Arztpraxis-IT: Fristen zu E-Rezept & Patientenakte: Industrie unter Beschuss
Beim E-Rezept und der Patientenakte stehen die Fristen infrage – die Schuld dafür sieht der Bundesgesundheitsminister bei den Unternehmen.
Foto: dpaDüsseldorf. Dieser Angriff kam unerwartet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich beim 124. Deutschen Ärztetag nicht wie sonst üblich die ärztlichen Fachgesellschaften oder die Vertreter der Selbstverwaltung vorgenommen, sondern die Industrie. „Wie bringt man eigentlich PVS-Hersteller dazu, schneller zu werden? Das beschäftigt mich seit vielen Jahren“, sagte Spahn am Dienstag.
Konkret ging es um die Frage, ob die Praxisverwaltungssysteme (PVS) bis zum ersten Juli angepasst würden, damit Ärzte die dann startende elektronische Patientenakte (ePA) nutzen können.
Bislang unterstützen bloß 22 von 167 Telematik-fähigen PVS die ePA. Bis Juli werden es kaum viel mehr sein. Das Thema ist aber grundsätzlicher. So kündigte Spahn an, dass er diese Problematik bei weiteren Verzögerungen seitens der Industrie „gesetzlich aufbohren“ wolle. Was das konkret heißt, ließ der Minister unbeantwortet.
Seit Jahren haben die staatlich orchestrierten und eng getakteten Digitalisierungspläne des Ministers ein architektonisches Problem: Die Pläne sind abhängig von der Industrie, die Industrie aber nicht von den Projekten. Ärzte oder Krankenkassen werden sanktioniert, wenn sie gesetzliche Fristen reißen. Die Industrie nicht. Die Bundesregierung setzt im Gesundheitsbereich weitgehend auf ein Marktmodell anstatt auf Ausschreibungen oder gar staatliche Angebote.