Genossenschaftsbanken: DZ-Bank-Deal zum Verkauf von Teilen der Tochter DVB geplatzt
Die DZ Bank ist das Zentralinstitut für alle rund 850 deutschen Genossenschaftsbanken.
Foto: dpaFrankfurt. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank muss einen Rückschlag beim Verkauf von Dienstleistungen zur Flugzeugfinanzierung hinnehmen. Wie die japanische Großbank Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) mitteilte, verfolgt sie die Übernahme der DVB-Sparten Aviation Investment Management (AIM) und Aviation Asset Management (AAM) nicht weiter. Als Grund wurden Probleme bei der regulatorischen Freigabe der Transaktion angegeben.
Im März 2019 hatte die DZ-Bank-Tochter DVB einen Vertrag über den Verkauf ihres milliardenschweren Luftfahrtfinanzierungsgeschäfts an MUFG bekanntgegeben. Die Übernahme des Aviation-Finance-Portfolios sowie der Mitarbeiter und weiterer Teile der betrieblichen Infrastruktur wurde im November 2019 abgeschlossen.
Von dem Kaufrückzug der Japaner sind nur die Bereiche AIM und AAM betroffen. Die DVB erklärte dazu: „Die DVB und die DZ Bank stehen unverändert hinter den Geschäftsaktivitäten von AIM/AAM und unterstützen diese, wo erforderlich.“ Allerdings wollen sie das Geschäft nach wie vor loswerden: So würden zugleich „alternative Optionen für die endgültige Trennung von diesen Geschäftsfeldern geprüft“.
AAM bietet Asset-Management-Dienste wie Weiterplatzierungen sowie technische und allgemeine Beratungen. Zu den Kunden zählen Flug- und Leasinggesellschaften. Die Schwestersparte AIM agiert indes vor allem als Investmentberater und Anlageverwalter.
Bei der eigentlichen Flugzeugfinanzierung, die die DZ Bank Ende 2019 an MUFG übertrug, ging es um ein Kreditportfolio zum damaligen Wert von rund vier Milliarden Euro. Damit hat das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken in der Coronakrise eine Sorge weniger. Beobachter gehen davon aus, dass das Geschäft mit Flugzeugfinanzierungen in der Corona-Pandemie angesichts der harten Folgen für die Luftfahrtbranche stark leiden dürfte.
Finanzaufsicht beobachtet Flugzeugportfolios genau
Die Finanzaufsicht hat die Flugzeugportfolios der deutschen Banken daher genau im Blick, schließlich ist die Nachfrage nach Maschinen in der Coronakrise deutlich gesunken. Es gibt also durchaus Parallelen zur Schiffskrise, allerdings ist das Volumen der von deutschen Instituten finanzierten Flugzeuge deutlich geringer als bei den Schiffen. Für betroffene Institute, die neben Flugzeugen auch noch andere Belastungen durch die Coronakrise verdauen müssen, sei die Situation aber unschön, sagte eine mit dem Thema vertraute Person.
Betroffen ist auch das Flugzeugportfolio der NordLB. Sie hat im Branchenvergleich ein relativ großes Flugzeugportfolio im Wert von rund 4,1 Milliarden Euro. Davon deckt das Land Niedersachsen ein Portfolio von 1,2 Milliarden Euro vollständig ab. Eine weitere Milliarde Euro ist über eine Verbriefungsaktion namens „NorthVest“ durch Investoren abgeschirmt. Es bleiben also 1,9 Milliarden als Kredite in den Büchern der Landesbank.
Die Kredite gelten bislang bis auf wenige Ausnahmen als relativ stabil, wohl auch durch die staatliche Stützung der Airlines. Die Bank hatte ihre Risikovorsorge bereits zum Halbjahr deutlich aufgestockt, um Ausfälle infolge der Corona-Pandemie abzudecken.
Auch andere deutsche Geldhäuser sind in der Flugzeugfinanzierung aktiv, zeigen sich aber recht gelassen. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) kommt auf ein Portfolio von drei Milliarden Euro. Dafür habe sie bisher eine Risikovorsorge in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrags gebildet, sagte ein Helaba-Sprecher. „Wir sehen, dass die Branche gebeutelt ist und lange brauchen wird, sich zu erholen.“ Aber das Portfolio der Helaba bestehe überwiegend aus Flugzeugtypen, die wahrscheinlich langfristig genutzt werden könnten.
Die BayernLB erklärt, das Volumen der Flugzeugfinanzierungen liege bei weit unter einem Prozent der Bilanzsumme, also deutlich unter 2,6 Milliarden Euro. Weiter wollte sich das Geldhaus nicht äußern.
Die LBBW aus Stuttgart hat Flugzeuge im Volumen von rund 600 Millionen Euro finanziert, was etwa 0,2 Prozent der Bilanzsumme entspricht. Man betreibe das Geschäft sehr risikobewusst, die Bank fühle sich „mit der Qualität ihres Kreditbuchs in der Flugzeugfinanzierung trotz der Corona-bedingten Krise der Luftfahrt weiterhin wohl“, hieß es von der Stuttgarter Landesbank. „Bislang sind keine nennenswerten Störungen zu verzeichnen.“
Trotzdem hat die LBBW bereits reagiert: Sie setzt das Neugeschäft vorübergehend aus.
Mit Agenturmaterial von Bloomberg.