Ororatech: Dieses Start-up schlägt Feueralarm aus dem Weltall
Kunden von OroraTech sehen, ob es in ihrem Waldgebiet brennt, wie feucht der Boden ist und weitere Daten, die für Löschmaßnahmen wichtig sind.
Foto: PressefotoDüsseldorf. Björn Stoffers weiß, wo es brennt: im US-amerikanischen Gila National Park in New Mexico, seit dem 20. Mai. Im russischen Omsk/Tjumen, seit dem 14. Mai. Im griechischen Loutraki hat der Wald bis zum 23. Mai gebrannt, gibt er zu Protokoll.
Die Informationen erhält der Mitgründer von Ororatech aus Fotos von Wettersatelliten. Sie sind Teil des Geschäftsmodells des Münchener Start-ups: Es will Waldbrände weltweit schneller erkennen und automatisch Löschflugzeuge starten lassen.
Auch erhalten Kunden Infos darüber, wie feucht der Boden ist, und weitere Daten, die für Löschmaßnahmen wichtig sind. Regierungsorganisationen, Versicherungen und die Forstwirtschaft haben den Feueralarm aus dem Weltall bereits abonniert. Dabei steht die Entwicklung noch ganz am Anfang.
Ororatech ist ein Spin-off der Technischen Universität München und eines von vielen deutschen Start-ups, die gerade den „New Space“ entdecken, das private Geschäft im Weltraum. Denn Satelliten in den Orbit zu bringen wird immer günstiger. Das eröffnet Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle.
Die vier Ororatech-Gründer haben jetzt mehrere Wagniskapitalgeber überzeugt, dass in ihrem Frühwarnsystem für Buschfeuer viel Renditepotenzial steckt. In einer ersten institutionellen Finanzierungsrunde (Series A) investieren Findus Venture, Ananda Impact Ventures, Apex Ventures und andere 5,8 Millionen Euro.
„Im kommerziellen Bereich wird ein geschützter Hektar Wald mit etwa 5000 Euro Wert beziffert“, sagt Ororatech-Geschäftsführer Thomas Grübler (29). Ein Vielfaches sei es in Australien, etwa weil Gesundheitsrisiken für Menschen entstehen, wenn der Rauch nach Sydney ziehe.
Mit Waldbeobachtung lassen sich die Schäden eindämmen. Herkömmliche Methoden sind allerdings aufwendig und teuer. „Viele Kunden nutzen Turmsysteme in den Wäldern, auf denen Personen stehen oder Kameras installiert sind“, sagt der studierte Elektro- und Informationstechniker. Ororatech setzt deshalb auf ein satellitenbasiertes System.
Das System ist noch ausbaufähig
Noch aber hat dieses System Lücken. Ororatech nutzt bisher öffentlich verfügbare Wärmebildfotos von Wettersatelliten, etwa von den Raumfahrtbehörden Nasa und Esa. Das größte Problem dabei: „Nachmittags gibt es ein Loch von sechs bis neun Stunden“, sagt Grübler.
Denn Satelliten können immer nur zur gleichen Zeit Fotos von einem bestimmten Ort auf der Erde schießen – je nachdem, wann sie in den Orbit geschossen werden. Wegen besserer Lichtverhältnisse sind Forschungssatelliten oft auf den Vormittag ausgerichtet.
Daher will das Start-up binnen fünf Jahren mit einer eigenen Konstellation aus 100 Kleinstsatelliten rund um die Uhr Daten erheben. Erst dann, so Grübler, werde die Technologie für Kunden in Europa interessant. Dort werden Brände in der Regel schnell von Wanderern entdeckt – anders als in riesigen Waldgebieten anderer Regionen, in denen sich niemand aufhält.
Im Dezember will Ororatech erstmals eine selbst entwickelte Thermal-Infrarotkamera losschicken, installiert auf einem Nanosatelliten des US-Unternehmens Spire. Die technologische Herausforderung: Bisher mussten die Kameras bei großem Energiebedarf im Weltraum gekühlt werden. Das ging nur auf sehr großen, teuren Satelliten. Das Kamerasystem von Ororatech soll ungekühlt funktionieren.
Björn Stoffers, Rupert Amann, Florian Mauracher und CEO Thomas Grübler haben 2018 OroraTech gegründet. Inzwischen hat das Start-up 44 Mitarbeiter.
Foto: PressefotoFür kommerzielle Forstbetriebe in Australien und Südamerika lohnt sich der Dienst von Ororatech offenbar jetzt schon: Kunden wie die Forestry Corporation of NSW im Südosten Australiens und Celulosa Arauco y Constitución aus Chile zahlen eine monatliche Gebühr je Beobachtungshektar. Neben Bränden werden ihnen Daten zu Bodenfeuchte und -beschaffenheit angezeigt. Auch „namhafte Versicherungen und Rückversicherungen auf der ganzen Welt testen das System“, sagt Grübler.
Insgesamt geht er von einem Marktvolumen im einstelligen Milliardenbereich aus. Zum Vergleich: Laut der Rückversicherung Munich Re kamen die Konzerne im Jahr 2018 für Waldbrandschäden in Höhe von 18 Milliarden Dollar auf (knapp 15 Milliarden Euro). Insgesamt seien in dem Jahr Waldbrandschäden in Höhe von 24 Milliarden Dollar entstanden.
Einen unabhängigen Blick hat Investor Thomas Oehl. Er ist mit Vsquared Ventures in verschiedenen anderen Raumfahrt-Start-ups investiert und hinterfragt, ob es für jeden Anwendungsfall von Erdbeobachtung ein eigenes Start-up brauche. So überwacht etwa das Berliner Unternehmen LiveEO die Umgebung von Bahnschienen auf Bodenabsenkungen. Andere Unternehmen seien schon breiter aufgestellt.
Trotzdem freut sich der Investor, dass sich immer mehr Wagniskapitalgeber in dem Bereich engagieren. 2020 flossen 308 Millionen Euro in Weltraum-Start-ups. „Es wird spannend, was sich im Space- und Finanzboom als nachhaltiges Geschäftsmodell rauskristallisiert“, sagt Oehl.