Konzernumbau: Rückschlag für die Commerzbank: Comdirect-Chefin Hegemann tritt ab
Die ehemalige Chefin der Onlinebank Comdirect soll ihre Digitalisierungserfahrung nun beim Versicherer Signal Iduna einbringen.
Foto: ComdirectFrankfurt. Das Stühlerücken bei der Commerzbank geht weiter. Nach Vorstands- und Aufsichtsratsboss kündigte am Mittwoch auch die Chefin der Tochter Comdirect ihren Rückzug an. Frauke Hegemann wird den Konzern nach der Verschmelzung der Quickborner Onlinebank mit dem Frankfurter Mutterkonzern verlassen. Ihre Aufgaben übernimmt danach Matthias Hach, der letzte verbliebene Comdirect-Vorstand.
Das Handelsblatt hatte bereits am Sonntag berichtet, dass Hegemann gekündigt hat. Versuche des neuen Aufsichtsratschefs Hans-Jörg Vetter, die 44-Jährige doch noch zum Bleiben zu bewegen, fruchteten nicht.
In einer E-Mail an die Mitarbeiter von Comdirect erklärte Hegemann Finanzkreisen zufolge, sie habe sich entscheiden, ein interessantes Angebot für eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen. Wohin sie wechselt, verriet sie dabei nicht.
Dem Handelsblatt schrieb Hegemann, sie wolle nach 26 Jahren im Konzern noch einmal die Chance wahrnehmen, „etwas Neues zu machen und ein weiteres Kapitel aufzuschlagen“. Bis zu ihrem Abgang liege ihr Fokus aber „weiterhin ganz klar auf meiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende von Comdirect“.
Für die Commerzbank ist Hegemanns Abgang ein schwerer Rückschlag, denn die Managerin war intern und extern geschätzt. Der Verschmelzungsvertrag sah eigentlich vor, dass sie nach der Fusion beider Institute Bereichsleiterin bei der Commerzbank wird und dort die Digitalisierung des Privatkundengeschäfts vorantreibt.
Insider sehen in Hegemanns Abschied einen weiteren Beleg dafür, dass der Commerzbank angesichts der ungeklärten Zukunft qualifizierte Mitarbeiter und Manager davonlaufen. Das amtierende Vorstandsteam hat im Juli einen radikalen Umbauplan vorgestellt, der unter anderem den Abbau von 10.000 Stellen und die Schließung von Hunderten Filialen vorsieht. Doch bis ein Nachfolger für Vorstandschef Martin Zielke gefunden ist, kann das Institut nicht mit der Umsetzung beginnen.
„Die Entwicklungen bei der Commerzbank sind besorgniserregend“, schrieb der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller auf Twitter. Der Staat, der seit der Finanzkrise 2008 größter Aktionär ist, sei nicht der bessere Unternehmer. „Die nicht durchgeführten schmerzvollen Kostenreduzieren haben wir mit zu verantworten“, erklärte der CDU-Finanzexperte. „Das müssen wir zügig korrigieren.“
„Ich bedaure ihren Weggang sehr“
Bei Comdirect war Anfang der Woche bereits Kommunikationschefin Annette Siragusano von Bord gegangen. Finanzchef Dietmar von Blücher hatte bereits Ende März das Weite gesucht.
Finanzkreisen zufolge hat die Zahl der Kündigungen bei Comdirect in den vergangenen Monaten zugenommen, allerdings nur leicht. Um eine große Abwanderungswelle zu verhindern, habe das Management den Mitarbeitern in Telefonkonferenzen versichert, ihr Wissen werde beim Umbau der Commerzbank dringend gebraucht.
Die rechtliche Verschmelzung beider Institute verzögert sich wegen einer Anfechtungsklage gegen einen entsprechenden Beschluss der Comdirect-Hauptversammlung. Die Commerzbank geht jedoch davon aus, dass die Fusion Anfang des vierten Quartals vollzogen wird. Bis die Integration tatsächlich angegangen wird, könnte wegen der ungelösten Führungsfrage bei der Commerzbank aber noch einige Zeit vergehen.
Privatkundenchef Michael Mandel bedankte sich in einer Mitteilung im Intranet der Commerzbank bei Hegemann „für ihr großartiges Engagement im Konzern und speziell bei Comdirect“. Sie habe die Vorbereitung der Integration maßgeblich mitgestaltet und vorangetrieben. „Ich bedauere ihren Weggang sehr.“
Nach der rechtlichen Verschmelzung beider Institute werde Hegemanns Vorstandskollege Hach als Segmentvorstand für Comdirect verantwortlich sein, heißt es in der Intranetmeldung, die dem Handelsblatt vorliegt. „Matthias wird das Zusammenwachsen vom Comdirect und Commerzbank eng begleiten und dafür sorgen, dass sich die Stärken der Comdirect in unserem Geschäftsmodell wiederfinden“, erklärte Mandel.
Hach ist im Comdirect-Vorstand seit 2018 für Marketing und Vertrieb zuständig. In den vergangenen Jahren trieb er vor allem den Ausbau digitaler Angebote voran. Dazu zählen etwa die Einführung von Google Pay und Apple Pay sowie von Angeboten für die Sprachassistenten Alexa und Google Home.
„Meine DNA ist unternehmerisch“
Hegemann erklärte in ihrer E-Mail an die Mitarbeiter, der Abschied falle ihr nicht leicht. Die Managerin hatte die Führung von Comdirect Anfang des Jahres von Arno Walter übernommen, der vorab zur Commerzbank gewechselt war und dort seitdem die bevorstehende Verschmelzung beider Institute vorbereitet.
Hegemann zählt neben HSBC-Deutschlandchefin Carola von Schmettow zu den wenigen Frauen an der Spitze deutscher Banken. Als sie den Job als Comdirect-Chefin Ende vergangenen Jahres angeboten bekam, musste sie nicht lange überlegen.
„Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen“, sagte Hegemann im Januar im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Deshalb ist es wichtig, gerade als Frau auch mal zu sagen: Ja, ich habe den Mut. Ich mache das jetzt mal.“
Hegemann stammt aus einer Unternehmerfamilie, ihre Mutter leitete eine Textilfabrik. Als Kind stand die kleine Frauke an manchen Wochenenden selbst in der Fabrik, um Blusen zuzuknöpfen und in Tüten zu verpacken. „Meine DNA ist unternehmerisch“, sagt sie. „Ich habe gelernt, diszipliniert zu arbeiten und mit anzupacken.“
Nach dem Abitur zog Hegemann zu ihrem heutigen Mann nach Hamburg und machte dort eine Ausbildung bei der Commerzbank. Dort stieg sie auch ohne Studium schnell auf. Im April 2018 wechselte sie zu Comdirect, ein Jahr später zog sie in den Vorstand ein.
Ob sie nach der Verschmelzung mit der Commerzbank an Bord bleibt, hatte Hegemann im Januar offengelassen. „Für mich persönlich ist wichtig, dass das Zielbild stimmt und ich eine Aufgabe übernehme, die meiner Leidenschaft entspricht und bei der ich persönlich dahinterstehe“, sagte sie damals.