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Handelsblatt JahrestagungChemiemanager fordern neuen „Green Deal“

Die Industrie sieht Nachhaltigkeit als Wachstumschance, vermisst aber politische Unterstützung. Vor allem preiswerter grüner Strom wird dringend gebraucht.Bert Fröndhoff 01.09.2020 - 17:37 Uhr

„Europa muss klimaschonende Technologien entwickeln, die besser sind als klimabelastende Alternativen.“

Foto: Foto Vogt GmbH / Euroforum

Düsseldorf. In der deutschen Chemieindustrie kehren Klimaschutz und Nachhaltigkeit wieder stärker in die öffentliche Diskussion und damit auch auf die Agenda der Unternehmenschefs zurück. Das zeigte sich am Dienstag auf der diesjährigen Handelsblatt Jahrestagung Chemie, dem Strategietreff des drittgrößten deutschen Industriezweigs. Rund 100 Teilnehmer kamen in Düsseldorf zusammen – bei der Präsenzveranstaltung war die Zahl wegen des Hygienekonzepts beschränkt.

Die Diskussionen der Manager auf dem Podium brachten die Stimmung in der Branche auf den Punkt: Die Chemieindustrie sieht sich als wichtigen Pfeiler einer nachhaltigeren Wirtschaft. Schon allein, weil dafür innovative Produkte nötig sind und die Chemie praktisch in jeder Branche steckt. „Wir müssen immer wieder deutlich machen, dass wir Teil der Lösung sind“, sagt Henrik Follmann, geschäftsführender Gesellschafter der Follmann Chemie und Präsidiumsmitglied des Branchenverbands VCI.

Zugleich fühlen sich viele Unternehmen von der Politik beim Wandel im Stich gelassen. „Es gibt zu viel Wunschdenken und Forderungen, aber wenige konkrete Initiativen, die der europäischen Industrie helfen“, sagte Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie aus München. Auch Hans Bohnen, Vorstandsmitglied des Schweizer Spezialchemiekonzerns Clariant, forderte bessere Rahmenbedingungen. „Sonst wird sich zu wenig bewegen.“

Staudigl stellte die Unterschiede zwischen den großen Weltregionen heraus. In Europa läge der öffentliche Fokus sehr stark auf Klimaschutz, während über die globale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen kaum geredet werde. „Hoher Wohlstand wird einfach als gegeben hingenommen“, sagte Staudigl. In den USA hingegen dominiere der Wille zu wirtschaftlicher Stärke, in aufstrebenden Ländern der Wunsch nach Wohlstand.

China wiederum zeigt sich als Sonderfall: Dort liegt der Fokus der Politik auf Schaffung von Arbeitsplätzen und auf technologischer Unabhängigkeit vom Ausland. Zugleich hat die Regierung aber erkannt, dass die heimische Wirtschaft nachhaltiger und umweltschonender wirtschaften muss. Als ein Grundpfeiler für diesen Wandel sieht Peking preiswerte Energie – vor allem billigen Strom.

Nachhaltigkeit als Wachstumschance

Für Staudigl gibt es längst einen globalen Wettbewerb der Systeme, um Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen. „Europa muss seinen eigenen Weg finden, der aber intelligent sein muss“, sagt er. Die Chemieindustrie könne sich aus dem fossilen Zeitalter verabschieden, dafür brauche sie aber große Mengen an billigem Strom aus regenerativen Quellen. Die aktuelle Energiepolitik versage jedoch dabei.

Klar ist: Chemiefirmen sehen Nachhaltigkeit heute als Chance für Wachstum. Für 80 Prozent der im „Green Deal“ der EU-Kommission genannten Themen seien Innovationen aus der Chemietechnologie nötig, sagte Clariant-Manager Bohnen. Dafür müsse die Politik einen Rahmen schaffen, der die Industrie stärke.

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„Europa muss klimaschonende Technologien entwickeln, die besser sind als klimabelastende Alternativen“, fordert Wacker-Chemie-Chef Staudigl. „Nur so können können wir den Rest der Welt überzeugen, dass mit unserem Weg zu mehr Nachhaltigkeit auch Wohlstand zu erzeugen ist.“

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