Potenzielle Gewinner: Dax-Umbau: Diese Kandidaten haben die besten Aufstiegschancen
Der Aromen- und Dufthersteller steht nach vorläufigen Berechnungen ganz oben auf der Liste für einen Platz in der ersten Börsenliga.
Foto: dpaFrankfurt. Heinz-Jürgen Bertram sieht sein Unternehmen schon lange auf Dax-Kurs. „Über kurz oder lang kommen wir da sowieso rein. Ich bin da tiefenentspannt“, sagte der Chef des Aromen- und Duftherstellers Symrise schon im August in einem Interview mit dem Handelsblatt. Spätestens im neuen Jahr dürfte es endlich soweit sein. Die Vorschläge der Deutschen Börse für eine Dax-Reform dürften Symrise so oder so begünstigen.
Wenn der Dax von 30 auf 40 Unternehmen erweitert wird, steht Symrise nach ersten, vorläufigen Berechnungen von Indexexperten ganz oben auf der Liste für einen Platz in der ersten Börsenliga. Auch wenn die Börse den Dax bei 30 Unternehmen belässt, aber Unternehmen nicht mehr bei den Börsenumsätzen einen Mindestrang erfüllen müssen, wäre Symrise Stand jetzt der Aufstieg sicher. Der Grund: Die Marktkapitalisierung, also der Wert der frei handelbaren Aktien, ist bei Symrise höher als beim jüngsten Dax-Aufsteiger Delivery Hero.
Bei einer Erweiterung auf 40 Unternehmen, bei denen kein Konzern aus dem Dax seinen Platz räumen müsste, gilt zudem der Onlinehändler Zalando als sicherer Aufstiegskandidat. Auch das Labortechnikunternehmen Sartorius, die ehemalige Siemens-Tochter Siemens Healthineers und die erst Ende September an die Börse gekommene Siemens-Tochter Siemens Energy sowie das Biotechnologieunternehmen Qiagen gelten als recht sichere Aufstiegskandidaten.
Auch diese vier Unternehmen hätten ohne Dax-Reform zumindest mittelfristig die Chance auf eine Dax-Mitgliedschaft gehabt. Nun könnte es deutlich schneller gehen, eben weil bei einer Erweiterung kein aktuelles Dax-Unternehmen seinen Platz räumen muss.
Das gilt auch für Delivery Hero, so lange dessen Aktienkurs nicht deutlich abstürzt. Künftig will die Börse den Vorschlägen gemäß zwar nur noch Unternehmen in den Dax lassen, die operative Gewinne erwirtschaften. Das hat der Essenslieferant bislang nicht geschafft. Unternehmen, die einmal im Dax sind, sollen aber nicht nachträglich wegen einer schlechten Gewinneentwicklung ausgeschlossen werden. In diesem Fall hätte wohl auch die Deutsche Bank den Dax schon längst verlassen müssen - doch Deutschlands größtes Geldhaus steht auch unter den neuen Regeln nicht zur Disposition.
Keine Chance für Hellofresh
Keine Chance auf einen Dax-Aufstieg hätte dagegen Hellofresh. Der Kochboxenversender ist wie Delivery Hero ein klarer Profiteur der Coronakrise. Der Börsenwert ist allein in diesem Jahr um 160 Prozent in die Höhe geschnellt, die Marktkapitalisierung ist entsprechend deutlich gestiegen. Doch auch Hellofresh ist noch nicht profitabel, von daher bliebe der Dax-Einzug verwehrt.
Hoffnungen auf einen Aufstieg in einen erweiterten Leitindex können sich laut Indexexperten aber auch der Versicherer Hannover Re machen – er wäre nach der Allianz und der Munich Re dann der dritte Versicherungskonzern im Dax 40.
Mit LEG Immobilien würde neben der Deutsche Wohnen und Vonovia zudem ein drittes Immobilienunternehmen in den Dax einziehen. Dazu hätten nach Berechnungen mehrer Experten auch das Online-Vergleichsportal Scout24 und der Chemiehändler Brenntag Aufstiegschancen.
Für Anleger sind die möglichen Kandidaten einen Blick wert, doch noch ist vieles unsicher. Wer nicht gezielt auf einzelne Werte wetten, aber auf deutsche Aktien setzen will, fährt mit Investitionen zum Beispiel auf börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf den Dax besser – die ja dann womöglich im nächsten Jahr eben entsprechend mehr Werte umfassen.