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Prüfers KolumneEntwurzelt im Homeoffice

Derzeit wird um die steuerliche Entlastung für Arbeit im Homeoffice gestritten. Müssten da nicht sogar die Arbeitsgeber fröhlich Zuschüsse leisten?Tillmann Prüfer 24.09.2020 - 17:27 Uhr Artikel anhören

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Foto: Handelsblatt

Es ist in der Wirtschaftswelt eine Art Allgemeingut, dass man Mitarbeiter selbstverständlich im Homeoffice arbeiten lässt. Arbeitsminister Hubertus Heil möchte das Recht auf Homeoffice versprechen. Ich habe nun gelesen, dass dies gar nicht so simpel ist, wie es sich anhört. Ein Büroarbeitsplatz ist ja nicht nur etwas, das man hin und wieder mal besuchen muss, um die Yuccapalme zu gießen.

Der Arbeitsplatz ist ein vom Staat als sehr wertvoll angesehenes Gut. Wer einen Arbeitsplatz hat, der kann steuerlich allerlei geltend machen. Es gibt etwa die Pendlerpauschale, die jeden Kilometer, den man zum Büro zurücklegen muss, belohnt. Führt der Weg zum Arbeitsplatz aber nur von Bett zum Küchentisch, wird es schwer, das von der Steuer abzusetzen. Das Einzige, was man geltend machen kann, ist leider das Arbeitszimmer. Das muss ein abgetrennter Raum sein, der nicht etwa gleichzeitig als Schlafzimmer oder Kinderzimmer genutzt wird. Der Heimarbeiter kann sich also steuerlich nur gut stellen, wenn er den Luxus eines eigenen Büros genießt. Wer von Bett, Sofa oder Küchentisch aus arbeitet, geht leer aus. Das wird als ungerecht angesehen.

Nun wäre es das Einfachste, auch das Bett oder ein Kinderzimmer als Arbeitszimmer gemäß Steuerrecht zuzulassen. Aber das würde die Ungerechtigkeit verschlimmern. Dann würden bestimmt auch die, die große Säle und Kingsize-Betten in ihren Villen haben, diese zu Büros erklären und steuerlich absetzen wollen. Nun soll im Bundesrat ein Gesetz verhandelt werden, demnach man für jeden Tag Homeoffice fünf Euro steuerlich geltend machen kann – bis zu 600 Euro im Jahr. Das lindert vielleicht die Leiden derer, die am Küchentisch arbeiten müssen.

Trotzdem sind die Leute mit eigenem Büroraum wieder im Vorteil, denn mit dessen Nutzung sparen sie mehr. Kritiker des Modells sagen, dass unklar sei, was der Staat da eigentlich kompensieren solle, Büromöbel, Computer und Arbeitsmaterial seien schon steuerlich absetzbar.

Es wird zudem gefragt, warum Arbeitgeber nicht für das Homeoffice zahlen sollen. Heimarbeit bringt Ersparnisse: Mitarbeiter nutzen die Kaffeemaschine im Büro nicht mehr. Es wird dort weder Klo- noch Druckerpapier verbraucht. Und das Schönste: Wenn der Mitarbeiter zu Hause etwas kaputt macht, sind es dessen Sachen.

Falls er am Schreibtisch tot zusammenbricht, muss das Unternehmen nicht einmal die Leiche beseitigen. Eigentlich ist der Heimarbeitnehmer eine fast komplett eigenverantwortliche Figur. Für den dank Corona endlich entwurzelten Angestellten, vor dem Marx immer gewarnt hat, könnte man als Arbeitgeber mal fünf Euro springen lassen, oder?

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