Tiefstände erreicht hatte, markierte der Kurs zum Wochenauftakt Rekordtiefs im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro. In der Nacht zum Montag wurden für einen Dollar 7,4084 Lira gezahlt und damit so viel wie noch nie. Etwa zeitgleich wurde für einen Euro ein Spitzenwert von 8,7217 Lira gezahlt.

Der Verfall der Lira kommt plötzlich. Zuvor lag der Wechselkurs zwei Monate lang stabil bei 6,85 Lira pro US-Dollar, vermutlich, weil die Notenbank sowie staatliche Geldinstitute den Kurs mit Dutzenden Milliarden US-Dollar gestützt hatten. Dieses Geld ist jetzt weg – aber die Probleme sind noch da.

Die schlechten Nachrichten der vergangenen Tage haben auch die Menschen im Land beunruhigt. Nach offiziellen Angaben der Türkischen Zentralbank (TCMB) haben Inländer allein in den vergangenen zwei Wochen Geld im Wert von neun Milliarden US-Dollar in Devisen umgetauscht.

Marktbeobachter erklärten die aktuelle Kursschwäche der türkischen Währung mit neuen Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland im Streit um Erdgas im östlichen Mittelmeer. Ein türkisches Forschungsschiff soll in den kommenden Tagen nach Erdgas südlich der griechischen Insel Kastellorizo (türkisch „Meis“) suchen.

Athen kündigte als Reaktion eine Sondersitzung des Regierungsrats für Außenthemen und Verteidigung (Kysea) unter Vorsitz von Regierungschef Kyriakos Mitsotakis an. Zahlreiche Schiffe der Kriegsmarinen der beiden Nato-Staaten sind in dieser Region unterwegs, hieß es aus Quellen der Regierung in Athen.

Beschränkte Kreditvergabe

Als Reaktion auf den jüngsten Kursverfall der Lira beschränkte die Türkei am Montag ein Stück weit die Kreditvergabe an Unternehmen. Devisenexperten sehen in den Maßnahmen wenig Aussicht auf Erfolg: „Egal, welcher Cocktail aus Bankensystemkosmetik oder partiellen Kapitalkontrollen zusammengemixt wird – den Trend der Lira wird er nicht umkehren können“, sagte Analyst Tatha Ghose von der Commerzbank. Strengere Kapitalkontrollen können seiner Einschätzung nach allenfalls für einen gewissen Aufschub sorgen.

Seit geraumer Zeit leidet die Lira unter der Geldpolitik der türkischen Notenbank. Trotz einer vergleichsweise hohen Inflation mit einer Jahresrate von zuletzt etwa zwölf Prozent hatte die Notenbank mehrfach die Zinsen gesenkt, um die Wirtschaft stärker in Schwung zu bringen.

Hinzu kommt ein chronisches Leistungsbilanzdefizit: Die Türkei importiert mehr, als sie exportiert. Das drückt ebenfalls stetig auf den Wert der Lira. Hauptverantwortlich dafür sind kurioserweise die hohen Einfuhren von Rohstoffen wie Öl und Gas. Ohne sie wäre die türkische Leistungsbilanz ausgeglichen. Sie würde sogar einen leichten Überschuss produzieren.

Damit deutet sich für die Türkei eine Zwickmühle an. Einerseits sorgt der Streit mit Griechenland für Spannungen an den Märkten. Andererseits würde die türkische Volkswirtschaft in erheblichem Maße davon profitieren, wenn sie in ihren eigenen Gewässern Gas fördern könnte. Allerdings steht das internationale Recht diesen Ambitionen im Weg: Der Großteil der Gewässer vor der türkischen Küste gehört laut entsprechender Seerechtskonvention zu Griechenland. Die Türkei will das ändern und sucht daher die Konfrontation – und die wiederum drückt auf die Währung.

Auch der Libyenkonflikt belastet die Währung

Außerdem werfen unter anderem die Vereinten Nationen der Türkei vor, den Bürgerkrieg in Libyen mit Waffenlieferungen weiter anzuheizen. Zur Abschreckung von Staaten, die weiter Waffen nach Libyen liefern, hatte die Bundesregierung erst in der vergangenen Woche eine Fregatte mit rund 250 Soldaten an Bord auf den Weg ins Mittelmeer geschickt. Sie wird dort an der zur Embargokontrolle eingerichteten EU-Operation Irini teilnehmen.

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Deutschland, Frankreich und Italien wollen die anhaltenden Waffenlieferungen in das Bürgerkriegsland Libyen nun mit EU-Sanktionen eindämmen. Die drei Länder haben sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf eine Liste mit Unternehmen und Personen verständigt, die Schiffe, Flugzeuge oder andere Logistik für den Transport von Waffen bereitstellen und damit gegen das seit 2011 bestehende UN-Embargo verstoßen. Konkret geht es nach Angaben aus EU-Kreisen um drei Firmen aus der Türkei, Jordanien und Kasachstan sowie um zwei Personen aus Libyen.

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