Fondstochter der Deutschen Bank: Rätselraten um Vertragsverlängerung von DWS-Chef Asoka Wöhrmann
Der Manager führt die DWS seit Herbst 2018.
Foto: Bert Bostelmann für HandelsblattFrankfurt. Seit die Deutsche Bank Asoka Wöhrmann an die Spitze des Fondshauses DWS setzte, läuft es bei dem Vermögensverwalter wieder rund. Allein im vergangenen Jahr sammelte die Deutsche-Bank-Tochter netto knapp 30 Milliarden Euro an neuen Anlegergeldern ein, erreichte vorzeitig das Effizienzziel, für jeden verdienten Euro höchstens 65 Cent auszugeben, und erhöhte sogar die Dividende. Getrübt wurde das Bild eigentlich nur durch das hohe Engagement der DWS in Aktien des Skandalkonzerns Wirecard.
Umso erstaunlicher ist es, dass das Geldhaus den Vertrag von Wöhrmann bislang nicht verlängert hat. Laut Geschäftsbericht steht der Vorstandsvorsitzende der DWS bis Oktober 2021 unter Vertrag – bis dahin sind es nur noch gut sechs Monate. In der Regel werden solche Verträge frühestens zwölf Monate vor Ablauf verlängert, aber inzwischen ist so viel Zeit verstrichen, dass ein neuer Vertrag für Wöhrmann eigentlich überfällig ist.
Ist Wöhrmann also in Ungnade gefallen? Angesichts der wirtschaftlichen Eckdaten ist das eher unwahrscheinlich, und es gibt auch keine Gerüchte darüber. Ist er amtsmüde? Angesichts Wöhrmanns Temperament schwer vorstellbar. Hat Aufsichtsratschef Karl von Rohr Wöhrmanns Vertrag schlicht vergessen? Oder pokern beide Seiten um Konditionen oder die Strategie der DWS? Die Deutsche Bank und die DWS wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Innerhalb der DWS sorgt die ungeklärte Vertragssituation allerdings für Gesprächsstoff.
Auch beim Gehalt musste Wöhrmann 2020 zurückstecken. Laut Geschäftsbericht verdiente er insgesamt rund sechs Millionen Euro nach 6,5 Millionen Euro im Vorjahr. In diesen Zahlen noch nicht enthalten ist dabei eine einmalige Extraprämie von einer Million Euro, die Wöhrmann 2019 im Zusammenhang mit Zielen aus dem Börsengang erhielt.
Das niedrigere Gehalt hängt zum einen damit zusammen, dass Wöhrmann wie auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und viele andere Führungsleute der Deutschen Bank 2020 in der Corona-Pandemie auf ein Monatsgehalt verzichtete. Das entspricht bei Wöhrmann 200.000 Euro. Doch auch Wöhrmanns Bonus für das vergangene Jahr fällt um 300.000 Euro geringer aus, das entspricht einem Rückgang von sieben Prozent. Bei der DWS vermutet man, dass dies damit zusammenhängt, dass der Geschäftserfolg 2020 zu einem erheblichen Teil auch der Rally an den Kapitalmärkten zu verdanken war. Die Boni in der DWS sind insgesamt leicht gesunken.
Wöhrmanns Vertrag ist nicht der einzige, der dieses Jahr bei der DWS zur Verlängerung ansteht: Die Verträge von Chief Operating Officer (COO) Marc Cullen und Vertriebschef Dirk Görgen laufen Ende 2021 aus.