Kommentar: Bei den Schwergewichten am Aktienmarkt zeigen sich durch Corona große Unterschiede
Anleger rechnen beim Versicherer mit schmerzhaften Belastungen aus der Pandemie.
Foto: dpaMünchen. Wer den Dax-Stand der vergangenen Tage mit dem vor exakt einem Jahr vergleicht, der erkennt fast keinen Unterschied. Ein Niveau um 12.500 Punkte gab es im September 2019 bereits. Doch damals glänzte die Wirtschaft noch mit besten Aussichten. Eine weltweite Bedrohung durch Corona konnte noch niemand ahnen. Beim Blick auf den Dax im September 2020 scheint es, als würden Anleger die Auswirkungen der Pandemie nach inzwischen einem halben Jahr mit dem Virus als beherrschbar einschätzen.
Dass dem nicht so ist, zeigt der Blick auf die Schwergewichte im deutschen Marktbarometer. 20 Prozent und mehr haben beispielsweise der Versicherer Allianz oder die beiden Chemie-Riesen BASF und Bayer innerhalb eines Jahres verloren. Der Autobauer Volkswagen gab ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich ab, während die Konkurrenz von BMW und Daimler zumindest am Aktienmarkt inzwischen nur noch wenig betroffen scheint.
Auf der Gegenseite überzeugen SAP mit einem Plus von fast 20 Prozent und Siemens mit über 14 Prozent. Zum Überflieger mutiert gar Infineon. Die Aktie steht um mehr als 40 Prozent besser da als vor einem Jahr.
Natürlich handelt es sich hier um Momentaufnahmen. Die Aussagekraft ist dennoch hoch. Denn die Anleger honorieren die positiven Auswirkungen, die die Coronakrise vor allem auf den Technologiesektor hat. Der Lockdown im Frühjahr und die damit zwangsläufigen Investitionen in digitale Ausrüstung haben den Aktien aus dem Sektor einen gewaltigen Schub gegeben.
Auf der Gegenseite zeigt der deutliche Verlust gerade bei der Allianz, dass die Anleger bei Versicherern mit sehr viel schmerzhafteren Belastungen aus der Pandemie rechnen als das Management lange Zeit glaubhaft machen wollte. Zudem steuert die Branche durch ihre harte Haltung zu Entschädigungen im bisher eher nebensächlichen Bereich der Betriebsschließungsversicherung auf einen Imageschaden zu, der größer sein könnte als der materielle Schaden. Dass jede Krise sprichwörtlich Gewinner und Verlierer produziert, wird somit auch im Dax mehr und mehr offensichtlich.